Fondsmarkt Anleger zeigen sich lustlos
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die seit einigen Wochen anhaltende Seitwärtsbewegung an den Börsen lässt Fondsanleger weiterhin in Warteposition verharren, so die Deutsche Börse AG.
Spezialisten im Handel mit aktiv verwalteten Fonds würden einhellig von gedämpften Umsätzen ohne eindeutige Tendenz berichten. "Wir bewegen uns im Niemandsland, weil keiner so richtig einschätzen kann, wie sich der Markt weiter entwickeln wird", meine Frank Wöllnitz von ICF Kursmakler. Heute zeige sich der Dax mit einem Plus von über 2 Prozent zwar deutlich freundlicher. Ob damit eine nachhaltige Richtungsänderung einhergehe, sei jedoch offen.
Unbeantwortet bleibe zudem immer noch die Frage, ob die Europäische Zentralbank für Juli einen Zinsschritt nach oben beschließen werde, beschreibe die Helaba die derzeitigen Diskussionen der Währungshüter. Denn die vorläufigen Inflationsraten für den laufenden Monat hätten zumindest für Deutschland, Spanien und Belgien auf einen leichten Rückgang gedeutet.
Anders als in der Vorwoche hätten sich Käufe und Verkäufe von Fonds mit europäischen Aktien derzeit in etwa die Waage gehalten. Abnehmer registriere Matthias Präger etwa für Publikumsfonds mit deutschen Aktien wie dem UBS Aktienfonds - Special I Deutschland (UBS (D) Aktienfonds - Special I Deutschland). Ein Trend erkenne der Spezialist darin aber nicht. Denn Anleger hätten sich zum Beispiel vom UniFonds (ISIN LU0194910054/ WKN 949100) verabschiedet, der ebenfalls am deutschen Aktienmarkt vorwiegend in Standardwerte und in Teilen in Nebenwerte investiere. Tendenziell abgegeben werde zudem der DekaLux Europa (DekaLux-Europa TF) und der DekaLux Deutschland (DekaLux-Deutschland TF (A)).
Auf Nachhaltigkeit würden Investoren setzen, die sich beispielsweise Anteile des Sarasin Sustainable Equity - Europe ins Depot legen würden. Der Fonds fokussiere sich auf europäische Branchenführer mit einem umweltgerechten und einem ökologisch effizientem Management, die mit einer nachhaltigen Entwicklung eine strategische Chance verbinden würden.
Analog zum Anstieg beim Goldpreis hätten sich Fondsanleger in dieser Woche für Engagements bei Goldminen entschieden. Zuletzt sei der Kurs für alle Edelmetalle positiv verlaufen. "Allein der Goldpreis konnte um 17 US-Dollar auf Wochenbasis zulegen", wisse Matthias Präger. Der Aufwärtstrend für Gold habe sich zum Wochenbeginn fortgesetzt. Derzeit notiere das Edelmetall bei über 1.538 US-Dollar pro Feinunze. Davon hätten auch Minenbetreiber profitiert. Tendenziell gefragt seien beispielsweise Anteile des Craton Capital Precious Metal Fund (Craton Capital Precious Metal Fund A), der in weltweit tätige Unternehmen investiere, die Edelmetalle und Diamanten abbauen und fördern würden. Mehr Käufer als Verkäufer registriere der Händler der Baader Bank zudem für den Earth Gold Fund (Earth Gold Fund UI (EUR R)). Ebenfalls auf der Einkaufsliste der Fondsliebhaber befinde sich der BGF World Mining Fund (BGF World Mining Fund A2 USD).
Bestehende Sorgen über die Bonität einiger Europeripherie-Länder seien der Commerzbank zufolge durch eine Äußerung des irischen Transportministers noch verstärkt worden. Dieser hätte in einem Interview Skepsis darüber geäußert, ob sein Land wie geplant 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehren könne. In diesem Fall stünden die nächsten Hilfspakete auf der Agenda der Euroländer. Das habe Investoren aufhorchen lassen und Gold als Sicherheitswährung wieder mehr in den Vordergrund gerückt.
Die Immobilienbranche komme nicht zur Ruhe. Wie in der Vorwoche würden sich Anleger laut Wöllnitz weiterhin vermehrt von ihren Positionen bei offenen Immobilienfonds verabschieden. Abgegeben werde beispielsweise der Axa Immoselect (AXA Immoselect). Die Fondsgesellschaft habe die Absicht verkündet, ab Herbst dieses Jahres voraussichtlich wieder Anteile des Fonds zurücknehmen zu wollen. Fehlende Liquidität nach Ausbruch der Finanzkrise hätte, wie bei einigen anderen Immobilienfonds auch, zur vorübergehenden Schließung geführt. Ebenfalls einen Abgabenüberhang registriere ICF Kursmakler etwa für Aktien des SEB ImmoInvest (SEB ImmoInvest P). Dieser habe zuletzt die Aussetzung der Rücknahme der Anteilscheine bis Mai 2012 verlängert.
Publikumsfonds mit Schwellenländerwerten, Aktien aus den BRIC-Staaten und Fonds, die sich in lateinamerikanischen Unternehmen engagieren würden, würden in dieser Woche nicht zu den Favoriten bei Fondsanlegern gehören. So berichte Wöllnitz von einer kleinen Verkaufsbewegung etwa bei den beiden DWS Invest BRIC Plus (DWS Invest BRIC Plus LC), die sich auf Aktiengesellschaften, die in China, Brasilien, Hongkong, Indien, Russland und Singapore ansässig seien, konzentrieren würden. Von Abgaben geprägt seien zudem der Magellan (MAGELLAN C) und der in US-Dollar notierte Templeton Latin America Fund (Templeton Latin America Fund A (acc) USD).
Bei Fonds mit chinesischer und südostasiatischer Ausrichtung wie dem Fidelity Funds - China Focus Fund (Fidelity Funds - China Focus Fund A (USD)) und dem Fidelity Funds - South East Asia Fund (Fidelity Funds - South East Asia Fund A (EUR)) verbuche die Baader Bank ebenfalls mehr Verkäufe als Käufe. Mehr Potenzial würden Anleger scheinbar in asiatischen Unternehmen der zweiten Reihe erkennen. Beim Aberdeen Global - Asian Smaller Companies (Aberdeen Global - Asian Smaller Companies Fund D2) beispielsweise verbuche Präger einen Kaufüberhang.
Ohne Trend präsentiere sich auch der Handel mit Publikumsfonds internationaler Ausrichtung. Einen Nachfrageschub erkenne Matthias Präger zum Beispiel für den Uniglobal (UniGlobal). Weniger Entwicklungschancen würden Investoren bei Invesco Global Structured Equity Fund (Invesco Global Structured Equity Fund A) und dem DekaStruktur: 2 Wachstum vermuten. Beide befänden sich derzeit auf der Verkaufsseite. (31.05.2011/fc/a/f)


