07.06.2013 09:37
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SJB FondsEcho. Nestor Australien Fonds.

Rohstoffaktien. Favorisiert.
Seit Jahresbeginn hat der australische Aktienmarkt ein Plus von rund zehn Prozent zu verzeichnen und damit seine Aufwärtsbewegung der letzten Jahre fortgesetzt. Überdurchschnittlich zulegen konnten vor allem Titel mit hohen Dividendenrenditen, zu denen in Australien gerade die Banken gehören. Von zum Teil kräftigen Kursabschlägen betroffen waren hingegen die australischen Rohstoffaktien. Hier mussten nicht nur die großen Bergbauunternehmen Kurseinbußen hinnehmen, sondern vor allem die Goldminenbetreiber verzeichneten herbe Verluste. Grund war der Kursverfall des Goldpreises, der durch die Spekulationen über ein baldiges Ende der Niedrigzinspolitik der großen internationalen Notenbanken sowie die sinkende Risikoaversion der Anleger begünstigt wurde.

Kein gutes Umfeld für den Nestor Australien Fonds (WKN 570769, ISIN LU0147784119), der sich in seinem Anlageuniversum ganz besonders auf Rohstoffaktien fokussiert hat. Der Fonds hält aus prinzipiellen Überlegungen praktisch keine Bankenaktien und weist stattdessen eine vergleichbar hohe Gewichtung von rund 30 Prozent bei Goldproduzenten auf. Die stärkere Schwerpunktlegung auf Finanztitel, die viele Australien-Fonds in den letzten Jahren vorgenommen haben, macht der von Dr. Detlef Kohlhase unter Beratung von Wilhelm Schröder gemanagte Fonds nicht mit. In Rohstofftiteln sieht er weiterhin das größte Kapital des „fünften Kontinents“, während ihm Bankentitel überbewertet erscheinen. Kurzfristig hat sich diese Vorgehensweise für den aktuell 24,2 Millionen Euro schweren Fonds nicht ausgezahlt. Der Fonds musste Verluste hinnehmen, während sich der breite Markt noch weiter verbessern konnte. So fiel der Nestor Australien im ersten Quartal um -3,5 Prozent, während der MSCI Australia um gut 8,0 Prozent zulegte. Doch FondsBerater Schröder ist sich sicher: Australische Rohstoffaktien sind im historischen und internationalen Vergleich äußerst attraktiv bewertet, wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder der Vergleich von Kursnotierung und Buchwert beweisen. Einzelne Titel werden gar zu den niedrigsten Kursen seit zehn Jahren gehandelt. Nicht gerechtfertigt erscheinen dem FondsManagement zudem die überproportional starken Kursverluste von Goldminenaktien im Vergleich zum sich schon wieder stabilisierenden Goldpreis. Langfristig ist die Strategie des Fonds, schwerpunktmäßig auf Rohstofftitel und hier besonders auf kleine und mittelgroße Unternehmen zu setzen, voll aufgegangen: Seit Auflage am 21. Mai 2002 wurde eine kumulierte Wertentwicklung von +134,06 Prozent in Euro erzielt, im letzten Zehnjahreszeitraum lag die jährliche Rendite bei +6,69 Prozent. Wie sieht die Investmentstrategie des Australienfonds im Detail aus?

FondsStrategie. Investmentansatz. Antizyklisch.

