28.06.2013 10:14
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SJB FondsEcho. DWS Türkei.

Langfristszenario. Intakt.
Der türkische Aktienmarkt hat in den letzten vier Wochen rund 20 Prozent seines Wertes eingebüßt. Bedingt durch die teils gewaltsam aufgelösten Demonstrationen gegen Premier Erdogan, aber auch aufgrund global grassierender Zinserhöhungsängste, rutschte der türkische Leitindex ISE National 100 ausgehend von Notierungen über der 90.000-Punkte-Marke bis rund 71.000 Zähler im Tief ab. Aus charttechnischer Sicht ist damit klar: Sowohl der kurzfristige Aufwärtstrend seit Jahresbeginn als auch der mittelfristige Aufwärtstrend seit Januar 2012 sind gebrochen. Das langfristige Szenario ist hingegen weiterhin intakt. Erste antizyklisch agierende Investoren wittern bereits günstige Einstiegskurse an der Istanbuler Börse.
Was sagt Sebastian Kahlfeld, seines Zeichens FondsManager des DWS Türkei (WKN A0DPW3, ISIN LU0209404259), zu dieser Frage? Kahlfeld betont, seiner Meinung nach sei das politische Risiko am Markt weitgehend eingepreist, solange sich die Lage nicht verschärfe. Die Schnelligkeit des Kurssturzes habe ihn aber selbst überrascht, so der Marktexperte. Kahlfeld hebt seine Perspektive als Langfristinvestor hervor: Trotz des heftigen kurzfristigen Kurseinbruchs bleibe die „Erfolgsstory Türkei“ intakt: Das türkische Wirtschaftswachstum habe sich in den vergangenen zwölf Jahren verdreifacht, auch für das laufende Jahr sei aktuell von einem BIP-Zuwachs zwischen drei und vier Prozent auszugehen. Unterstützung komme zudem von der Währungsfront: Die jüngste Abschwächung der türkischen Lira führe dazu, dass die Exporte nochmals attraktiver werden, zugleich profitiere die Türkei von sinkenden Rohstoffpreisen. Ein attraktives Szenario für den DWS Türkei, der am 13. Juni 2005 aufgelegt wurde und aktuell über ein FondsVolumen von 101,3 Millionen Euro verfügt. FondsManager Kahlfeld investiert in türkische Aktien jeglicher Marktkapitalisierung und hat derzeit ein Portfolio von 58 Einzeltiteln zusammengestellt. Die Schwerpunkte liegen im Finanz- und Industriesektor, Telekomtitel und Versorger sind hingegen nur gering gewichtet. Der DWS-Fonds nutzt den MSCI Turkey IMI Top 20 Group Entity 10-40 (RI) als Benchmark und strebt danach, diese durch aktives Portfoliomanagement zu übertreffen. Im letzten Jahr 2012 ist dies Kahlfeld mit einer attraktiven Rendite von +69,10 Prozent in Euro gelungen. Auch die seit Auflage erzielte Wertentwicklung von +98,77 Prozent bzw. +8,92 Prozent p.a. überzeugt. Wie sieht die Strategie des Türkeifonds im Detail aus?

FondsStrategie. Wachstumswerte. Gesucht.

Der DWS Türkei hat sich einen nachhaltigen Wertzuwachs zum Ziel gesetzt und legt hierzu in Aktien von Emittenten mit Sitz oder Börsennotierung in der Türkei an. Der Fonds ist bei seiner Sektoren- und Titelallokation nicht an seine Benchmark gebunden; die Auswahl der Einzelinvestments obliegt FondsManager Sebastian Kahlfeld, der ein aktives Portfoliomanagement verfolgt. Seine Zielsetzung ist es, in gleichem Maße solide wie wachstumsstarke Unternehmen zu einem attraktiven Preis zu erwerben. Eine Schwerpunktlegung auf Aktien mit einer bestimmten Marktkapitalisierung findet nicht statt - große, mittlere und kleinere Werte finden sich zu etwa gleichen Teilen im FondsPortfolio. Kahlfeld betont, dass die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsstärke der Türkei noch oft verkannt werde. Viele Anleger würden immer noch unterschätzen, wie viele alltäglich genutzte Produkte mittlerweile aus der Türkei kommen. Eine ganze Reihe von Gebrauchsutensilien wie Elektronikteile, Waschmaschinen und Automobile seien Exportprodukte der Türkei. Auch mit Blick auf die jetzt zunehmende Kritik am türkischen Premier Erdogan empfiehlt Kahlfeld eine differenziertere Betrachtung: In seiner mehr als zehnjährigen Amtszeit habe das Land einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, der viele, die jetzt gegen ihn auf der Straße protestieren, erst zu Wohlstand geführt hat.

