06.07.2011 09:25
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Fondsmärkte Leinen los

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der vergangene Mittwoch brachte die Wende: Nach der Billigung des Sparpakets in Athen wagen sich Investoren wieder aus der Reserve und kaufen Aktien-ETFs, Händler berichten einhellig von einem Käuferüberhang, so die Deutsche Börse AG.

Gleichzeitig würden die zuletzt umsatzstarken Renten-ETFs wieder ins Hintertreffen geraten. Dabei seien die Umsätze insgesamt gut.

"Von einer Sommerflaute ist nichts zu spüren", kommentiere Frank Mohr von der Commerzbank. "Die Kauflaune ist wieder da", meine auch Bastian Ohta von der UniCredit Group und melde große Kauforder. "Die Institutionellen kommen wieder rein." Auf das abgeschlossene erste Halbjahr blicke Mohr zufrieden zurück. Die Diskussionen über die Risiken von ETFs hätten keine Spuren bei den Umsätzen hinterlassen. "Die Anleger fragen zwar, sie wollen die Risiken kennen", ergänze er. Doch wenn sie informiert würden, würden sie auch kaufen.

Anders als in den vergangenen Wochen seien Aktien-ETFs mittlerweile wieder en vogue - was angesichts der guten Stimmung an den Börsen nicht verwundere. Fünf Tage infolge habe der Dax Gewinne erzielen können, die vergangene Woche habe er mit einem satten Plus von 4,2 Prozent abgeschlossen. Auch heute stünden die Ampeln auf Grün.

Die Bilanz der ETF-Händler falle allerdings durch die skeptische Haltung vor der erlösenden Abstimmung noch nicht so eindeutig aus. Laut Commerzbank hätten sich bei DAX- (ComStage ETF DAX (R) TR I) und EURO STOXX-Trackern (iShares EURO STOXX 50 (DE)) Käufe und Verkäufe in etwa die Waage gehalten, nur bei USA-ETFs wie dem MSCI USA (UBS-ETF MSCI USA A) seien Anleger überwiegend eingestiegen. Verstehen könne Mohr dies angesichts der Probleme in den USA nicht unbedingt. "Offenbar werden Möglichkeiten zum Diversifizieren gesucht."

Mark Schönbrodt von der DekaBank zufolge habe sich das Interesse auf europäische Standardwerte wie den ETFlab EURO STOXX 50 (ETFlab EURO STOXX 50 (R)) konzentriert. "Da war die Nachfrage noch reger als nach DAX-Indexfonds." Auch STOXX 600-Tracker seien gut weggegangen (db x-trackers STOXX® 600 ETF 1C), ebenso Russell 2000-ETFs (ETFS Russell 2000 Fund (DE)) mit US-amerikanischen Nebenwerten. Abgestoßen worden seien hingegen ETFs mit Technologiewerten (iShares TecDax (R) (DE)). Bastian Ohta sehe den Schwerpunkt des Anlegerinteresses ebenfalls auf EURO STOXX 50-ETFs. "Wir haben durchweg Käufe gesehen", meine Ohta.

Auch bei den Sektor-ETFs brumme der Handel. "Die Anleger sind eingestiegen, schon bevor der Markt in der vergangenen Woche hoch ging", erkläre Gregor Hamme von der Unicredit Group. Speziell ETFs mit Bank- (ISIN IE00B3Q19T94/ WKN A1JFG7), Grundstoff- (ISIN DE000A0F5UK5/ WKN A0F5UK) und Automobilaktien (LYXOR ETF STOXX EUROPE 600 AUTOMOBILESPARTS) hätten Zuspruch gefunden. "Bei den Banken-Indexfonds deckten sich die Anleger schon vor der Abstimmung in Griechenland ein, sie erwarteten wohl eine Erholungsrallye", meine Hamme. Banken-ETFs hätten durch die Griechenland-Krise deutlich Federn lassen müssen. Etwa habe der iShares EURO STOXX Banks (iShares EURO STOXX Banks (DE)) im Februar zu einer anhaltenden Talfahrt angesetzt, habe mittlerweile seine Verluste auf Sicht von sechs Monaten aber wieder ausgleichen können und liege leicht im Plus.

