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aktualisiert: 06.07.2012 10:39

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€uro am Sonntag

GLOBAL DENKEN

Internationale Konzerne: Warum Anleger von diesen Aktien deutlicher profitieren



Max Holzer, Union Investment
Die europäische Schuldenkrise hat die Märkte weiter fest im Griff. Eine mögliche Antwort auf die Turbulenzen in Europa sind Aktienengagements in global tätige Konzerne.

von Max Holzer, Gastautor von Euro am Sonntag

Für ein Investment in Aktien international aufgestellter Unternehmen gibt es gute Gründe: Der Erfolg einer Investition in ein Unternehmen ist langfristig abhängig von dessen Gewinnentwicklung. Diese hängt wiederum maßgeblich von den Umsätzen ab. Bleiben die übrigen Faktoren (etwa die Kosten) gleich, klettern bei höheren Erlösen auch die Gewinne. In welcher Region die Umsätze erzielt werden, spielt dabei keine Rolle. Und derzeit liegen die Chancen vor allem außerhalb Europas.

Warum ist das so? Bedingt durch die Staatsschuldenkrise und den Zwang zur Haushaltssanierung befindet sich die Wirtschaft unter Druck. Die schwache Konjunktur begrenzt entsprechend das Umsatzwachstum im Euro­raum. In anderen Regionen sieht die Welt jedoch freundlicher aus. Die USA sind beispielsweise besser aufgestellt. Der dortige Arbeitsmarkt erholt sich, und der Häusermarkt trägt wieder positiv zum Wachstum bei. Auch in den aufstrebenden Volkswirtschaften, den Emerging Markets, legt die Wirtschaft zu. Hier sind die Staatshaushalte zumeist kerngesund, Konsolidierungsdruck besteht daher kaum. Zudem ist die Inflation rückläufig. Dadurch haben die Zentralbanken Spielraum zur Ankurbelung der Konjunktur.

Grundsätzlich kann sich ein Anleger auf zwei Wegen außerhalb Europas engagieren: Entweder man investiert direkt in entsprechende Aktien oder man beteiligt sich an Konzernen mit einer starken Stellung in den jeweiligen Märkten. Viele europäische Firmen etwa erwirtschaften einen wachsenden Anteil von Umsatz und Ertrag in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Damit profitieren sie direkt vom Aufstieg dieser Nationen. Gleichzeitig bieten sie dem Anleger Stabilität: Die Unternehmen sind zumeist lange am Kapitalmarkt bekannt, sie unterliegen westlichen Regularien und sind auch in rechtlicher Hinsicht berechenbarer. Bei einer Aktienanlage in weltweit agierenden Unternehmen setzt man also auf das globale Umsatzwachstum und kann damit auch „auswärts punkten“. Gleichzeitig ist man nicht mit den länderspezifischen Problemen konfrontiert und sichert sich den „Heimvorteil“.

Steigende Nachfrage in
den Emerging Markets

Entsprechende Chancen gibt es häufig in der Chemie- und Grundstoffbranche. Diese Wirtschaftszweige profitieren von der Industrialisierung in den Emerging Markets. Aber auch die dortigen privaten Verbraucher nehmen an Bedeutung zu und verbessern die Aussichten für Titel aus dem Konsumsektor. Eine wachsende Bevölkerung und höhere Einkommen haben zu einer Verbreiterung der Mittelschicht und einem Nachfrageanstieg nach Waren des täglichen Bedarfs geführt. Auch in der Automobil- und Gesundheitsbranche finden sich interessante Möglichkeiten. Hingegen kommt Konzernen mit eher lokal gebundenem Geschäftsmodell — wie Versorgern oder Einzelhändlern — dieser Trend weniger zugute.

Neben den Schwellenländern bleiben auch die etablierten Industrienationen wichtige Märkte. Der Grund liegt vor allem in ihrer Größe. Auch wenn das Wachstum hier geringer als in den Emerging Markets ausfällt, so ist das Potenzial für Umsatzsteigerungen nach wie vor vorhanden. Beispiel USA: Bereits wenige Prozent Marktwachstum in der größten Volkswirtschaft der Welt bedeuten für die Unternehmen einen enormen Umsatzschub.

Europäische Aktien müssen daher nicht im Abseits stehen. Breit aufgestellte, global präsente Firmen können die Schwäche in den Heimatmärkten in anderen Regionen kompensieren. Schwieriger sieht es hingegen für stark auf Europa fokussierte Unternehmen und deren Kursentwicklung aus. Dass dieser Zustand über einen längeren Zeitraum anhalten kann, unterstreicht das Beispiel Japan. An der Börse in Tokio haben sich exportstarke, global tätige Unternehmen über zwei Jahrzehnte deutlich besser entwickelt als Konzerne mit national ausgerichtetem Geschäftsmodell. Allerdings lohnt es sich, genau hinzusehen. Nicht jeder europäische Autobauer ist schließlich ein weltweiter Champion. Expertise und Sorgfalt bleiben deshalb die Eckpfeiler bei der Aktienauswahl. Außerdem macht man den Diversifikationseffekt eines Investments in global tätigen Unternehmen zunichte, wenn man sein Vermögen in wenigen Einzelwerten anlegt. Gerade im aktuellen, schwankungsanfälligen Umfeld bleibt die Streuung der Anlagen — etwa über einen professionell verwalteten Investmentfonds — das Gebot der Stunde.

zur Person:

Max Holzer, Leiter der,
Asset Allocation bei Union Investment

Holzers Aufgabenspek­trum umfasst das Multi Asset Management ­ sowie die Convertibles & Derivatives Strategy. ­Neben dem Portfolio­management der Multi-Asset-, Garantie-, Rohstoff- und Wandel­anleihefonds legt sein ­Bereich die Strategie für die Asset Allocation der Union Investment Gruppe fest.
Die Fondsgesellschaft ­gehört zu den Volks- und Raiffeisenbanken und ist mit rund 170 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen einer der größten deutschen Vermögensverwalter für private wie institutionelle Anleger.

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