FondsPortfolio. Finanztitel. Führend.

Wie sieht die Branchenstruktur des DWS Türkei im Detail aus? Das Portfolio wird von Finanztiteln dominiert, die 36,8 Prozent des FondsVermögens ausmachen. In der Konsequenz finden sich zahlreiche türkische Banken unter den Top 10. Neben der Isbank liegen auch die Vakiflar Bank sowie Halk Bankasi unter den größten Einzelwerten vorn. Die fundamentale Stärke dieser Finanztitel wird daran offensichtlich, dass beispielsweise die Halkbank im ersten Quartal 2013 einen Anstieg des unkonsolidierten Reinerlöses von 31,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen konnte. Industrietitel nehmen 20,9 Prozent in der Sektorenallokation des Türkeifonds ein und erfahren damit ebenfalls eine hohe Gewichtung. Unter den Top 10 wird der Sektor von dem Anlagenbauer Enka Insaat vertreten, der im Kraftwerks- und Fabrikbau tätig ist. Der türkische Konsumsektor bildet einen weiteren Schwerpunkt im Portfolio des DWS Türkei: 9,2 Prozent der FondsBestände kommen aus der Branche der Hauptverbrauchsgüter, der Sektor der dauerhaften Konsumgüter deckt 9,0 Prozent des FonsVolumens ab. Produzenten von Grundstoffen (6,8 Prozent) sowie Aktien aus dem Telekommunikationssektor (6,5 Prozent) runden das Portfolio ab. Die größte Einzelposition des Fonds, der Mobilfunkanbieter Turkcell, kommt aus diesem Bereich. Komplettiert wird das FondsPortfolio durch einen geringen Bestand türkischer Versorger (1,0 Prozent). FondsManager Kahlfeld berichtet, im Zuge der beginnenden Diskussion um wieder steigende Zinsen moderate Umschichtungen im Fonds vorgenommen zu haben: Positionen im Finanzsektor wurden abgebaut, das frei gewordene Geld in Infrastrukturunternehmen und Konsumwerte investiert.

FondsVergleichsindex. Korrelation. Deutlich.

Für unsere unabhängige SJB FondsAnalyse haben wir den DWS Türkei dem Dow Jones Turkey Total Stock Market Index gegenübergestellt. Das Ergebnis der Korrelationsanalyse mit dem breit gestreuten türkischen Aktienindex zeigt einen hohen Gleichlauf der Kursbewegungen. Über drei Jahre ist die Korrelation mit 0,88 stark ausgeprägt, für ein Jahr fällt sie mit 0,85 ähnlich deutlich aus. Die Kennzahl R² demonstriert, dass FondsManager Kahlfeld mit seiner individuellen Sektoren- und Titelgewichtung kurzfristig stärker vom SJB-Vergleichsindex abweicht. Für drei Jahre liegt R² bei 0,78, über ein Jahr nimmt die Kennziffer einen Wert von 0,72 an. Damit haben sich mittelfristig 22 Prozent der FondsEntwicklung indexunabhängig vollzogen, kurzfristig sind es 28 Prozent. Der Tracking Error des Türkeifonds liegt über drei Jahre bei 13,49 Prozent, auf Jahressicht geht die Spurabweichung vom Referenzindex auf 12,52 Prozent zurück. Welche Kursschwankungen weist das DWS-Produkt auf?

FondsRisiko. Volatilität. Geringer.