Der Nestor Australien hat sich die nachhaltige Wertsteigerung des Kapitals seiner Anleger zum Ziel gesetzt und investiert vorzugsweise in Aktien von Unternehmen mit Sitz oder Geschäftsschwerpunkt in Australien und Neuseeland. Bis zu zehn Prozent des Netto-FondsVermögens kann auch außerhalb dieser Länder gehalten werden. Der Fonds sucht gezielt nach sogenannten „Value-Stocks“, die sich durch ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis, einen hohen freien Cashflow und eine gute Dividendenrendite auszeichnen. Grundsätzlich verfolgt das FondsManagement unter Dr. Detlef Kohlhase und Wilhelm Schröder einen antizyklischen Investmentansatz. Anstatt den bereits hoch bewerteten Titeln aus der Finanzbranche nachzulaufen, werden besonders Rohstoffunternehmen bevorzugt, die oft zu Tiefstständen der letzten Jahre handeln. Insbesondere bei den von hohen Kursabschlägen heimgesuchten Goldproduzenten sehen die beiden Australien-Experten Potenzial, da die jüngsten Korrekturen fundamental nicht gerechtfertigt seien. Als Hauptgrund für den Kursrutsch von Goldaktien werden vielmehr Mittelabflüsse bei den großen Goldfonds identifiziert. FondsBerater Schröder betont: Der mittelfristige Value dieser Aktien sei groß, auch wenn es eine gewisse Zeit dauern könne, bis sich dieser realisiere. Die wichtigsten Entwicklungen für langfristig steigende Goldpreise seien weiter intakt: Die fragile Lage der Weltwirtschaft, das extreme Niveau der Staatsverschuldung sowie die Niedrigzinspolitik der großen Zentralbanken. Welche Portfolioaufteilung resultiert aus dieser Einschätzung?

FondsPortfolio. Goldproduzenten. Favorisiert.

Favorit im Portfolio des Nestor-Fonds sind Goldminenaktien, die gemeinsam mit weiteren Titeln aus dem Bergbau- und Rohstoffsektor 39,05 Prozent der FondsBestände ausmachen. Platz zwei in der Branchenstruktur belegen Unternehmen aus dem Sektor Stahl und Nichteisenmetalle, die 28,36 Prozent des FondsVermögens stellen. Dienstleister sind mit 8,52 Prozent gewichtet, Handelsunternehmen repräsentieren 6,62 Prozent des Portfolios. Unterdurchschnittlich stark vertreten im Branchenmix des Australien-Fonds sind Pharma- und Biotechtitel (4,92 Prozent) sowie Chemieunternehmen (2,08 Prozent). Geringe Bestände aus dem Bereich des Maschinenbaus (1,97 Prozent), bei Holdings (1,26 Prozent) sowie bei Elektrounternehmen (1,05 Prozent) runden die Branchenstruktur ab.

Größte Einzelposition im Nestor Australien Fonds ist die Speciality Fashion Group mit 6,62 Prozent Anteil am FondsVolumen. Ansonsten dominieren die Rohstoffwerte die Top-5 des Fonds: Neben dem Gold- und Nickelproduzenten Panoramic Resources mit 5,67 Prozent sind Kohlhase und Schröder von dem australischen Goldminenbetreiber Beadell Resources sowie dem schwerpunktmäßig in Brasilien aktiven Bergbauunternehmen Crusader Resources besonders überzeugt. Abgerundet werden die fünf größten Einzelpositionen durch das Pharmaunternehmen Starpharma Holdings (4,92 Prozent des FondsVermögens). Der Fokus auf Rohstofftitel, den der Nestor Fonds setzt, ist auch durch währungstechnische Überlegungen begründet: Mittelfristig erwartet das FondsManagement einen Rückgang des Austral-Dollars, was die Wettbewerbsfähigkeit australischer Unternehmen aus dem Rohstoffbereich stärken würde. Denn wie fast alle Rohstoffunternehmen weltweit verkaufen sie ihre Produkte auf US-Dollar-Basis.

FondsVergleichsindex. Korrelation. Sinkend.

Für unsere unabhängige SJB FondsAnalyse haben wir den Nestor Australien Fonds dem Dow Jones Australia Total Stock Index als Vergleichsindex gegenübergestellt. Angesichts der individuellen Branchengewichtung des Fonds ist die Korrelation über drei Jahre mit 0,64 nur durchschnittlich stark ausgeprägt, für ein Jahr geht sie auf 0,40 kräftig zurück. Hier macht sich der abweichende Kursverlauf des von Finanzwerten dominierten Referenzindex besonders bemerkbar. Dass sich die Performanceentwicklung des Nestor-Fonds relativ unabhängig gegenüber der Benchmark vollzieht, demonstriert auch die Kennzahl R². Für drei Jahre liegt sie bei 0,41, über ein Jahr nimmt die Kennziffer einen Wert von 0,16 an. Damit haben sich mittelfristig 59 Prozent der FondsEntwicklung indexunabhängig vollzogen, kurzfristig sind es 84 Prozent. Das Gesamtbild merklicher Abweichungen vom Referenzindex bestätigt auch der Tracking Error. Über drei Jahre beträgt die Spurabweichung des Fonds 22,35 Prozent, auf Jahressicht legt sie auf 24,12 Prozent zu. Welche Kursschwankungen verzeichnet das sehr individuell zusammengesetzte Portfolio?

