09.11.2012 11:07
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Henderson Horizon Euro Corporate Bond Fund: Risikoscheu kann für die Fondsmanager teuer werden

Wien (www.fondscheck.de) - Fondsmanager haben es 2012 mit einer etwas paradoxen Situation zu tun, so die Experten von "e-fundresearch.com".

Die makroökonomische Entwicklung habe noch nie eine bedeutendere Rolle gespielt als heute, und zugleich müsse auch im Kleinsten alles richtig gemacht werden, wolle man an Aufwärtsbewegungen partizipieren und den Sturz in die Tiefe vermeiden.

Wie sich der Status quo innerhalb weniger Jahre gewandelt habe, davon könne Chris Bullock ein Lied singen. Der Co-Fondsmanager des Henderson Horizon Euro Corporate Bond Fund (Henderson Horizon Euro Corporate Bond Fund A2 EUR) und sein Team hätten ihren Investmentprozess angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen dramatisch ändern müssen.

"In einem normalen Umfeld haben wir eine "Bottom-Up"-Strategie, ergänzt durch eine makroökonomische Einschätzung. Letztere haben wir in der Regel vielleicht einmal im Jahr geändert", sage Bullock. "Jetzt stellen wir unsere Sicht der Dinge mindestens einmal im Monat auf den Prüfstand, da Makro-Themen viel stärker im Vordergrund stehen. Die Kreditmärkte werden von makroökonomischen und technischen Faktoren getrieben."

Früher habe sich das Team einen Sektor angesehen, dann eine Branche ausgewählt und schließlich einzelne Unternehmen unter die Lupe genommen - heute stehe vor einer intensiveren Erforschung stets die Analyse der wirtschaftlichen Situation und Stabilität eines Landes.

Für Fondsmanager, die in europäische Aktien investieren würden, stelle sich das Umfeld völlig anders dar. Das wirtschaftliche Geschehen belaste zweifellos die Aktienmärkte, doch es seien auch interessante Kaufgelegenheiten entstanden.

John Bennett, ein erfahrener Aktienfondsmanager, siehe in Europa tatsächlich einen Wandel, herbeigeführt durch einige der Maßnahmen von EZB-Chef Mario Draghi.

"Wir müssen über die Preise europäischer Vermögenswerte neu nachdenken. Bisher war in die Bewertungen das Risiko von Extremereignissen eingepreist, wie der Rückkehr zur Drachme oder dass es zu einem Sturm auf die Banken kommt. Selbst in Qualitätstitel waren existenzielle Risiken eingepreist. Ich gehe davon aus, dass wir über kurz oder lang eine positive Neubewertung europäischer Aktien sehen werden."

Richard Pease blicke auf drei Jahrzehnte Investmenterfahrung zurück. Er sei der Meinung, jetzt sei nicht die Zeit für Patriotismus. "Dafür, jetzt ein gewisses Risiko einzugehen und in Aktien zu investieren, spricht das geringere Risiko von Aktien im Vergleich zu Staatsanleihen", meine Pease unter Anspielung auf die negativen realen Renditen britischer Gilts.

"In Europa kann man Unternehmen finden, die so gut wie schuldenfrei sind und einen freien Cashflow von 8 bis 10% haben. Da gibt es Firmen mit attraktivem Kurs/Gewinn-Verhältnis, die selbst dann noch einen Cashflow erwirtschaften würden, wenn Europas Wirtschaft auf Talfahrt wäre - natürlich kommt es darauf an zu wissen, woher die Umsätze kommen, und Vertrauen in das Management braucht man auch."

Für Chris Bullock bedeute die strategische Flexibilität des Henderson Horizon Euro Corporate Bond Fund, dass sein Team eine breite Auswahl an Möglichkeiten habe, um Chancen zu nutzen.

"Wir können verschiedene Derivate einsetzen, Short-Positionen aufbauen oder sogar manche Länder komplett meiden", erläutere Bullock. In den südeuropäischen Ländern, die tief in wirtschaftlichen Problemen stecken würden, sei er mit seinem Team sehr schwach engagiert gewesen.