Der DWS Türkei weist über drei Jahre eine Volatilität von 31,53 Prozent auf, die für einen im Schwellenländerbereich aktiven Aktienfonds keinesfalls zu hoch ausfällt. Vielmehr liegt sie noch unterhalb der 33,14 Prozent, die der Dow Jones Turkey Total Stock Market Index als SJB-Vergleichsindex zu verzeichnen hat. Über ein Jahr erhält sich dieses mit Blick auf das Risikoprofil des Fonds sehr erfreuliche Ergebnis: Hier liegt die mittlere Schwankungsneigung des Fonds bei 31,63 Prozent und damit erneut niedriger als bei der ausgewählten Benchmark: Die „Vola“ des breiten türkischen Aktienmarktes ist mit 32,44 Prozent stärker ausgeprägt. Insgesamt ist der DWS-Fonds damit der Sieger im Volatilitätsvergleich, da seine Schwankungsbreite in beiden untersuchten Zeiträumen geringer ausfällt.
Die günstigere Volatilitätsstruktur des Fonds manifestiert sich auch an dessen Beta von 0,88 über drei Jahre. Für ein Jahr nimmt die Risikokennziffer einen identischen Wert von 0,88 an und liegt damit ebenfalls unter Marktniveau. Die Kursschwankungen seines FondsPortfolios hat Sebastian Kahlfeld offensichtlich gut unter Kontrolle: Das Beta des Fonds liegt auch im rollierenden Zwölfmonatsvergleich über die letzten drei Jahre in 26 der 36 betrachteten Einzelzeiträume niedriger als der Marktrisikofixwert von 1,00 und nimmt dabei Werte zwischen 0,65 und 0,95 an. Lediglich in zehn der untersuchten Zeitspannen schwankt die Wertentwicklung stärker als die der SJB-Benchmark: Hier ist das Fonds-Beta mit Werten zwischen 1,03 und 1,11 moderat erhöht. Als Quintessenz der Beta-Analyse ist damit eine attraktive Risikostruktur des DWS-Fonds zu konstatieren: Die Schwankungsintensität ist gemessen am Referenzmarkt überwiegend gedämpft. Welche Renditeergebnisse kann der Fonds auf dieser Basis erzielen?

FondsRendite. Alpha. Changierend.

Der heftige Kursrücksetzer am türkischen Aktienmarkt hat auch beim DWS Türkei seine unvermeidlichen Spuren hinterlassen: Die Mitte Mai auf Eurobasis noch rund +30,0 Prozent betragende Wertentwicklung über drei Jahre ist auf +1,03 Prozent zusammengeschrumpft (Bewertungstag 21.06.2013). Der Dow Jones Turkey Total Stock Market Index als die von der SJB gewählte Benchmark zeigt sich im selben Zeitraum etwas robuster; er bringt es im selben Zeitraum auf ein Plus von +11,47 Prozent. Die Zahlen entsprechen einer Rendite von +0,34 Prozent p.a. beim Fonds gegenüber einer Jahresrendite von +3,68 Prozent beim Referenzindex. Im kurzfristigen Zeithorizont von zwölf Monaten liegen Fonds und Index mit ihrer Performance in etwa gleichauf: Einer Rendite des DWS-Fonds von +14,21 Prozent für ein Jahr steht eine Wertentwicklung von +15,73 Prozent beim Referenzindex gegenüber.
Dass das von FondsManager Kahlfeld zusammengestellte türkische Aktienportfolio sehr wohl dazu in der Lage ist, eine Mehrrendite gegenüber dem breiten Markt zu erzielen, beweist die Alpha-Analyse. Auf Jahressicht liegt die Renditekennzahl mit 0,05 im positiven Bereich, über drei Jahre fällt sie mit -0,21 hingegen negativ aus. Im rollierenden Zwölfmonatsvergleich über drei Jahre wird deutlich, dass der Fonds regelmäßig Perioden mit einer besseren Performance aufzuweisen hat: In 25 der letzten 36 Zeiträume erreichte das Alpha einen positiven Wert bis maximal 1,90. Lediglich in elf Einzelzeiträumen befand sich die Renditekennziffer im negativen Bereich und verzeichnete dabei Werte von zutiefst -2,42. Das mehrheitlich über Marktniveau liegende Alpha sowie die vergleichsweise moderaten Schwankungen im Vergleich zur Benchmark verleihen dem DWS Türkei ein insgesamt überzeugendes Rendite-Risiko-Profil.

