von Ralf Ferken, €uro am Sonntag
Er war Star-Fondsmanager bei Union Investment und Lenker eines Hedgefonds. Seit 2005 ist Christoph Bruns für die Oldenburger Vermögensverwaltung Loys tätig und verantwortlich für den Aktienfonds Loys Global. Mit €uro am Sonntag sprach er über Fehler deutscher Anleger, Inflation und günstige Gelegenheiten.
€uro am Sonntag: Herr Bruns, deutsche Anleger investieren lieber in Anleihen oder Festgeld statt in Aktien. Warum ist das so?
Christoph Bruns: Die Deutschen lieben Sonderwege, was aber nicht unbedingt klug ist. Anleihen und Festgeld sind renditeschwache Produkte.
Aber in den Augen der Anleger sicherer als Aktien.
Es ist abstrus, bei Anleihen von Sicherheit zu sprechen. Nach Gebühren, Steuern und Inflation ist
die tatsächliche Verzinsung negativ. Bundesanleihen werden auch künftig kaum reale Rendite erbringen, weil der Staat nur durch Inflation seine Schulden reduzieren kann. Das ist eine kalte Enteignung.

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Was meinen Sie damit?
Inflation ist ein ekelhafter Feind, der jedes Jahr wiederkommt. In den vergangenen zehn Jahren führte sie zu 22,5 Prozent Kaufkraftverlust – und damit zu 22,5 Prozent weniger realen Schulden für den Staat.
Bei einer Wirtschaftskrise könnte es aber zu deflationären Tendenzen kommen.
Erstaunlich ist doch, dass wir sogar in der starken Rezession 2008/ 2009 Inflation und keineswegs Deflation hatten. Ich rechne mit Inflation, und dann sind Aktien die klügste langfristige Kapitalanlage.
Nicht Gold?
Wer nur mit Gold gut schläft, soll es kaufen. Ich schlafe auch mit Aktien gut.
Gold ist seit 2001 wertvoller geworden, Aktien nicht.
Da muss ich widersprechen. Gold hat seinen Wert behalten. Euro und Dollar haben gegenüber Gold jedoch an Wert verloren. Unternehmen verbessern sich dagegen im Lauf der Zeit und werden wertvoller. Denken Sie an die heutigen Autos. Die sind durch technische Verbesserungen heute viel wertvoller als in der Vergangenheit. Kurzum: Das Bessere ist des Guten Feind – daher ziehe ich die gut ausgewählte Aktienanlage dem Goldkauf vor.
Wie wollen Sie die Deutschen davon überzeugen?
Jeder weiß, wie stark die deutschen Unternehmen sind. Trotzdem beteiligen sich die Leute daran nicht. Hier müssen sie umlernen. Wie überlegen Sachwerte gerade in der Krise sind, haben wir ja in den letzten Jahren beobachten können.
Aber Aktien fallen in der Krise stark.
Ja, aber nur die Kurse, nicht die tatsächlichen Werte der Unternehmen. Anleger müssen lernen, genauer zwischen Preis und Wert zu unterscheiden.
Können Sie das mit Beispielen näher erläutern?
Im Jahr 2000 hatten wir eine Branchenkrise bei Telekom, Medien und Technologie. Trotzdem ist auch der Kurs von Fielmann gefallen, obwohl das Unternehmen stetig mehr Brillen verkauft hat.
Oder denken Sie an 2008, als wir eine Immobilien- und Verschuldungskrise in den USA hatten. Trotzdem ist die Aktie des deutschen Chemiekonzerns BASF um 60 Prozent gefallen.
Wieso sollte das den Anlegern nutzen?
Weil man das Gute dann günstig kaufen kann. Die Deutschen sind schlau und kaufen günstig bei Aldi und Lidl ein – warum machen sie das nicht auch an der Börse?
Weil steigende Kurse mehr Zuversicht vermitteln?
Eine Aktie wird nicht attraktiver, weil ihr Kurs gestiegen ist. Das ist ein Irrglaube.
Starke Verluste sind für die meisten Anleger aber nur schwer zu ertragen.
Wer kein negatives Jahr aushält, darf keine Aktien halten. Das sagen wir jedem Kunden. Aber dadurch entgehen den Menschen langfristige Chancen.