21.12.2012 03:00
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Trendfolgemodell: Nicht mehr im Trend - Was tun?

Trendfolgemodell: Nicht mehr im Trend
Hedgefonds
Trendfolger enttäuschen seit zwei Jahren ihre Investoren. Die zweifeln, ob diese Strategie noch zeitgemäß ist. Ob sich ein Festhalten an diesem Ansatz lohnt.
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von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Mit der eigenen Aktie hätte das Trendfolgesystem AHL der Londoner Man Group groß­­artige Renditen erzielen können. Um 87 Prozent ging es mit der Man-Aktie seit 2007 bergab. Solche klaren Kursverläufe sind ideal für Managed-Futures-Strategien wie AHL. Die setzen mit computerbasierten Modellen auf Trends in Aktien-, Renten-, Rohstoff- oder Devisenmärkten und können sowohl auf steigende als auch fallende Notierungen setzen.

Lange Zeit verdienten Anleger mit Fonds auf diese Strategie jedes Jahr zweistellig. Doch seit nunmehr zwei Jahren herrscht Renditeflaute. Der Großteil der Fonds macht Verluste. Das spürt auch die Man Group. Die enttäuschten Anleger ziehen ihr Geld ab. Seit Ende 2010 ging das bei AHL verwaltete Vermögen von 23,6 auf 16,3 Milliarden US-Dollar zurück.

Das hat Konsequenzen. Der Vorstandschef Peter Clarke gibt sein Amt im Februar auf. Brancheninsider munkeln, dass die schlechte Aktienkursentwicklung und hohe Abflüsse bei AHL der Grund dafür sind. Die Man-Aktie fiel 2012 aus dem britischen Leitindex FTSE 100. Nach­folger von Clarke ist Emmanuel Roman, der als Kostendrücker gilt.

Doch nicht nur die Man Group, sondern fast die gesamte Branche der Managed Futures hat zu kämpfen. Die Flaggschifffondsstrategie von Man, AHL Diversified, verlor 2011 zwei Prozent, 2012 steht ein Miniplus von 0,1 Prozent zu Buche. Andere Vertreter des Sektors erwischte es noch schlimmer. Der Varengold CTA hat 2011 und 2012 Negativrenditen im hohen einstelligen Bereich erzielt, ebenso wie der Estlander & Partner Freedom Fonds. Den Vogel schoss der Fonds Salus Alpha Managed Futures ab, der seit Anfang 2011 mehr als 50 Prozent verlor.

Verglichen mit dem DAX, der seit Ende 2010 um elf Prozent zulegte, ist das schwach. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die politisch getriebenen Märkte sind Gift für die Handelssysteme, die rein computergesteuert sind und auf statistischen Erfahrungswerten basieren — der Mensch greift nicht ein. Entscheidungen von Politik und Zentralbank können aber kaum in mathematische Modelle eingepreist werden. Hier sind von Managern gesteuerte Hedgefonds überlegen. Der aus solchen Fonds bestehende Discretionary-Trader-Index legte 2011 um 8,5 und dieses Jahr um sieben Prozent zu.

Probleme bereitet auch das tiefe Zinsniveau. Da Futures gekauft werden, sind in der Regel nur 15 bis 20 Prozent des Fondskapitals investiert, der Rest liegt als Sicherheit auf Tagesgeldkonten. Gab es früher vier Prozent Zinsen dafür, ist es nun nur noch ein Prozent. „Das allein kostet den Fonds drei Prozent Rendite jährlich“, so Markus Sievers vom Managed-Futures-Anbieter Apano.

Die Modelle kommen zudem mit Seitwärtsmärkten, die keine längeren Trends ausbilden, schlecht zurecht. Vor allem bei Rohstoffen und Devisen war das in den vergangenen zwei Jahren der Fall. Aber auch plötzliche Abstürze der Aktienmärkte wie Anfang August 2011 überraschten die Trendfolger. Viele Fehlsignale führen zum ständigen Auf- und Abbau von Positionen, was hohe Transaktionskosten verursacht. Die drücken neben den satten Management- und Performancegebühren der Fonds auf die Rendite.

Hinzu kommt die abnehmende ­Diversifikation innerhalb der Vermögensklassen. „Gab es früher viele Trends unterschiedlicher Richtung, laufen Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Devisen zunehmend ähnlich“, sagt Branchenexperte Bernd Scherer von FTC Capital.

Der Sargnagel für die Managed ­Futures? Unwahrscheinlich. Zweijährige Verlustphasen gab es in der Historie schon öfter. Danach folgte meist ein Jahr mit hohen Gewinnen. Zudem erfüllten Trendfolger auch zuletzt ihre Funktion als Portfolioabsicherung. Zweistellige Jahresrenditen dürften der Vergangenheit angehören, hohe einstellige Ergebnisse sind für Anleger mit längerem Horizont weiterhin möglich. Im Vordergrund für Investoren sollte aber die langfristige Depotabsicherung stehen.

Einige wenige Anbieter wie Trans­trend und Winton überzeugten gegen den Sektortrend. Auch AHL läuft seit Anfang November nach Anpassungen am Handelsmodell besser. Seitdem wurden 3,7 Prozent Plus erzielt. Hält diese Entwicklung an, könnte auch der Aktienkurs von Man nach oben drehen — für Peter Clarke kommt das aber zu spät.

Investor-Info

Managed-Futures-Fonds
Gutes Absicherungsmittel

Nach langem Aufwärtstrend schwächelt seit einiger Zeit die Rendite des AHL-Handelssystems der Man Group und anderer Trendfolger. Doch als Portfolioabsicherung haben sich Futures-Strategien bewährt. Während in der Finanzkrise 2008 die globalen Ak­tienmärkte abstürzten, entwickelte sich beispielsweise AHL in die Gegenrichtung. Genauso verhielt es sich in der Aktienbaisse im 2. Halbjahr 2011.

DB X Systematic Alpha Fonds
Gut gehalten in schwerer Zeit

Neben AHL ist das Futures-Handelssystem von Winton Capital Management führend in der Trendfolgerbranche. Die Briten überzeugten seit Ende 2010 mehr als der Konkurrent. Schon seit 1997 liefern sie Spitzenergebnisse ab — mit weniger Schwankungen als AHL. Der db x-trackers-Fonds bildet die Trendfolgerstrategie der Briten weitgehend nach. 2012 konnte sich Winton dem Negativtrend nicht entziehen und fiel um 4,6 Prozent. Seit Fondsauflage Mitte 2010 beträgt das Plus trotzdem 6,2 Prozent.

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