SJB Fazit. DWS Türkei.

Der jüngste Kursrutsch am türkischen Aktienmarkt hat die Bewertungen zahlreicher Titel auf ein sehr attraktives Niveau absinken lassen. Nachdem die politischen Risken mittlerweile ausreichend eingepreist scheinen, dürfte sich der Fokus wieder auf die soliden wirtschaftlichen Fundamentaldaten verschieben. Antizyklische Investoren sollten die günstige Einstiegschance auf dem aktuellen Kursniveau nutzen. Der DWS Türkei, der neben der für Türkeifonds typischen hohen Gewichtung von Finanztiteln auch ein zweites Standbein im Industriesektor hat, ist in diesem Fall die richtige Wahl.

Erläuterungen

Alpha

Ist die Kennziffer für die Renditechancen. Das Alpha beziffert jenen Teil der FondsRendite, der auf aktive Titelauswahl zurückzuführen ist. Je höher das Alpha, umso besser hat sich der Fonds im Verhältnis zum Markt entwickelt. Beispiel: Ein Alpha von 5,0 zeigt an, dass der Fonds im Vergleich zu seiner Benchmark in den gewählten Betrachtungszeiträumen einen durchschnittlichen Mehrertrag von 5,0 Prozent erzielt hat. Ein positives Alpha deutet darauf hin, dass durch aktives Portfoliomanagement eine Mehrrendite für den Investor erwirtschaftet wurde. Insofern ist die Kennziffer ein Leistungsindikator für erfolgreiches FondsManagement. Gerade im Wettbewerb mit passiven ETFs ist das Alpha das Aushängeschild für Fonds.

Beta

Gilt als Risikomaß. Das Beta ist ein Indikator dafür, wie stark die Erträge eines Fonds tendenziell auf Wertschwankungen am Markt reagieren. Die Kennzahl bemisst die relative Volatilität eines Investmentfonds in Bezug auf den Gesamtmarkt. Anders ausgedrückt: Beta ist das Resultat eines Risikovergleichs zwischen Fonds und Benchmark. Deshalb wird bei der Investmentanalyse einem Index als Repräsentant des Marktes der feste Wert Beta = 1 zugesprochen. Hat ein Fonds ein Beta von 1, ist sein Risiko identisch mit demjenigen des Index. Ein Beta > 1 bedeutet, das FondsRisiko ist überproportional, seine Wertschwankungen sind ausgeprägter. Ein unter 1 liegendes Beta lässt auf geringere Kursschwankungen eines Fonds schließen, er ist risikoärmer. Ein Beispiel: Weicht die Volatilität des Fonds um 15 Prozent nach unten ab, ist sein Beta 0,85, weicht sie 15 Prozent nach oben ab, ist es 1,15. Ein hohes Beta bedeutet potentiell höhere Erträge, aber auch ein gesteigertes Risiko. Ein niedriges Beta zeigt an, dass der Fonds potentiell geringere Erträge erzielt, dabei aber auch ein niedrigeres Risiko eingeht. Ein negatives Beta bedeutet, dass sich der Fonds gegenläufig zur Marktentwicklung verhält.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist eine klassische Kennzahl zur Bewertung einer Aktie und misst die Dividende einer Aktie im Verhältnis zum Aktienkurs zum Zeitpunkt der Ausschüttung. Sie wird in Prozent angegeben. Je höher der Wert, desto mehr Anteil an der Unternehmensleistung erhalten Aktionäre in Form der Dividende. Diese Erträge sind unabhängig von der Kursentwicklung an der Börse. Im Gegensatz zum Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV werden hier die Erträge als Maßstab für die Rendite genommen, die tatsächlich den Anteilseignern zugute kommen. Hohe Dividendenrenditen können die starke Ertragskraft eines Unternehmens anzeigen, umgekehrt aber auch problematisch sein, da die ausgeschütteten Beträge nicht für Investitionen zur Verfügung stehen.

