11.05.2013 15:00
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Dickschiffe: Fondslieblinge unter der Lupe

Fondslieblinge unter der Lupe
Fünf Blockbuster-Fonds
Verkaufsschlager: Sie stehen in der Gunst deutscher Anleger ganz oben. Doch auch Fondsgiganten haben Schwächen. Wo Risiken lauern.
€uro am Sonntag

von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

In der Welt hat nichts Bestand, außer dem Wandel. Dieser Aphorismus trifft auch auf die Fondsbranche zu. Immer wieder schaffen es Fonds, dank einer überragenden Wertentwicklung zu Lieblingen der Anleger aufzusteigen. Wenige Jahre später verschwinden sie wieder im Mittelmaß. Ein Beispiel ist der Fidelity European Growth. Noch vor rund acht Jahren waren dort 25 Milliarden Euro angelegt. Nach etlichen Jahren mit schwacher Rendite und einigen Managerwechseln sind es heute noch sieben Milliarden.

Warum die Entwicklung häufig so verläuft, dazu gibt es eine beliebte These. Ihr zufolge schadet die Größe eines Fonds der Wertentwicklung. Denn je mehr Anlegermillionen in ein Portfolio fließen, desto stärker ist der Fondsmanager unter Druck, dieses Geld auch sinnvoll anzulegen. Problematisch wird es, wenn sich der Fonds in einem relativ engen Anlagesegment bewegt oder sich auf Nebenwerte spezialisiert hat. Je größer die Anlagesumme, desto häufiger muss der Fondsmanager auf ­liquide Titel mit hoher Marktkapitalisierung zurückgreifen. Kleinere Werte mit teils besseren Gewinnchancen bleiben dann außen vor.

Doch die Größe eines Fonds schadet seiner Wertentwicklung nicht automatisch. Beispiel Carmignac Patrimoine: Der Mischfonds ist in seinen Anlagekategorien breit aufgestellt. Im Aktienbereich liegt sein ­Fokus auf liquiden, hoch kapitalisierten Unternehmen der Industrie- und Schwellenländer. Auf der Rentenseite legt das Team um Edouard Carmignac vor allem in Staatsanleihen an. „Das Fondsvolumen von inzwischen 25 Milliarden Euro würden wir aufgrund der Anlagestrategie noch als unkritisch einschätzen“, sagt Jan Richter, Analyst beim Beratungsunternehmen FondsConsult.

Größe ist nicht das Problem
In Zusammenarbeit mit den Münchner Experten, die für €uro am Sonntag auch die FondsNote berechnen, hat die Redaktion die derzeitigen Fondslieblinge der Deutschen unter die Lupe genommen. Das große Volumen — so viel vorweg — ist für die Fonds nicht das eigentliche Problem, da sie sich größtenteils in sehr liquiden Märkten bewegen. Sehr viel mehr hängt von der Person des Fondsmanagers und seinen Investmententscheidungen ab. Das zeigt das Beispiel des Templeton Global Bond: Nach einem schwachen Jahr 2011 zogen Anleger verstärkt Geld aus ihm ab. Im ersten Quartal dieses Jahres gab’s wieder hohe Zuflüsse, nachdem Fondsmanager Michael Hasenstab 2012 rund 90 Prozent seiner Konkurrenzfonds abgehängt hatte.

FvS Multiple Opportunities
Flexibel, bis auf die Goldfixierung

Innerhalb kurzer Zeit ist der FvS Multiple Opportunities zum absoluten Anlegerliebling aufgestiegen. Ende Oktober 2007 aufgelegt, wurde der Fonds Anfang 2010 für den öffentlichen Vertrieb in Deutschland zu­gelassen. Ein Jahr später betrug das Fondsvermögen knapp 180 Millionen Euro, rund 50 Millionen davon stammten von Privatanlegern. Heute ist der vermögensverwaltende Mischfonds 3,7 Milliarden Euro schwer, gut 2,7 Mil­liarden befinden sich allein in der Privatanlegertranche. Fondsmanager Bert Flossbach investiert flexibel in Qualitätsaktien und Edelmetalle, aber auch Wandel­anleihen. Zur Absicherung des Portfolios setzt er Derivate ein.

