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aktualisiert: 13.06.2013 21:41

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von Christoph Platt, €uro am Sonntag

FONDS IM VISIER

Deutschlands beste Fonds - und welche nichts taugen

BASF zu myNews hinzufügen Was ist das?



Deutschlands beste Fonds
Es gibt sie wirklich. Deutschland-Fonds, die den DAX mittel- und langfristig hinter sich lassen. Euro am Sonntag stellt die ­besten Produkte vor und analysiert deren Erfolgsstrategien.

von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Man nehme 25 Prozent chemische Industrie, 14 Prozent Automobilhersteller und zwölf Prozent Industriewerte als Grundlage. Hinzu füge man elf Prozent Versicherungen und neun Prozent Technologiewerte. Das Ganze verfeinere man mit jeweils grob fünf Prozent Versorgern, Konsumgüterherstellern, Banken, Gesundheitswesen und Telekommunikation. Einmal umrühren, und schon hat man einen Leitindex, der Anlegern gerade in den vergangenen Monaten viel Freude bereitete: den DAX.

Egal, ob einem diese Zusammensetzung mundet oder nicht: Der DAX ist eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen ist er 25 Jahre alt und schmeckt kein bisschen schal oder abgestanden. Im Gegenteil: In einem Europa, dessen Wirtschaft derzeit stagniert oder gar schrumpft, bringen die positiven Aussichten für viele deutsche Unternehmen Würze in den Aktienmarkt des Kontinents.

Nach seiner Einführung entwickelte sich der DAX schon bald zum deutschen Leitindex. Für die Manager deutscher Aktienfonds wurde er damit zum wichtigsten Vergleichsmaßstab für ihre Leistung. Auch wenn der DAX heute noch als Orientierung dient, bemühen sich die Fondsmanager, sich davon zu unterscheiden und auf diese Weise ihrem Fonds zu einer ­besseren Wertentwicklung zu verhelfen. Sektoren werden über- oder untergewichtet, einzelne Aktien bevorzugt oder ausgeschlossen, Nebenwerte beigemischt oder man konzentriert sich gar völlig auf sie.

Der DAX allein ist unschlagbar
Von den rund 120 Deutschland-Fonds, die hierzulande vertrieben werden, kocht jeder Fondsmanager sein eigenes Süppchen. Dass mal mehr, mal weniger stark vom deutschen Leitindex abgewichen wird, ist im Sinne der Vielfalt eine gute ­Sache. Nur leider vergreifen sich manche Fondsmanager bei der Wahl der Zutaten für ihr Portfolio.

Doch genauso wie es schwache Produkte gibt, gibt es auch extrem starke. €uro am Sonntag hat die Ranglisten durchforstet und herausragende Deutschland-Fonds ermittelt. Dabei spielte nicht nur die langfristige Wertentwicklung eine Rolle. Auch die Schwankungsbreite (Volatilität), die maximalen Verluste, die Anleger hinnehmen mussten, und das Rendite-Risiko-Profil wurden analysiert. Vier dieser Fondsperlen stellen wir ausführlich vor (siehe Investor-Infos). Die besten und schlechtesten Fonds über verschiedene Zeiträume haben wir in einer ausführlichen Tabelle zusammengestellt (siehe Tabelle).

Das erste Ergebnis unserer Auswertung: Der DAX ist allein durch Auswahl von DAX-Titeln für einen Fondsmanager auf lange Sicht nicht zu schlagen. In der Theorie mag das möglich sein, indem die Gewinneraktien über- und die Verliereraktien übergewichtet werden. Doch in der Praxis gelingt das zu selten.

Das hat zwei Gründe: Zum einen werden die Großunternehmen intensiv begutachtet, zahlreiche Analysten durchleuchten sie bis ins kleinste Detail. Viele Investoren bewerten den Preis täglich neu. Hier als findiger Fondsmanager ein unentdecktes Potenzial ausfindig zu machen ist schwierig. Zum anderen ist die Gebührenbelastung auf lange Sicht eine schwere Hypothek. Gehen Jahr für Jahr 1,5 Prozent für die Verwaltung eines Fonds drauf, so führt selbst eine ordentliche Titelauswahl mit einem Plus von 1,5 Prozent gegenüber dem DAX zu einem Nullsummenspiel für den Anleger.