FondsRisiko. Schwankungen. Erhöht.

Der Nestor Australien Fonds weist über drei Jahre mit 29,25 Prozent eine erhöhte Volatilität gegenüber dem Dow Jones-Vergleichsindex auf, der eine Schwankungsbreite von 24,80 Prozent zu verzeichnen hat. Über ein Jahr ist die gesteigerte Schwankungsneigung des Australien-Fonds noch deutlicher ausgeprägt: Durch den hohen Anteil schwankungsintensiver Rohstoffunternehmen beträgt die „Vola“ des Fonds 27,06 Prozent, wohingegen der Dow Jones Australia Total Stock Index mit einer Schwankungsneigung von 17,56 Prozent auskommt. Die kurzfristig um fast zehn Prozentpunkte höhere Schwankungsbreite weist auf eine gesteigerte Risikoneigung des aktiv gemanagten Fonds hin. Auch mittelfristig ist die Volatilität aufgrund der aggressiven Sektorengewichtung erhöht.

Das Beta des Fonds liegt mit 0,77 über drei Jahre noch unter Marktniveau. Für ein Jahr nimmt die Kennzahl einen Wert von 0,70 an und belegt, dass der Fonds nur unterdurchschnittlich stark auf die Marktentwicklungen reagiert. Dies ist aufgrund seiner speziellen Schwerpunktlegung verständlich. Die Risikokennziffer ist im rollierenden Zwölfmonatsvergleich in 35 der letzten 36 betrachteten Einzelzeiträume kleiner als der Marktrisikofixwert von 1,00 und erreicht 0,47 im Tief. Heraus sticht bei der Beta-Analyse nur der August 2011, wo das Beta mit 1,00 exakt auf Marktniveau liegt. Insgesamt ist das FondsRisiko des Nestor Australien Fonds gegenüber dem breiten Markt erhöht, wie die durchweg höhere Schwankungsintensität zeigt. Schafft es das FondsManagerteam Kohlhase/Schröder, die gesteigerte Volatilität durch die Renditeergebnisse auszugleichen?

FondsRendite. Alpha. Negativ.

Über drei Jahre hat der Nestor Australien Fonds eine Wertentwicklung von -29,89 Prozent in Euro aufzuweisen – dies entspricht einer Rendite von -11,15 Prozent p.a. (Bewertungstag 31.05.2013). Hier schlägt der jüngste Kursrutsch von Goldaktien in aller Schärfe auf das Ergebnis durch. Bei dem Vergleichsindex, der eine deutlich geringere Gewichtung von Rohstoffaktien aufweist, ist dies anders: Der Dow Jones Australia Total Stock Index konnte im selben Zeitraum eine Gesamtrendite von +24,95 Prozent erwirtschaften, die über drei Jahre erzielte Rendite p.a. liegt bei +7,70 Prozent. Beim Wechsel auf die kurzfristige Betrachtung liegt der Nestor-Fonds mit seinem Renditeergebnis ähnlich deutlich hinten: Einer Euro-Rendite des Australien-Fonds von -41,69 Prozent für ein Jahr steht ein Ergebnis von +18,04 Prozent beim Referenzindex gegenüber. Die über beide Zeiträume erheblich schlechtere Performanceleistung des Fonds verdeutlicht die Risiken, die durch die stark abweichende Branchenallokation eingegangen werden und sich angesichts der jüngsten Marktentwicklung nicht ausgezahlt haben. Trotzdem sorgt die weit unterdurchschnittliche Kursentwicklung zugleich für ein erhebliches Aufwärtspotenzial, das vor allem bei einer Kurswende im Bereich der Goldaktien besteht. Die zuletzt nicht befriedigende Kursentwicklung des Nestor Australien Fonds drückt sich auch im negativen Alpha aus, das über drei Jahre bei -1,30 liegt. Für ein Jahr fällt die Renditekennzahl mit einem Wert von -5,21 nochmals schwächer aus. Der rollierende Zwölfmonatsvergleich über drei Jahre ergibt, dass der Fonds aber sehr wohl Perioden besaß, in denen ihm eine bessere Renditeentwicklung als der Benchmark geglückt ist. In 20 der letzten 36 Einzelzeiträume konnte ein positives Alpha bis 3,88 in der Spitze verzeichnet werden; hier ging die sehr spezielle Sektorengewichtung auf. Mit 16 ist es die Minderheit der untersuchten Einjahreszeiträume, die negative Alpha-Werte bis -5,21 im Tief verzeichnet. Damit wird klar: Die deutliche Übergewichtung von Rohstoff- und Goldproduzenten innerhalb des Fonds zahlt sich in den richtigen Börsenzeiten auch aus. Aktuell sorgt jedoch der noch sehr frische Kursrutsch bei Goldaktien für vergleichsweise schwache Renditekennzahlen.