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Für Flossbach steht die Krisenfestigkeit seines Portfolios im Mittelpunkt des Handelns, auch wenn das manchmal zulasten der Wertentwicklung geht. So sieht der Kölner Vermögensverwalter zum Beispiel Gold als fixen Bestandteil seines Portfolios. Für ihn ist das Edelmetall vor allem eine Absicherung gegen künftige Turbulenzen an den Finanzmärkten, die Chance auf Preissteigerungen interessieren ihn erst an zweiter Stelle. Klar, dass der jüngste Goldabsturz auch in Flossbachs Fonds Spuren hinterlassen hat. Generell jedoch schafft es der Stratege, eine relativ schwankungsarme Wertentwicklung hinzubekommen. Für einen Mischfonds, der so stark auf Aktien setzt (aktueller Aktienanteil: 73 Prozent), ist das eine bemerkenswerte Leistung. Die stabile Wertentwicklung spricht ganz klar für den Multiple Opportunities. Kritisch kann man die teilweise hohe Positionierung in kleineren Werten sehen. Unter den Top-Ten-Anlagen des Fonds befinden sich neben Großkonzernen wie Nestlé und Coca-Cola auch die deutschen Small Caps Bechtle und TAG Immobilien. Bisher sind bei dem Fonds noch keine nega­tiven Auswirkungen des hohen Volumenzuwachses erkennbar; Anleger sollten die weitere Entwicklung aber mit wachem Auge verfolgen.

Carmignac Patrimoine
trotz Schwächephase Attraktiv

Edouard Carmignac schaffte im Krisenjahr 2008 das Kunststück, mit dem ­Patrimoine das Geld seiner Anleger vollständig zu erhalten. Diese Leistung bescherte dem 1989 aufgelegten Fonds enorme Zuflüsse. Mittlerweile ist der globale Mischfonds rund 25 Milliarden Euro schwer. Carmignac und seine Co-Fondsmanagerin Rose Ouahba investieren in Industrie- und Schwellenländeraktien sowie Staats- und Unternehmensanleihen (auch in Lokalwährungen). Zins-, Aktien- und Währungsrisiken sichern sie aktiv ab.

Bewertung
Für den Fonds sprechen der sehr flexible Ansatz und die aktive Absicherung. Daraus resultiert eine langfristig hervorragende Wertentwicklung bei relativ geringer Volatilität. In den vergangenen drei Jahren schwächelte der Fonds allerdings. Carmignac setzte auf Investmentthemen, die kurzfristig nicht aufgingen (Schwellenländer, Goldminen). Langfristanleger sollten den Fonds dennoch halten. In der Regel zahlt es sich aus, wenn erfahrene Fondsmanager an ihren Investmentüberzeugungen festhalten, auch wenn der Markt zeitweilig gegen sie läuft. Wer neu in einen Mischfonds einsteigen möchte, hat als Alternative den FvS Multiple Opportunities.

Templeton Global Bond Fund
Hohe Rendite mit Staatsanleihen

Michael Hasenstab beweist, dass selbst mit einem klassischen Staatsanleihenfonds hohe Renditen möglich sind. Er erkannte schon früh die Schuldenproblematik der Industriestaaten und richtete den Fonds gezielt auf die wachstumsstarken Schwellenländer aus. Mittlerweile zählt der 36 Milliarden Euro schwere Global Bond Fund zu den weltweit größten Rentenfonds.

