Rentenexperte Cunningham: Verlierer herausfiltern
Seit über 25 Jahren beschäftigt sich Jeremy Cunningham beruflich mit festverzinslichen Wertpapieren von Unternehmen. Für die US-Investmentgesellschaft ACMBernstein arbeitete er als Mitglied im europäischen Rententeam.
€uro am Sonntag: Herr Cunningham, wie beeinflusst die Eurokrise Sie als Anleihefondsmanager?
Jeremy Cunningham: Zum einen hat die Volatilität auf den Anleihemärkten in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Zum anderen bieten scheinbar sichere Häfen wie deutsche Staatsanleihen wohl noch länger sehr niedrige Zinsen. Diese Kombination stellt heute viel höhere Anforderungen an das Anleihemanagement als früher.
Inwiefern?
Heute sind Bond-Picker gefragt, die jeden einzelnen Emittenten genau durchleuchten. Es geht heute vor allem darum, potenzielle Verlierer herauszufiltern, weniger darum, die möglichen Gewinner zu finden. Da ist Fachwissen gefragt, das wir dank unseres 100 Mann starken Analyse-und Fondsteams auch besitzen.
Viele Investoren sind verunsichert. Wie lautet Ihre Anlageempfehlung?
Anleger wollen heute eine ansprechende Rendite erzielen, ohne schlaflose Nächte zu verbringen. Hierfür eignet sich ein globaler Hochzinsanleihefonds sehr gut.
Bonds von Emittenten mit schlechter Bonität in Krisenzeiten — das klingt nicht nervenschonend.
Das kommt darauf an, ob Sie es schaffen, die richtigen Anlageziele herauszufinden, das Risiko und Kursschwankungen zu begrenzen.
Wie wollen Sie das erreichen?
Bei Anleihen mit der sehr niedrigen Bonitätsnote „CCC“ sind wir vorsichtig. Die können das Risiko im Portfolio schnell in die Höhe treiben, und nicht immer bringt ein steigendes Risiko auch steigende Renditen mit sich. Wir investieren auch sehr breit, in bis zu 1.000 Titel — und nicht nur in klassische Unternehmensanleihen. Im Augenblick bevorzugen wir zudem Anleihesegmente wie in Hartwährung emittierte Schwellenländeranleihen.
Warum in Hartwährung?
Anleihen in Lokalwährung sind zwar stark gefragt, aber aufgrund der Währungsschwankungen deutlich volatiler.
Der Global High Yield Fonds besteht aber zu 60 Prozent aus klassischen Hochzins-Unternehmensanleihen, die ebenfalls sehr stark gefragt sind. Sehen Sie noch nicht die Gefahr einer Blasenentwicklung?
Nein, denn dafür fehlen die klassischen Merkmale einer Überhitzung. So sind viele Hochzinsanleihen im Vergleich zu den Ausfallraten immer noch günstig bewertet. Zudem stärken die Unternehmen mit den Emissionserlösen ihre Bilanz, und die Bonität der Emittenten verbessert sich weiter.
Investor-Info
ACMBernstein Gl. High Yield
Hochrentierliches Flaggschiff
Der 1999 aufgelegte ACMBernstein Global High Yield Portfolio ist mit einem verwalteten Vermögen von knapp 17 Milliarden Euro einer der größten Fonds für hochverzinsliche Anleihen weltweit.
Trotz seines großen Volumens hat der Fonds in den vergangenen zehn Jahren rund 140 Prozent Plus eingefahren. Dabei setzt das Fondsmanagement zur Risikominimierung und Renditeoptimierung neben klassischen hochverzinslichen Unternehmenspapieren auch auf Papiere von Emittenten mit besserer Bonität sowie auf Bankanleihen und Schwellenländerbonds. Die durchschnittliche Laufzeit der Papiere im Portfolio ist mit knapp vier Jahren eher gering, das Depot daher gegen etwaige Zinsänderungen gut gewappnet. Vorsicht: Knapp 93 Prozent der Papiere im Fonds sind in US-Dollar begeben, das Währungsrisiko ist daher für Euroanleger recht hoch. Wer diesen Effekt ausschalten möchte, sollte daher auch auf die währungsgesicherte Tranche des Fonds (ISIN: LU 044 806 878 2) zurückgreifen.
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