SJB Fazit. Nestor Australien Fonds.

Der Nestor Australien ist ein Fonds mit klaren Prinzipien: Gekauft werden die Titel, von denen das Management langfristig überzeugt ist, an Modetrends beteiligt man sich nicht. Bei australischen Aktien sind die Schwerpunkte von FondsManager Kohlhase und Schröder klar: Rohstoffwerte und besonders Goldproduzenten werden bevorzugt, statt großer Unternehmen liegt der Fokus auf Small und Mid Caps. Angesichts des historisch niedrigen Kursniveaus dieser Titel bietet sich antizyklischen Investoren mit einer gewissen Risikoaffinität eine äußerst günstige Einstiegschance.

Erläuterungen

Alpha

Ist die Kennziffer für die Renditechancen. Das Alpha beziffert jenen Teil der FondsRendite, der auf aktive Titelauswahl zurückzuführen ist. Je höher das Alpha, umso besser hat sich der Fonds im Verhältnis zum Markt entwickelt. Beispiel: Ein Alpha von 5,0 zeigt an, dass der Fonds im Vergleich zu seiner Benchmark in den gewählten Betrachtungszeiträumen einen durchschnittlichen Mehrertrag von 5,0 Prozent erzielt hat. Ein positives Alpha deutet darauf hin, dass durch aktives Portfoliomanagement eine Mehrrendite für den Investor erwirtschaftet wurde. Insofern ist die Kennziffer ein Leistungsindikator für erfolgreiches FondsManagement. Gerade im Wettbewerb mit passiven ETFs ist das Alpha das Aushängeschild für Fonds.

Beta

Gilt als Risikomaß. Das Beta ist ein Indikator dafür, wie stark die Erträge eines Fonds tendenziell auf Wertschwankungen am Markt reagieren. Die Kennzahl bemisst die relative Volatilität eines Investmentfonds in Bezug auf den Gesamtmarkt. Anders ausgedrückt: Beta ist das Resultat eines Risikovergleichs zwischen Fonds und Benchmark. Deshalb wird bei der Investmentanalyse einem Index als Repräsentant des Marktes der feste Wert Beta = 1 zugesprochen. Hat ein Fonds ein Beta von 1, ist sein Risiko identisch mit demjenigen des Index. Ein Beta > 1 bedeutet, das FondsRisiko ist überproportional, seine Wertschwankungen sind ausgeprägter. Ein unter 1 liegendes Beta lässt auf geringere Kursschwankungen eines Fonds schließen, er ist risikoärmer. Ein Beispiel: Weicht die Volatilität des Fonds um 15 Prozent nach unten ab, ist sein Beta 0,85, weicht sie 15 Prozent nach oben ab, ist es 1,15. Ein hohes Beta bedeutet potentiell höhere Erträge, aber auch ein gesteigertes Risiko. Ein niedriges Beta zeigt an, dass der Fonds potentiell geringere Erträge erzielt, dabei aber auch ein niedrigeres Risiko eingeht. Ein negatives Beta bedeutet, dass sich der Fonds gegenläufig zur Marktentwicklung verhält.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist eine klassische Kennzahl zur Bewertung einer Aktie und misst die Dividende einer Aktie im Verhältnis zum Aktienkurs zum Zeitpunkt der Ausschüttung. Sie wird in Prozent angegeben. Je höher der Wert, desto mehr Anteil an der Unternehmensleistung erhalten Aktionäre in Form der Dividende. Diese Erträge sind unabhängig von der Kursentwicklung an der Börse. Im Gegensatz zum Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV werden hier die Erträge als Maßstab für die Rendite genommen, die tatsächlich den Anteilseignern zugute kommen. Hohe Dividendenrenditen können die starke Ertragskraft eines Unternehmens anzeigen, umgekehrt aber auch problematisch sein, da die ausgeschütteten Beträge nicht für Investitionen zur Verfügung stehen.