Das Anlagemandat des Fonds erlaube Investments in Anleihen, die in Euro denominiert seien, aber deren Emittenten außerhalb des Kontinents ihren Sitz hätten. Die Fondsmanager hätten überdies die Möglichkeit, ein Engagement in einem in Finanznöten steckenden Land über einen Stellvertreter zu realisieren. Das könne beispielsweise ein multinationales Unternehmen sein.

"Als Kerninvestments wählen wir Unternehmen in stabilen Ländern wie den USA, Großbritannien, Schweden und der Schweiz, die ihre eigene Geldpolitik haben. Vorteilhaft ist für uns auch das Thema Schuldenabbau. Firmen, die sich finanziell konsolidieren und die auf Fusionen und Übernahmen verzichten, sind vielleicht nicht gut für das Wirtschaftswachstum, dafür aber für die Gläubiger", füge Bullock hinzu.

5,8%: Rendite 5-jähriger Anleihen des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica am 05.09.2012. Laut Bloomberg habe die Rendite damit 458 Basispunkte über dem Benchmark-Swap-Satz gelegen (Quelle: Telefónica SA).

-0,3%: Prognose des Internationalen Währungsfonds für das BIP-Wachstum in der Eurozone im Jahr 2012. Für 2013 erwarte der IWF ein Wachstum von 0,7% (Quelle: IWF, Juli 2012).

Alle drei Fondsmanager würden sich vornehmlich für Unternehmen interessieren, die den Bedürfnissen ihrer Fonds Rechnung tragen würden: Ein gemeinsamer Nenner seien dabei oft Firmen mit hohem freien Cashflow, die auch Erlöse außerhalb der Eurozone erzielen würden.

"Lassen Sie besser die Finger von Firmen, die glamourös daherkommen", sage Pease. "Was Sie brauchen, ist ein Low-Tech-Unternehmen, das jeder managen kann, das ein ordentliches strukturelles Wachstum aufweist, wenig Kapital benötigt, berechenbare Erlöse erwirtschaftet und in das sich die Politik nicht einmischt. Man muss auch Vertrauen haben und bei der Stange bleiben, wenn man in ein gutes Unternehmen investiert hat." Als Beispiel für eine Firma mit erfolgreichen Produkten und Kunden, die wiederkommen würden, nenne Pease den Schmierstoffhersteller FUCHS PETROLUB.

So wie makroökonomische Nachrichten die Bewertungen europaweit nach unten gedrückt hätten, würden Sorgen über die so genannte Patentklippe (gehäuftes Auslaufen von Patenten) die Kurse der Pharmaaktien belasten. Viele Anleger würden dadurch das Potenzial übersehen, das in dem Sektor stecke.

"Vorstände sind ausgetauscht wurden, Firmen haben ihren Absatz in die Schwellenländer verlagert und es besteht eine Tendenz hin zu gezielten Therapien, die höhere Margen ermöglichen als die so genannten "Blockbuster"-Präparate, deren potenzielle Zielgruppe die Gesamtbevölkerung ist. Fortschritte in der Medizintechnik eröffnen neue Chancen und Einnahmequellen."

Bei Unternehmensanleihen verweise Bullock auf Telefónica - den spanischen Kommunikationskonzern, der das europäische Mobilfunknetz O2 betreibe - als Titel mit Bewertungspotenzial. Das Unternehmen habe zwar seinen Sitz im krisengeschüttelten Spanien, erwirtschafte jedoch den Großteil seiner Erlöse in anderen Staaten. Telefónica habe zudem mit dem Verkauf von Vermögenswerten begonnen, um seine Bilanz zu stärken.

Trotz dieser Maßnahmen zur Beruhigung der Rating-Agenturen leide das Unternehmen weiter darunter, dass es in Spanien ansässig sei: "Der Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen ist im vergangenen Jahr um 400 Basispunkte gestiegen, sodass Anleger für das Halten des Papiers eine ausreichende Entschädigung bekommen", erkläre Bullock. (Ausgabe vom 08.11.2012) (09.11.2012/fc/a/f)

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