Information Ratio

Die Information Ratio ist eine Kennziffer zur Beurteilung der Managementqualität eines Fonds. Sie wird errechnet, indem man die Überrendite (aktive Rendite) durch das aktive Risiko teilt. Insofern ist sie das Barometer für den risikobereinigten Ertrag. Die aktive Rendite wird hierbei mit Alpha gemessen, das aktive Risiko anhand des Tracking Errors. Die Kennzahl liefert eine Aussage, ob das eingegangene Risiko durch die erzielte Mehrrendite gerechtfertigt ist. Ist die Information Ratio positiv, ist dies der Fall. Je höher der Wert, desto besser ist das Management von Rendite und Risiko des untersuchten Fonds.

Korrelation

Die Korrelation ist die Kennziffer für die wechselseitige Abhängigkeit zweier Investments. Die Korrelationskennziffer gibt Richtung und Stärke des Zusammenhangs an und liegt dabei in einer Bandbreite zwischen 1,0 für Investitionen, deren Wertentwicklung absolut gleich verläuft, und -1,0 für Investments, deren Wertentwicklung sich genau entgegengesetzt darstellt. Bei einer Korrelation von 0,0 besteht keinerlei Übereinstimmung. Die Kennzahl macht eine Aussage zur strukturellen Abhängigkeit der Wertentwicklung eines Fonds von seinem Vergleichsindex. Weisen Fonds und Index eine hohe Korrelation auf, werden sie auf dieselben Marktrisiken und -entwicklungen ähnlich reagieren. Die Korrelation sollte im Zusammenhang mit dem Beta-Faktor betrachtet werden und gibt dessen Güte an. Je höher die Korrelationskennziffer an 1 oder -1 heranreicht, desto größer ist die Aussagekraft des Beta-Faktors.

Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)

Das KBV ist eine Kennzahl für den Substanzwert eines Unternehmens. Es wird errechnet, indem man den Aktienkurs durch den Buchwert je Aktie teilt. Der Buchwert der Aktiengesellschaft ergibt sich durch den Abzug der Verbindlichkeiten von der Summe der Aktiva. Die Aussagekraft der Bücher kann je nach Branche variieren und ist bei Industriefirmen beispielsweise höher als im IT-Sektor. Der Buchwert der Aktie ist das Ergebnis der Division des Unternehmensbuchwerts durch die Anzahl der Aktien. Je niedriger der Wert ist, desto preiswerter ist die Aktie. Wenn der Aktienkurs dem Buchwert entspricht, wird die Aktie zu ihrem „fairen Wert“ gehandelt.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Das KCV ist eine Kennzahl der Liquidität eines Unternehmens. Man erhält es, indem man den Aktienkurs durch den Cashflow je Aktie teilt. Der Cashflow eines Unternehmens bildet die wirklichen Zahlungsflüsse in einer bestimmten Zeitperiode ab. Sein Wert gibt das Volumen der im Unternehmen für Investitionen und das Begleichen von Verbindlichkeiten vorhandenen liquiden Mittel an. Mit dem KCV kann die Entwicklung der Ertragskraft einer Aktiengesellschaft bewertet werden. Dabei gilt eine Aktie als umso preiswerter, je niedriger ihr KCV ist.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV ist die Kennzahl der Ertragskraft eines Unternehmens. Es wird errechnet, indem man den Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie teilt. Hier gilt: Je niedriger die Kennzahl, desto preiswerter ist die Aktie. Ein niedriges KGV wird an der Börse als Einstiegssignal in die Aktie interpretiert. Sie gilt als unterbewertet und hat Aufwärtspotenzial. Liegt das KGV eines Titels hingegen über dem Marktdurchschnitt, kann dies als Ausstiegssignal gewertet werden. Die Aktie gilt als überbewertet, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kurs fällt, ist hoch. Im Falle korrigierter Gewinnerwartungen kann das KGV zu Fehlinterpretationen führen, da optisch niedrige Kennzahlen die Ertragssituation des Unternehmens nicht mehr richtig wiedergeben.