Information Ratio

Die Information Ratio ist eine Kennziffer zur Beurteilung der Managementqualität eines Fonds. Sie wird errechnet, indem man die Überrendite (aktive Rendite) durch das aktive Risiko teilt. Insofern ist sie das Barometer für den risikobereinigten Ertrag. Die aktive Rendite wird hierbei mit Alpha gemessen, das aktive Risiko anhand des Tracking Errors. Die Kennzahl liefert eine Aussage, ob das eingegangene Risiko durch die erzielte Mehrrendite gerechtfertigt ist. Ist die Information Ratio positiv, ist dies der Fall. Je höher der Wert, desto besser ist das Management von Rendite und Risiko des untersuchten Fonds.

Korrelation

Die Korrelation ist die Kennziffer für die wechselseitige Abhängigkeit zweier Investments. Die Korrelationskennziffer gibt Richtung und Stärke des Zusammenhangs an und liegt dabei in einer Bandbreite zwischen 1,0 für Investitionen, deren Wertentwicklung absolut gleich verläuft, und -1,0 für Investments, deren Wertentwicklung sich genau entgegengesetzt darstellt. Bei einer Korrelation von 0,0 besteht keinerlei Übereinstimmung. Die Kennzahl macht eine Aussage zur strukturellen Abhängigkeit der Wertentwicklung eines Fonds von seinem Vergleichsindex. Weisen Fonds und Index eine hohe Korrelation auf, werden sie auf dieselben Marktrisiken und -entwicklungen ähnlich reagieren. Die Korrelation sollte im Zusammenhang mit dem Beta-Faktor betrachtet werden und gibt dessen Güte an. Je höher die Korrelationskennziffer an 1 oder -1 heranreicht, desto größer ist die Aussagekraft des Beta-Faktors.

Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)

Das KBV ist eine Kennzahl für den Substanzwert eines Unternehmens. Es wird errechnet, indem man den Aktienkurs durch den Buchwert je Aktie teilt. Der Buchwert der Aktiengesellschaft ergibt sich durch den Abzug der Verbindlichkeiten von der Summe der Aktiva. Die Aussagekraft der Bücher kann je nach Branche variieren und ist bei Industriefirmen beispielsweise höher als im IT-Sektor. Der Buchwert der Aktie ist das Ergebnis der Division des Unternehmensbuchwerts durch die Anzahl der Aktien. Je niedriger der Wert ist, desto preiswerter ist die Aktie. Wenn der Aktienkurs dem Buchwert entspricht, wird die Aktie zu ihrem „fairen Wert“ gehandelt.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Das KCV ist eine Kennzahl der Liquidität eines Unternehmens. Man erhält es, indem man den Aktienkurs durch den Cashflow je Aktie teilt. Der Cashflow eines Unternehmens bildet die wirklichen Zahlungsflüsse in einer bestimmten Zeitperiode ab. Sein Wert gibt das Volumen der im Unternehmen für Investitionen und das Begleichen von Verbindlichkeiten vorhandenen liquiden Mittel an. Mit dem KCV kann die Entwicklung der Ertragskraft einer Aktiengesellschaft bewertet werden. Dabei gilt eine Aktie als umso preiswerter, je niedriger ihr KCV ist.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV ist die Kennzahl der Ertragskraft eines Unternehmens. Es wird errechnet, indem man den Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie teilt. Hier gilt: Je niedriger die Kennzahl, desto preiswerter ist die Aktie. Ein niedriges KGV wird an der Börse als Einstiegssignal in die Aktie interpretiert. Sie gilt als unterbewertet und hat Aufwärtspotenzial. Liegt das KGV eines Titels hingegen über dem Marktdurchschnitt, kann dies als Ausstiegssignal gewertet werden. Die Aktie gilt als überbewertet, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kurs fällt, ist hoch. Im Falle korrigierter Gewinnerwartungen kann das KGV zu Fehlinterpretationen führen, da optisch niedrige Kennzahlen die Ertragssituation des Unternehmens nicht mehr richtig wiedergeben.

