22.05.2013 03:00
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Megatrend oder Megaflop? Fünf Megatrends im Check

Megatrend oder Megaflop?
Fondsstrategien
Demografie, Globalisierung oder erneuerbare Energien - die Fondsindustrie hat schon so manchen Megatrend ausgerufen. Doch nicht jeder zahlt sich für Anleger in barer Münze aus.
€uro am Sonntag

von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Fast 220 Prozent Wertzuwachs — darüber können sich Anleger freuen, die vor fünf Jahren den Fonds Dexia Biotechnology gekauft haben. Knapp 80 Prozent Minus bis heute dürften dagegen Investoren ärgern, die zum selben Zeitpunkt in den Indexfonds iShares S & P Global Clean Energy eingestiegen sind. Eine krass unterschiedliche Wertentwicklung. Und das, obwohl beide Anlagevehikel eine Gemeinsamkeit haben: Sie setzen auf Themen, die große historische Umwälzungen versprechen — sogenannte Megatrends.

Da ist zum einen die Biotechnologie. Insbesondere die Gentechnik eröffnet der Medizin neue diagnostische Ansätze und Therapiemöglichkeiten. So kann heute schon gehandelt werden, bevor eine Krankheit überhaupt ausbricht. Das zeigt aktuell der Fall der Schauspielerin Angelina Jolie. Auf dem milliardenschweren Gesundheitsmarkt bietet die Biotechnologie die besten Zukunftsperspektiven. Angesichts der zunehmenden Bedeutung dieser Branche sprechen viele Experten von einem Mega­trend. In diese Kategorie werden gern auch die erneuerbaren Energien gesteckt. Doch in den vergangenen Jahren hatten Anleger aufgrund von Subventionskürzungen und Investitionsstopps wenig Freude mit den entsprechenden Investments.

Gesunde Portion Skepsis
Es zeigt sich immer wieder, dass „nicht jeder Trend zu jeder Zeit läuft“, wie Josef Tafertshofer vom Münchner Fonds Laden sagt. Der Anlageberater managt mit seinen Kollegen selbst ein Megatrend-Depot auf Fondsbasis für seine Kunden. Obwohl langfristig ausgerichtet, „wechseln wir jedes Jahr 30 bis 40 Prozent der Fonds aus“.

Das Problem mit vielen Produkten auf Megatrends ist, dass sie häufig auf einen engen Markt setzen. Oder auf Sektoren, „die hart umkämpft sind, in denen aber nichts verdient wird, wie etwa die Solarindustrie“, so Tafertshofer. „Grundsätzlich sollten Investoren immer eine gehörige Portion Skepsis an den Tag legen, wenn Fondsgesellschaften einen neuen Megatrend ausrufen und hierfür auch gleich das passende Produkt parat haben“, rät Jan Richter, Analyst beim Beratungsunternehmen Fondsconsult.

Tatsächlich haben sich in der Vergangenheit viele dieser heftig beworbenen Fonds als Rohrkrepierer erwiesen. Dazu zählen zum Beispiel die BRIC-Fonds, die auf das Wachstum der großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China setzen. Zuletzt haben die Experten von Fondsconsult eine ganze Reihe dieser Produkte — unter anderem von großen Namen wie DWS, Goldman Sachs, Allianz und Temple­ton — auf FondsNote 5 herabgestuft.

Eng definierte Themen
Besonders vorsichtig sollten Anleger nach Ansicht Richters bei sehr eng definierten Themen sein. Das zeigt das Beispiel des Nordasia.com. Der Fonds kam Anfang 2000 auf den Markt und setzte nicht nur auf das Thema Internet, sondern das auch noch in Asien. Als im selben Jahr die Techblase platzte, ging es für den Fonds um mehr als 90 Prozent nach unten. Wer gleich zu Anfang eingestiegen war und den Fonds hielt, steht heute noch tief im Minus.

Anders sieht es für Anleger aus, die sich den Nordasia.com im Frühjahr 2003 ins Depot legten — nach dem großen Absturz. Für die vergangenen zehn Jahre weist der Fonds ein Plus von mehr als 180 Prozent aus — und ist aktuell mit FondsNote 2 bewertet. Das Beispiel zeigt: „Fondsgesellschaften werfen häufig Produkte auf den Markt, wenn die Euphorie für ein Anlagethema am höchsten ist“, sagt Tafertshofer. Doch auf die Euphorie folge stets die Ernüchterung, dann konsolidiere sich ein Markt und am Ende blieben die starken Unternehmen übrig, die tatsächlich für Wachstum sorgen.

„Bei manchen Themen lohnt es sich für Investoren, den ersten Hype abzuwarten und erst später zu investieren“, rät deshalb Fondsconsult-Experte Richter. Grund: Bei den Unternehmen habe sich dann die Spreu vom Weizen getrennt. Und die überlebenden Firmen hätten in schwierigem Marktumfeld ihr Geschäftsmodell unter Beweis gestellt.