Die Kennzahl R² baut auf der Korrelation auf. Sie drückt den Prozentsatz der Bewegungen eines Fonds aus, die durch Bewegungen in seinem Referenzindex erklärt werden können. R² ist das Quadrat der Korrelation. Ein R² von 0,7 bedeutet, dass 70,0 Prozent der Entwicklung des Fonds das Ergebnis der Entwicklung des Referenzindex ist bzw. 30,0 Prozent auf die aktive Auswahl von Aktien zurückgeführt werden können. Je deutlicher die Zahl unterhalb von 1 liegt, umso unabhängiger ist der Ertrag des Fonds vom Referenzindex. R² wird genutzt, um die Aussagekraft von Beta zu bestimmen. Je höher das R², desto signifikanter das Beta, weil klar wird, wie sehr dieses auf aktivem FondsManagement basiert. R² hilft also, den Grad sowie die Qualität der FondsManageraktivität einzuordnen.

Sharpe Ratio

Die Sharpe Ratio ist ein Maß für das Gesamtrisiko eines Fonds, da sie die Rendite ins Verhältnis zum absoluten Risiko des Fonds setzt. Die nach dem Nobelpreisträger William Sharpe benannte Kennziffer misst die Überschussrendite eines Fonds pro Risikoeinheit. Dabei wird der Fonds mit dem risikolosen Geldmarkt konfrontiert. Liegt die Sharpe Ratio eines Fonds bei 0,40 und damit im positiven Bereich, ist dies ein Indiz dafür, dass die FondsInvestition rentabler ist als die Platzierung des Kapitals am Geldmarkt. Ein negativer Wert bedeutet: Der Fonds ist schlechter als der Geldmarkt. Zu beachten bei der Interpretation dieser Kennzahl ist, dass sich die Definition eines „risikolosen“ Zinses im Zuge der Finanzkrise massiv gewandelt hat. Streng genommen sind risikolose Investments gar nicht mehr existent.

Tracking Error Der Tracking Error ist die Kennziffer für die Spurabweichung des Fonds vom Index. Sie misst, wie stark die Positionen und ihre Gewichtung im Portfolio des Fonds prozentual von denen des Index abweichen. Zur Berechnung wird die Standardabweichung der Differenzrendite zwischen dem Fonds und seiner Benchmark ermittelt. Insofern wird der Tracking Error auch als Indikator für aktives Risiko verstanden und dient neben Alpha als Grundlage für die Berechnung der Information Ratio. Je niedriger der Tracking Error, desto stärker orientiert sich der FondsManager am Vergleichsindex. Je höher der Wert ist, desto unabhängiger bewegt sich der FondsManager in seinem Markt.

Value-at-risk (VAR) Der Begriff bezeichnet ein Risikomaß für die Wahrscheinlichkeit und den Umfang von Verlusten einer bestimmten Risikoposition (z. B. eines Portfolios von Wertpapieren) in einem gegebenen Zeithorizont. Ein VAR von 10 Mio. Euro bei einer Haltedauer von 1 Tag und einer als Konfidenzniveau bezeichneten Eintrittssicherheit von 97,5 Prozent bedeutet, dass der potenzielle Verlust der betrachteten Risikoposition von einem Tag auf den nächsten mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,5 Prozent den Betrag von 10 Mio. Euro nicht überschreiten wird. VAR wurde von J.P. Morgan entwickelt und ist heute ein Standardrisikomaß im Finanzsektor.

Autor: SJB FondsSkyline OHG 1989 für Unternehmer und Führungskräfte

Gerd Bennewirtz ist als geschäftsführender Gründungsgesellschafter der SJB FondsSkyline OHG 1989 Herausgeber speziell auf Privatinvestoren zugeschnittener Newsletter. Die täglich, wöchentlich und monatlich erscheinenden Publikationen können gratis angefordert werden unter FondsEcho@sjb.de oder www.sjb.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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