Die Kennzahl R² baut auf der Korrelation auf. Sie drückt den Prozentsatz der Bewegungen eines Fonds aus, die durch Bewegungen in seinem Referenzindex erklärt werden können. R² ist das Quadrat der Korrelation. Ein R² von 0,7 bedeutet, dass 70,0 Prozent der Entwicklung des Fonds das Ergebnis der Entwicklung des Referenzindex ist bzw. 30,0 Prozent auf die aktive Auswahl von Aktien zurückgeführt werden können. Je deutlicher die Zahl unterhalb von 1 liegt, umso unabhängiger ist der Ertrag des Fonds vom Referenzindex. R² wird genutzt, um die Aussagekraft von Beta zu bestimmen. Je höher das R², desto signifikanter das Beta, weil klar wird, wie sehr dieses auf aktivem FondsManagement basiert. R² hilft also, den Grad sowie die Qualität der FondsManageraktivität einzuordnen.

Sharpe Ratio

Die Sharpe Ratio ist ein Maß für das Gesamtrisiko eines Fonds, da sie die Rendite ins Verhältnis zum absoluten Risiko des Fonds setzt. Die nach dem Nobelpreisträger William Sharpe benannte Kennziffer misst die Überschussrendite eines Fonds pro Risikoeinheit. Dabei wird der Fonds mit dem risikolosen Geldmarkt konfrontiert. Liegt die Sharpe Ratio eines Fonds bei 0,40 und damit im positiven Bereich, ist dies ein Indiz dafür, dass die FondsInvestition rentabler ist als die Platzierung des Kapitals am Geldmarkt. Ein negativer Wert bedeutet: Der Fonds ist schlechter als der Geldmarkt. Zu beachten bei der Interpretation dieser Kennzahl ist, dass sich die Definition eines „risikolosen“ Zinses im Zuge der Finanzkrise massiv gewandelt hat. Streng genommen sind risikolose Investments gar nicht mehr existent.

Tracking Error

Der Tracking Error ist die Kennziffer für die Spurabweichung des Fonds vom Index. Sie misst, wie stark die Positionen und ihre Gewichtung im Portfolio des Fonds prozentual von denen des Index abweichen. Zur Berechnung wird die Standardabweichung der Differenzrendite zwischen dem Fonds und seiner Benchmark ermittelt. Insofern wird der Tracking Error auch als Indikator für aktives Risiko verstanden und dient neben Alpha als Grundlage für die Berechnung der Information Ratio. Je niedriger der Tracking Error, desto stärker orientiert sich der FondsManager am Vergleichsindex. Je höher der Wert ist, desto unabhängiger bewegt sich der FondsManager in seinem Markt.

Value-at-risk (VAR)

Der Begriff bezeichnet ein Risikomaß für die Wahrscheinlichkeit und den Umfang von Verlusten einer bestimmten Risikoposition (z. B. eines Portfolios von Wertpapieren) in einem gegebenen Zeithorizont. Ein VAR von 10 Mio. Euro bei einer Haltedauer von 1 Tag und einer als Konfidenzniveau bezeichneten Eintrittssicherheit von 97,5 Prozent bedeutet, dass der potenzielle Verlust der betrachteten Risikoposition von einem Tag auf den nächsten mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,5 Prozent den Betrag von 10 Mio. Euro nicht überschreiten wird. VAR wurde von J.P. Morgan entwickelt und ist heute ein Standardrisikomaß im Finanzsektor.

Autor: SJB FondsSkyline OHG 1989 für Unternehmer und Führungskräfte

Gerd Bennewirtz ist als geschäftsführender Gründungsgesellschafter der SJB FondsSkyline OHG 1989 Herausgeber speziell auf Privatinvestoren zugeschnittener Newsletter. Die täglich, wöchentlich und monatlich erscheinenden Publikationen können gratis angefordert werden unter FondsEcho@sjb.de oder www.sjb.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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