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aktualisiert: 21.01.2011 11:45

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HEDGEFONDS

Karibische Hedgefonds für jedermann



Auf karibischen Inseln kann man Urlaub und Geld machen
Mithilfe bestimmter Produkte, ermöglicht durch die EU-Richtlinie UCITS, können ­Anleger Hedgefondsstrategien abbilden. Worauf Sie achten müssen.

von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Kristallklares Wasser, tiefblauer Himmel, feinster Sandstrand: Badeurlauber kommen auf den Kaimaninseln voll auf ihre Kosten. Die Inselgruppe, die auf Englisch Cayman Islands heißt, liegt mitten in der Karibik, 350 Kilometer südlich von Kuba.

Zwar stehen die Inseln mit ihren malerischen Stränden und einzig­artigen Riffen bei Reisenden hoch im Kurs, doch eine andere Branche hat eine weitaus größere Bedeutung als der Tourismus: Die Hauptstadt George Town ist einer der größten ­Finanzplätze der Welt. Viele international tätige Banken unterhalten dort Filialen. Die Attraktivität der Kai­maninseln als Finanzplatz basiert auf den günstigen Rahmenbedingungen wie der dort existierenden Steuerfreiheit.

Aus diesem Grund hat sich die Inselgruppe als wichtiger Standort für Hedgefonds etabliert.

Bei diesen handelt es sich um Investmentfonds, die wenige oder gar keine Anlage­beschränkungen haben. Ihre Arbeit wird bisher nur schwach kon­trolliert, zu regelmäßigen Berichten sind sie nicht verpflichtet. Um ihre Strategie umzusetzen, können sie unter anderem Derivate nutzen, Wertpapiere verkaufen, die sie gar nicht besitzen (Leerverkäufe), oder Kredite aufnehmen. Hedgefonds verfolgen sehr unterschiedliche Konzepte. Relativ bekannt ist die Long-Short-Equity-Strategie. Dabei kann der Manager sowohl Aktien kaufen und von deren Kursgewinnen profitieren als auch Leerverkäufe tätigen, über die er bei fallenden Kursen Geld verdient.

Eine andere Strategie, Managed Futures, will sich Markttrends zunutze machen und handelt dazu mit Anlageinstrumenten wie Futures und Optionen auf unterschiedlichen Märkten wie Währungen, Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Ein prominenter Vertreter dieser Strategie ist der Man AHL Diversified, der beispielsweise im Krisenjahr 2008 mit einem Zuwachs von 31 Prozent glänzte. Bislang waren die Hedgefondsstrategien Großanlegern vorbehalten. Doch seit einiger Zeit kommen auch Privatanleger zum Zug: Die EU-Richtlinie UCITS ermöglicht es den exotischen Vehikeln, ihre Strategie so anzubieten, dass auch private Investoren einsteigen können. Das Regelwerk stellt bestimmte Anforderungen an Fonds, vor allem hinsichtlich der Transparenz, der Handelbarkeit und des Risikos.

Es lässt aber auch einige Freiräume hinsichtlich der Art der genutzten Wertpapiere. Auf diese Weise gelingt es vielen Hedgefonds, ihre Strategie zu kopieren und in einen neuen Fonds zu verpacken, der den Vorgaben der Richtlinie entspricht. Obwohl UCITS in der derzeit gültigen Fassung bereits seit 2002 existiert, nutzen Hedgefonds deren Möglichkeiten aber erst seit etwa ein­einhalb Jahren. Immer mehr Vehikel aus Übersee bieten Privatanlegern damit ihre Strategie in Form eines ­regulierten Produkts an.

Dieser Trend hat seine Ursache in der Finanzkrise und dem Madoff-Skandal. Bis zur Lehman-Pleite im September 2008 und der Verhaftung des Anlagebetrügers Bernard Madoff im Dezember 2008 lebte die Hedgefondsbranche in einer eigenen Welt. Um Transparenz kümmerten sich die Lenker der Vehikel kaum. Im Zuge der Finanzkrise verlor die Branche massiv das Vertrauen der Investoren und musste starke Mittelabflüsse hinnehmen. Indem sie sich nun teilweise den Vorgaben der UCITS-Richtlinie unterwirft, erhöht sie die Akzeptanz ihrer Produkte bei den Anlegern und gewinnt dadurch verlorenes Vertrauen zurück. Zudem öffnen sich die Hedgefonds damit der neuen Investorengruppe der Privatanleger.


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Für Letztere hat diese Entwicklung Vorteile, birgt aber auch Risiken. Vorteilhaft ist, dass sie alternative Anlagekonzepte angeboten bekommen. Privatanleger können sich Strategien zunutze machen, die bisher nicht verfügbar waren. Auf die­se Weise können die neuen Produkte zu einer höheren Diversifikation in den Depots beitragen. Vorsicht ist aber geboten hinsichtlich der Verständlichkeit der neuen Produkte. Denn auch wenn die UCITS-Richtlinie Transparenz fordert, heißt das noch nicht, dass die Vorgehensweise des jeweiligen Fonds einfach zu begreifen wäre. Je nach Zählweise gibt es mittlerweile zwischen 250 und 700 UCITS-Hedgefonds – abhängig davon, ob man sich auf Produkte beschränkt, die klassische Hedgefondsstrategien verfolgen, oder alle Fonds zusammenrechnet, die im weitesten Sinn ein alternatives Anlagekonzept verfolgen.

Wie groß die Menge auch ist, die Zahl der Fonds dürfte weiter zulegen. Michael Sanders, Chef der Luxemburger Fondsgesellschaft Alceda, rechnet für 2011 mit einem deutlichen Wachstum. „Die Entwicklung hat gerade erst begonnen“, sagt er. „Denn UCITS-III-Produktmäntel gewinnen aufgrund hoher Flexibilität und Transparenz weiterhin an Bedeutung.“ Der Knackpunkt bei den neuen Vehikeln ist die Kopie der Strategie des Originalfonds in dem UCITS-III-Klon. „Es sollten nur solche Strategien in einen UCITS-Mantel gepackt werden, die ohne Abstriche übertragen werden können“, sagt Sanders. Nicht immer werde diese Prämisse von der Branche erfüllt: „Da wird auf Teufel komm raus in einen UCITS-Mantel gepresst, was irgendwie geht“, kritisiert er.

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Bildquellen: istock
Seite: 12

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