Die Beliebtheit der Automobilaktien erkläre Hamme sich mit den guten Nachrichten der Automobilkonzerne: "Die Branche boomt. Die Absatzzahlen in den USA stiegen zuletzt, Audi will die Preise anheben, einige Autobauer verkürzen die Werksferien." Laut Schönbrodt sei das Bild hingegen gemischt gewesen, bei der Grundstoffindustrie (db x-trackers STOXX® 600 BASIC RESOURCES ETF 1C) sei es zu Zuflüssen, bei Gesundheits- (AMUNDI ETF MSCI Europe Healthcare), Bank- (ISIN DE000A0F5UJ7/ WKN A0F5UJ) und Autoaktien (STOXX Europe 600 Optimised AutomobilesParts Source ETF) hingegen zu Abflüssen gekommen.

Mohr melde einen leichten Käuferüberhang bei den Autowerten (LYXOR ETF STOXX EUROPE 600 AUTOMOBILESPARTS) und deutliche Abgaben bei Gesundheits- (iShares EURO STOXX Health Care (DE)) und Versicherungsaktien. "Bei den Grundstoff-ETFs dominierten die Abgaben etwas", ergänze der Market Maker.

In Bezug auf die Schwellenländer heiße es derzeit: Raus aus einzelnen Ländern, rein in breit gestreute Emerging Markets-Produkte. "Die Anleger wollen Diversifikation", erkläre Stefano Valenti von der UniCredit Group. Nicht zuletzt die drohende Insolvenz Griechenlands lasse Investoren vor Länderschwerpunkten zurückschrecken. "ETFs zu türkischen (Lyxor ETF Turkey (DJ Turkey TITANS 20)), polnischen (ISIN DE000A1H8EL8/ WKN A1H8EL) und osteuropäischen (Lyxor ETF Eastern Europe (CECE EUR)) Indices werden wegen der Griechenland-Krise verkauft", erläutere der Händler.

Doch auch von konkreten Fernost-Engagements hätten Anleger derzeit nichts wissen wollen, Indexfonds mit taiwanesischen und koreanischen Aktien würden ebenfalls abgestoßen (iShares MSCI Taiwan (DE)). Dagegen hätten breite Schwellenländer-Indexfonds (LYXOR ETF MSCI EMERGING MARKETS) gepunktet. Die Berichte der anderen Händler würden ins Bild passen: Die DekaBank habe Abgaben beim Lyxor MSCI AC Asia ex Japan (LYXOR ETF MSCI AC ASIA - PACIFIC EX JAPAN) und beim iShares MSCI Eastern Europe (iShares MSCI Eastern Europe 10/40 (DE)) registriert, die Commerzbank sehe Abflüsse aus ETFs mit russischen Unternehmen (LYXOR ETF Russia (DJ RUSINDEX TITANS 10) A). Bei den breiten Emerging Markets-Fonds spreche Frank Mohr von einem leichten Übergewicht der Käufer.

Die Flucht in deutsche Staatsanleihen sei unterdessen zu Ende gegangen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future, der vor zwei Wochen noch ein Jahreshoch erreicht habe, sei nach Billigung des Sparpakets in Griechenland abgesackt, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei wieder über 3 Prozent geklettert. "Wir hatten zuletzt weniger Umsätze mit Renten-ETFs", melde Frank Mohr. In den Vorwochen hätten die Händler zum Teil deutlich über dem Durchschnitt liegende Volumina mit Renten-Indexfonds verzeichnet, vor allem deutsche Langläufer hätten als Kassenschlager gegolten. Auch in den Umsatzlisten der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage seien die Staatsanleihen-ETFs von den oberen Rängen wieder nach unten gerutscht.

Auf die gesamte Woche gerechnet habe es allerdings noch mehr Käufe gegeben, wie die DekaBank berichte, etwa beim ETFlab Deutsche Börse EuroGov Germany 1-3 (ISIN nicht bekannt/ WKN ETF018), beim ETFlab Deutsche Börse EuroGov Germany 3-5 (ETFlab Deutsche Boerse EUROGOV (R) Germany 1-3) und beim iShares eb.rexx Government Germany 2,5-5,5 (iShares ebrexx (R) Government Germany 25-55 (DE)). Rentenfonds mit Unternehmensanleihen wie der ETFlab iBoxx Euro Liquid Corporates Diversified (ETFlab iBoxx EUR Liquid) seien hingegen unbeliebt gewesen. (Ausgabe vom 05.07.2011) (06.07.2011/fc/a/f)

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