Um den DAX zu übertreffen, mischen viele Fonds Aktien bei, die nicht im Leitindex vertreten sind. Diese Nebenwerte finden sich häufig in ­einem der Tochterindizes der DAX-Familie (MDAX, SDAX, TecDAX). Je nach Ausrichtung des Fonds können aber auch börsennotierte Unternehmen, die noch kleiner sind, ins Portfolio aufgenommen werden. Rund 550 Firmen befinden sich im General und Prime Standard der Deutschen Börse und stellen damit ein potenzielles Anlageziel eines deutschen Aktienfonds dar.

Gute Fonds, die Standardtitel erwerben und gleichzeitig Nebenwerte beherzt beimischen, zeigen eine hervorragende mittel- und langfristige Wertentwicklung. Die besten der knapp 100 Produkte der Kategorie Aktienfonds Deutschland übertreffen das Geburtstagskind, den DAX, dank dieser Strategie spielend. Sie werden im Regelfall nur ­geschlagen von guten Nebenwertefonds, die ausschließlich deutsche Aktien ­jenseits des DAX kaufen. Rund 25 Fonds werden in Deutschland vertrieben, die in diese Kategorie, Aktienfonds Deutschland/Nebenwerte, fallen.

Von den vier Spitzenprodukten, die €uro am Sonntag ausführlich vorstellt, ist der DWS Deutschland der Fonds mit dem höchsten Anteil an Standardwerten: DAX-Titel machen rund zwei Drittel des Portfolios aus. Im GS & P Fonds Deutschland aktiv stellen die Bluechips ein Drittel, im Acatis Aktien Deutschland ELM 20 Prozent. Der CSEF Small & Mid Cap Germany verzichtet vollständig auf Werte aus dem deutschen Leitindex.

Kleine Werte als Renditebringer
Wer sich partout nur Schwergewichte ins Depot holen will, greift am besten zu einem ETF. Die bör­sengehandelten Indexfonds bleiben mit ihrer Wertentwicklung ganz eng am Kursbarometer. Die Gebührenbelastung ist bei diesen ETFs besonders gering. Sie bewegt sich für einen Standardindex wie den DAX bei 0,15 Prozent pro Jahr.

Wer deutsche Aktien kaufen will und höhere Schwankungen ertragen kann, investiert besser in den MDAX, etwa in einen ETF. Der Nebenwerte-Index enthält deutsche Top­unternehmen, die mit ihrer Marktkapitalisierung nicht zu den ganz Großen gehören, aber doch in ihrem Geschäftsfeld in der Weltspitze mitspielen. Die Volatilität, ein Maß für die Kursschwankungen eines Index oder Wertpapiers, lag beim MDAX in den vergangenen drei Jahren bei 22 Prozent. Beim DAX waren es 21 Prozent. Dafür legte der MDAX im gleichen Zeitraum um 72 Prozent zu, während der DAX „nur“ 39 Prozent hinzugewann. Will man Schwankungen und Rendite ins Verhältnis setzen, bietet sich die Kennzahl Sharpe-Ratio an. Sie spricht für den MDAX. Das höhere Risiko, das bei einer Investition in den MDAX eingegangen wurde, wurde durch eine weitaus höhere Rendite überkompensiert.

Angesichts der jüngsten Allzeithochs bei DAX und MDAX stellt sich zu Recht die Frage, wie weit der Aufschwung am deutschen Aktienmarkt noch gehen kann.

Fragt man die besten Fondsmanager, sind die Aussichten für deutsche Aktien weiter gut — so weit keine Überraschung. Doch die Fonds­lenker haben gute Argumente parat. „Deutschland hat so viele interessante Firmen — weitaus mehr als ­andere europäische Länder. Für ­Anleger ist das regelrecht ein Pa­radies“, schwärmt Felix Meier, der den CSEF Small & Mid Cap Germany managt. Frank Lübberstedt, Lenker des Acatis Aktien Deutschland ELM, verweist auf die weitreichenden Geschäftsbeziehungen mittelgroßer Unternehmen: „Der deutsche Mittelstand ist unglaublich stark global aufgestellt.“

Weil ein hoher Anteil der deutschen Exporte in Schwellenländer geht, ist Deutschland von der Schwäche in Europa nicht so stark betroffen. Zwar wachsen die Volkswirtschaften in Asien und Südamerika nicht mehr so dynamisch wie vor der Finanzkrise. Doch sie wachsen und bieten deutschen Exporteuren Absatzmöglichkeiten.