Den ersten Hype vorüberziehen zu lassen, das hat sich auch im Fall der Biotechbranche gelohnt. Nach dem Kurssturz zur Jahrtausendwende feiert die Branche derzeit ein fulminantes Comeback. Der Nasdaq Biotechnology Index hat seinen alten Höchststand vom März 2000 bei 1.596 Punkten in den vergangenen Wochen weit hinter sich gelassen und notiert derzeit bei über 1900 Punkten. Tatsächlich steht hinter dem aktuellen Kursaufschwung Sub­stanz, nicht nur Euphorie. Dennoch sollten Anleger vorsichtig sein. „Biotech ist kurzfristig schon ziemlich heiß gelaufen“, so Tafertshofer.

Auch im Bereich Konsum finden sich kaum noch günstig bewertete Aktien. „Speziell das Thema Luxusgüter ist schon sehr gut gelaufen und auch ein eher enges Feld, in dem der Fondsmanager wenig Ausweichmöglichkeiten hat“, erklärt Jan Richter. Eng definierte Themenfonds können oft nicht auf attraktiv bewertete Marktsegmente umschwenken, sondern müssen im Zweifel in den teuren Titeln ihres Segments bleiben.

Auf die Bewertungen achten
So sollten Anleger, die in Themen- oder Mega­trendfonds investiert sind, stets ein Auge darauf haben, ob der entsprechende Markt schon sehr hoch bewertet ist. Dann lohnt es sich auch mal, den Fonds zu verkaufen und Gewinne mitzunehmen. Grundsätzlich ist auch bei Megatrendfonds antizyklisches Investieren angesagt.

Eine Chance könnten hier zum Beispiel Rohstoffaktien bieten. Der BGF World Mining, einer der größten Fonds in diesem Sektor, verlor in den vergangenen fünf Jahren fast 50 Prozent. Angesichts der unsicheren Aussichten für die Weltkonjunktur halten sich viele Minengesellschaften mit neuen Projekten zurück. Aber gerade weil derzeit so wenig investiert wird, könnte es künftig zu Rohstoffknappheiten kommen, meint Experte Tafertshofer.

Ein klares Contrarian-Investment sind derzeit auch Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien. Der Hype dort ist vorbei. Die subventionsabhängige Wind- und Sonnenbranche leidet besonders unter der Sparpolitik und Investitionszurückhaltung der Industriestaaten. Die Branche muss konsolidieren, dann sind die Voraussetzungen für Wachstum wieder gegeben. So lief es in der Vergangenheit auch bei den Internetfirmen, nachdem die Dotcom-Blase geplatzt war. 

Investor-Info

AnlageThemen
5 Megatrends im Kurzcheck

Biotechnologie: Eine Branche, die derzeit an der Börse haussiert. Vor allem große Werte wie Biogen Idec oder Gilead sind schon gut gelaufen und mittlerweile ambitioniert bewertet. Kleine und mittelgroße Firmen haben noch Potenzial. Vor diesem Hintergrund setzt auch die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft BB Biotech verstärkt auf die kleineren Player der Branche (ISIN: LU 041 539 224 9).

BRIC: Das Konzept, auf das Wachstum der Schwellenländerriesen Brasilien, Russland, Indien und China zu setzen, hat sich in den vergangenen Jahren nicht bewährt. Breiter aufgestellte Emerging-Markets-Fonds schnitten deutlich besser ab. Langfristig könnte sich ein Einstieg in BRIC-Fonds trotzdem lohnen, da aktuell brasilianische, russische und chinesische Aktien vergleichsweise günstig bewertet sind.

Konsum: Vor allem der Bereich Luxusgüter ist schon hoch bewertet. Eventuelle Gewinne mitnehmen.

Demografie: Die Überalterung der Bevölkerung in den Industrieländern und das zugleich ungebremste Wachstum der Weltbevölkerung ist zweifellos ein Megatrend, der für strukturelle Verschiebungen in der Konsumnachfrage sorgt. Das Problem bei Demografiefonds: Der Anleger weiß meist nicht, wie die Gesellschaft das Thema genau definiert und welche Unternehmen und Sektoren im Portfolio landen.

Ressourcen: Da Minengesellschaften in den vergangenen Jahren kaum in neue Projekte investiert haben, könnte es bei anziehender Weltkonjunktur zu Knappheiten und steigenden Rohstoffpreisen kommen. Davon profitieren wiederum die Minenbetreiber. Ein „Turnaround“-Thema für Langfristanleger.

Investor-Info

Robeco Sam Smart Materials
Innovation gegen Knappheit

Ein Rohstoffaktienfonds einmal anders. Fondsmanager Pieter Busscher investiert in Firmen, die innovative Materialien und Technologien herstellen, mit denen sich knappe Rohstoffe substituieren lassen oder die einen effizienteren Umgang mit ihnen ermög­lichen. Das reicht vom Carbonfaserproduzenten bis zur Recyclingfirma. Cleverer Fonds, der das Thema Rohstoffe über Technologiefirmen spielt.

DJE Agrar & Ernährung
Nahrung für die Welt

Gegessen wird immer — eigentlich der Megatrend schlechthin. Der DJE Agrar & Ernährung zeigt, dass sich mit einer aktiven Steuerung der Investitionsquote ein rentabler und schwankungsarmer Fonds für Agraraktien konstruieren lässt. Das Portfolio bietet einen breiten Mix aus großen und kleinen Titeln.

Bildquellen: istock photo
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