von Astrid Zehbe, €uro am Sonntag
€uro am Sonntag: Herr Lang, in Rio fand vergangene Woche der
UN-Klimagipfel statt. Wie wichtig sind solche Treffen für die Erneuerbare-Energien-Branche?
Thiemo Lang: Ich würde sie nicht überbewerten, aber sie lenken immerhin eine gewisse Aufmerksamkeit auf das Thema. Wir haben bei anderen Gipfeln, etwa in Kopenhagen, gesehen, dass nicht alle Länder so motiviert bei der Sache sind wie Deutschland. Die Vergangenheit hat gezeigt, wie schwierig es ist, weltumspannende und verbindliche Vereinbarungen zu treffen. Größere Bedeutung für die Branche haben die Regelungen, die national beziehungsweise innerhalb der EU beschlossen werden.
In Europa haben eine ganze Reihe
von Staaten ernsthafte Budgetprobleme. Ist das eine Gefahr für
die Branche?
Der Trend zu erneuerbaren Energien ist aus meiner Sicht unumkehrbar. Jedoch könnten bestimmte Entscheidungen den Weg dorthin in der Tat verlangsamen. In kriselnden Ländern wie Spanien oder Italien wird immer wieder darüber diskutiert, die Förderung erneuerbarer Energien noch weiter zu reduzieren oder Betreiber etwa von Windanlagen stärker zu besteuern. Das würde die Preise für erneuerbare Energien erhöhen und die Nachfrage erst mal senken.
Aber muss die Branche über kurz oder lang nicht in der Lage sein, ohne Förderungen auszukommen?
Das ist richtig. Wir müssen es schaffen, auch ohne Subventionen wirtschaftlich zu arbeiten. Im Solarbereich beispielsweise wurden schon hervorragende Fortschritte gemacht. Die Produktionskosten für Solarenergie sinken dank Skaleneffekten seit Jahren. Was wir in Zukunft aber nach wie vor brauchen werden, ist die Priorisierung der Einspeisung, damit die Energieversorger den erneuerbar generierten Strom zuerst abnehmen müssen. Außerdem wäre in dieser Frage eine verstärkte europäische Koordination wünschenswert.
Warum das?
Die Nachfrage nach Strom schwankt stark. An einem Feiertag mit geringer Industrieproduktion benötigt Deutschland zum Beispiel nur etwa 30 Gigawatt, an einem normalen Arbeitstag sind es bis zu 80 Gigawatt. Auch das Stromangebot über erneuerbare Energien wie Solar und Wind ist starken Schwankungen unterworfen. In einem europäischen Verbund ließen sich diese besser ausgleichen. Auch könnte überschüssiger Strom über Pumpspeicherkraftwerke in geeigneten Ländern wie Norwegen und der Schweiz gut zwischengespeichert werden.
Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, langfristig den kompletten Strombedarf mit erneuerbaren Energien zu decken. Wie realistisch ist das?
Dem kurzfristigen Ziel, bis 2020 etwa 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, sind wir bei derzeitigen 24 Prozent schon recht nah. Ein interessantes Beispiel ist das zurückliegende Pfingstwochenende: Es war sehr sonnig, und aufgrund des Feiertags lag die Gesamtnachfrage nach Strom nur bei etwa 30 bis 35 Gigawatt. Zwei Drittel davon wurden allein über Solarenergie gedeckt, mit Windenergie noch mehr. Ich bin zuversichtlich, dass das Ziel der Regierung einer komplett auf erneuerbaren Energien basierenden Stromerzeugung zu erreichen ist, auch wenn es noch Jahrzehnte dauern wird.
Sie managen den SAM Smart Energy Fund, der sich als einer der wenigen Fonds mit Schwerpunkt auf alternative Energien ganz passabel hält. Wie machen Sie das?
Es ist uns gelungen, einen vernünftigen Mix zwischen defensiven Werten und Wachstumswerten zu finden. Derzeit sind wir über Energieversorger wie Wasserkraftbetreiber, Netzbetreiber und Erdgasversorger mit über 50 Prozent Portfoliogewicht eher defensiv aufgestellt. Jedoch achten wir auch dort auf eine breite geografische Streuung, da etwaige Gesetzesänderungen sich auf die Situation der Unternehmen auswirken können. Auch bei den zyklischen Wachstumswerten schauen wir auf unterschiedliche Endmärkte, um das Risiko zu streuen. Zurzeit setzen wir beispielsweise auf Hersteller von LEDs für Beleuchtungstechnik oder den Elektrofahrzeughersteller Tesla.
Im vergangenen Jahr haben Sie sich von den meisten Ihrer Solarwerte getrennt. Warum?
Die Firmen sind in gewisser Weise Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Die früher festgelegten Einspeisevergütungssätze für Solarenergie waren sehr großzügig, sodass sehr viel Kapital in den Ausbau der Produktionskapazitäten geflossen ist. Die Überkapazitäten, unter welchen die Branche derzeit leidet, sind eine direkte Folge davon. Mit den nun geltenden geringeren Einspeisevergütungen sowie der preiswerten Konkurrenz aus Asien ist das Fahrwasser für viele Firmen rauer geworden. Der Markt muss sich erst konsolidieren, bevor wir uns dort wieder verstärkt engagieren werden.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Werte für Ihr Portfolio aus?
Das hängt vom jeweiligen Sektor ab. Firmen, die in gut konsolidierten Märkten mit hohen Eintrittsbarrieren aktiv sind, sind grundsätzlich interessant, denn sie bieten eher geschützte Profitmargen. Niedrigkostanbieter sind dann interessant, wenn sie über einen großen Marktanteil verfügen und durch Skalierungseffekte die anderen dominieren. Die Gewichtung der Einzelwerte im Portfolio hängt dann von der Gesamtportfoliokonstruktion ab, unter Berücksichtigung verschiedener Risikofaktoren.
Investor-Info
Fonds im Fokus
SAM Smart Energy Fund
Fonds mit Schwerpunkt auf erneuerbare Energien haben es derzeit nicht leicht. Während die meisten Nachhaltigkeitsfonds die vergangenen zwölf Monate mit einem Minus beendeten, bewegt sich der SAM Smart Energy Fund immerhin auf dem Vorjahresniveau. Seit Auflage im Jahr 2003 konnte Fondsmanager Thiemo Lang den Wert um mehr als 60 Prozent steigern. Lang achtet beim Kauf der Positionen auf eine breite Streuung und setzt vermehrt auf asiatische Werte, die ein Drittel des Portfolios ausmachen. „Vor allem Japan ist interessant, da das Land sich von der Atomenergie verabschiedet und die Nachfrage nach anderen Energieformen steigt.“
Fazit: Guter, defensiv ausgerichteter Fonds.