Bewertung
Das große Anlagevolumen ist für einen Fonds, der sich auf Staatsanleihen konzentriert, kein Problem. Auffällig ist: Hasenstab „erkauft“ sich die gute Wertentwicklung mit einer leicht überdurchschnittlichen Volatilität und größeren zwischenzeitlichen Einbrüchen. Zum Teil geht er extreme Positionen in kleineren Ländern oder Währungen ein (Irland, Korea). Diese können im Notfall nicht problemlos verkauft werden. Ungewiss ist, wie gut der Fonds in ­einem Umfeld weltweit steigender Zinsen und fallender Anleihekurse abschneiden würde. Eine gute Alternative zum Global Bond Fund ist der Templeton Global Total Return (ISIN: LU 017 047 531 2; FondsNote 1). Dieser ebenfalls von Hasenstab gemanagte Fonds kann auch Unternehmensanleihen beimischen und bietet daher einen flexibleren Ansatz.

Templeton Growth Fund
Nimbus eingebüsst

Über viele Jahrzehnte war der Templeton Growth Fund eine Institution. Die Anlagegrundsätze des 1954 aufgelegten Fonds gehen auf den legendären US-Investor Sir John Templeton zurück. Dessen Strategie war es, Aktien ­unterbewerteter Unternehmen, sogenannte Value-Werte, zu kaufen. Nach einer länger andauernden Schwächephase hat der rund zwölf Milliarden Euro schwere Fonds, der aktuell von Norman Boersma gemanagt wird, ­jedoch viel von seinem Nimbus eingebüßt.

Bewertung
Positiv hervorzuheben beim Templeton Growth ist, dass der über Jahrzehnte gewachsene Anlageprozess wichtiger ist als der Fondsmanager an der Spitze. Dennoch kommt es auch auf dessen Geschick an. So hat sich die Wertentwicklung des Fonds unter Norman Boersma wieder stabilisiert, nachdem der Fonds über viele Jahre enttäuscht hatte. Das schlechte Abschneiden und die häufigen Wechsel an der Managementspitze in den vergangenen Jahren haben Vertrauen gekostet. Viele Anleger zogen und ziehen ihr Geld ab. Dem Templeton Growth ist schlicht das Alleinstellungsmerkmal abhandengekommen. Er ist inzwischen einer unter vielen Value-Fonds. Gute Alternative: ValueInvest Lux Global (ISIN: LU 013 599 106 4).

DWS Top Dividende
Weltweit auf Ausschüttungsjagd

Das globale Dividendenportfolio, das Thomas Schüßler seit 2005 lenkt, ist der größte aktiv gemanagte Publikumsfonds Deutschlands. Mehr als zehn Milliarden Euro sind dort mittlerweile investiert. Schüßler legt dieses Geld mit ruhiger Hand an. Er kauft Aktien in der Regel mit einem Horizont von drei bis fünf Jahren, schichtet relativ wenig um. Seit Auflegung liegt die ­Dividendenrendite des Fonds bei durchschnittlich vier bis 4,5 Prozent.

Bewertung Schüßler konzentriert sich auf Aktien aus dividendenstarken Sektoren wie Energie, Basiskonsumwerte und Gesundheitswesen. Diese defensiven Werte sind auch bei anderen Anlegern begehrt. Im Hinblick auf die Bewertungskennzahlen hat der Top Dividende daher ein recht „teures“ Portfolio. Das stark angewachsene Fondsvermögen dürfte Schüßler jedoch keine Probleme bereiten. Schließlich liegt sein Fokus auf globalen hoch kapitalisierten Werten, die eine entsprechende Liquidität garantieren. Langfristig erzielt der Fonds eine sehr gute Wertentwicklung bei vergleichsweise geringer ­Volatilität. Das Management ist erfahren und richtet sein Augenmerk auch auf die Nachhaltigkeit und das künftige Wachstum von Dividenden. Als ­Basisinvestment für globale Aktien geeignet.

Bildquellen: Laborant / Shutterstock.com, Kiselev Andrey Valerevich / Shutterstock.com

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