Auch die Bewertung spricht nicht gegen den deutschen Markt. Trotz der deutlich gestiegenen Aktienkurse liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das einen ersten Eindruck von der Bewertung eines Markts liefern kann, im DAX derzeit bei etwa zwölf.

„Damit sind deutsche Aktien zwar keine Schnäppchen mehr“, sagt Tim Albrecht, Manager des DWS Deutschland, „doch von überteuert kann keine Rede sein.“ Das KGV im DAX liegt im historischen Durchschnitt bei 13 bis 14.

Welche Mixtur der DAX in den kommenden Jahren haben wird, ist noch offen. Fest steht, dass viele Fondslenker auch in Zukunft versuchen werden, den deutschen Leitindex mit ihrer eigenen Mischung zu schlagen. Die besten Manager werden Rezepte haben, wie ihnen das gelingt.
Rangliste deutscher Aktienfonds (pdf)

Investor-Info

DWS Deutschland
Standardwerte mit Schuss

Zwei Drittel DAX-Unternehmen, ein Drittel Nebenwerte — so lautet das Erfolgsrezept von Tim Al­brecht, dem Lenker des DWS Deutschland. Die Gewichtung ist aber nicht in Stein gemeißelt, sondern stellt den langjährigen Durchschnitt dar. Momentan hat Albrecht ein Viertel seines Portfolios in Titel aus der zweiten Reihe investiert. Möglich sind zwischen zehn und 50 Prozent. „Ein strukturelles Thema des Fonds sind exportlastige Titel“, sagt der Manager. „Schon früh haben wir auf den Trend zur Globalisierung und die wachsende Bedeutung der Schwellenländer für den deutschen Export gesetzt.“ Der Lohn: Der DWS Deutschland ist der beste Fonds auf Sicht von zehn Jahren unter den Produkten, die überwiegend auf deutsche Standardtitel setzen. Weil Al­brecht an weitere Kurszuwächse glaubt, hat er die Investitionsquote des Fonds auf 110 Prozent erhöht. Die Fondsrichtlinien erlauben ihm eine moderate Steuerung der Investitionsquote über DAX-Futures in einer Spanne von 90 bis 120 Prozent. „Industrie-, Chemie- und Automobiltitel bleiben übergewichtet“, beschreibt Albrecht die Zusammensetzung des Portfolios. Defensivere Branchen wie Telekommunikation oder Versorger hat der Manager hingegen untergewichtet. Den größten Anteil am Fondsvermögen haben Bayer, BASF und SAP.

GS & P Deutschland aktiv
Gleichgewichtung mit System

Ein echter All-Cap-Fonds ist der GS & P Deutschland aktiv. Schwergewichte aus dem DAX, mittelgroße Unternehmen und Small Caps stellen jeweils ein Drittel des Portfolios. Fondsmanager Harald Berres von der Gesellschaft Grossbötzl, Schmitz & Partner verfolgt einen ungewöhnlichen Anlageprozess. Er nimmt ein Unternehmen erst dann genauer unter die Lupe, wenn die hauseigene Analysesoftware es als potenzielles Anlageziel ausgewiesen hat. Das Programm screent den gesamten deutschen Aktienmarkt und untersucht — nachdem nur schwer handelbare Titel aussortiert wurden — die Faktoren Bewertung, Ertragsstärke, Bilanzqualität und Sentiment. Aus den Aktien, die das Programm ermittelt hat, wählt Berres 25 aus und gewichtet sie im Fonds in der Regel gleich. „Damit bieten wir das konzentrierteste Deutschland-Portfolio am Markt“, sagt er. Zusätzlich kommt ein Absicherungssystem zum ­Einsatz, das die Trends im DAX untersucht. Signalisiert es einen Abschwung, kann das Portfolio zu maximal 50 Prozent abgesichert werden. „Verlustbegrenzung geht für uns über Gewinnmaximierung“, sagt Berres. Das für einen Deutschland-Aktienfonds hervorragende Rendite-Risiko-Verhältnis beschert dem Produkt die €uro FondsNote 1. 

Acatis Aktien Deutschland
Flexibilität ist Trumpf

Der Acatis Aktien Deutschland ELM setzt nicht ausschließlich, aber überwiegend auf Nebenwerte. Etwa ein Fünftel des Fondsvermögens investiert Manager Frank Lübberstedt in DAX-Titel, 30 Prozent in Aktien aus dem MDAX und dem TecDAX. Damit verbleibt die Hälfte des Geldes für Titel aus dem SDAX oder kleinere Unternehmen. Wichtig ist Lübberstedt die Flexibilität des All-Cap-Ansatzes: „Viele investieren entweder in Large Caps oder in Nebenwerte. Wir sind da offen und investieren dort, wo es spannend ist“, sagt er. Aktuell sind Patrizia Immobilien, Adidas und OHB im Fonds stark gewichtet. Lübberstedt begreift sich als Value-Investor, als Anleger, der niedrig bewertete Unternehmen kauft. „Das hat aber nichts mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis zu tun, sondern mit der Qualität ­eines Unternehmens und kontinuierlichem Wachstum“, betont er. Lübberstedt versucht mithilfe verschiedener Analysen vorherzusagen, wo ein Unternehmen in drei Jahren operativ steht. Ist die Aktie heute von dem fairen Wert, der sich aus dieser Berechnung ergibt, mindestens 30 Prozent entfernt, steigt der Manager ein. Trotz des Fokus auf Nebenwerte hielten sich die Schwankungen des Fonds und die maximalen Zwölfmonatsverluste in den vergangenen fünf Jahren erfreulich in Grenzen. 

CS EF Small & Mid Cap Germany
Fehlbewertungen gesucht

Deutsche Standardwerte suchen Anleger im CS Small and Mid Cap Germany vergebens. Der Fonds unter der Leitung von Felix Meier ist ein reines Nebenwertevehikel und bester Deutschland-Fonds auf Sicht von zehn Jahren. Rund 80 Prozent des Fonds­vermögens legt Meier in Titel aus dem MDAX und dem TecDAX an. Das verbleibende Fünftel investiert er in Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 100 Millionen bis zu einer Milliarde Euro. „Gerade bei diesen kleinen Unternehmen finden wir manchmal krasse Fehlbewertungen“, sagt der Manager. Doch auch große Unternehmen könnten vom Markt fehlbewertet sein, fügt er hinzu. Nach diesen Aktien, die ein erhebliches Aufwärtspotenzial haben, sobald der wahre Wert von der Mehrzahl der Anleger erkannt wird, hält er Ausschau. Zu den Toptiteln im Fonds zählen EADS, Sky Deutschland und Morphosys. Übergeordnete Investmentthemen spielen in Meiers Fonds keine Rolle. „Wir suchen interessante Storys bei einzelnen Firmen“, sagt er. Um ein Unternehmen einschätzen zu können, betrachtet er zunächst zwei Ebenen. „Wir lassen uns vom Management erklären, wie es die Umsätze erhöhen und die Kosten senken will und was in der Pipeline steckt“, beschreibt Meier die erste Stufe. In einem zweiten Schritt untersucht er, welche volkswirtschaftlichen Variablen den Umsatz antreiben. „Anschließend füttern wir unsere Bewertungsmodelle mit diesen Erkenntnissen.“ 

Bildquellen: sergign / Shutterstock.com

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Kommentare zu diesem Artikel

Motzer schrieb:
13.06.2013 11:41:47

Vorsicht mit ausländischen thesaurierenden Fonds! Hier erfolgt eine Doppelbesteuerung der thesaurierten Erträge. Wenn man den Fonds mit Gewinn verkauft, kommt das böse Erwachen. Die Steuern zehren den Gewinn fast auf. Die Rückholung über die Steuererklärung ist schwierig.

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