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28.06.2010 06:00

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INTERVIEW

Fondslegende Carey: „Die gesündesten Bilanzen seit 20 Jahren“



John Carey glaubt an Value-Werte
Der U.S. Pioneer Fund ist der drittälteste Fonds der USA und John Carey erst dessen dritter Fondsmanager. Euro fondsxpress sprach mit Carey darüber, wie er jetzt anlegt.

von Ralf Ferken und Jörn Kränicke, Euro fondsxpress

Euro fondsxpress: Mr. Carey, Sie erleben nicht Ihre erste Finanz- und Wirtschaftskrise. Was ist diesmal anders?
John Carey: Wir schauen vor allem auf die Unternehmen. Mittlerweile müssen wir aber auch die Politik beachten. Die Obama- Administration greift stark in die Wirtschaft ein. Leider oft zu hastig, sodass die Gesetze mehr schaden als nützen.

 

Im November wählen die US-Bürger das Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatoren. Die Republikaner dürften zulegen.
Aber sie gewinnen nicht genug Sitze, um beide Häuser zu kontrollieren. Aber genug, um die Obama-Administration zu ärgern.

Mit welchen Folgen?
Weniger staatliche Eingriffe. Aber die Steuern werden steigen.

 

So könnte das Budgetdefizit sinken.
Die Obama-Regierung müsste dazu vor allem die Ausgaben reduzieren. Das sehe ich aber nicht. Die Gesundheitsreform wird teuer und den Verteidigungsetat kann sie kaum kürzen. Besonders wenn die Krisen im Iran und in Korea eskalieren.

Inwiefern leiden die Unternehmen darunter?
Nur bedingt. Sie sind stetig produktiver geworden, vor allem seit 2008. Zudem gab es seit 20 Jahren keine gesünderen Bilanzen. Zudem profitieren auch US-Aktien vom Wachstum in den Emerging Markets. Heute erwirtschaften die Unternehmen des S&P 500 dort schon 40 bis 45 Prozent ihrer Gewinne.

Trotz Finanzkrise?
Die Lage war nie so schlecht, wie viele gedacht haben. Bis auf Banken und Immobilien haben alle Branchen weiter Geld verdient.

Trotzdem sind die Kurse eingebrochen.
Das sind die üblichen notwendigen Korrekturen, von denen man sich nicht einschüchtern lassen darf. Die Wirtschaft entwickelt sich immer weiter. Und es gibt auch immer wieder neue innovative Industrien. Denken Sie nur an die ganzen neuen Technologien, die seit den achtziger Jahren hinzugekommen sind. Etwa Hewlett Packard, Apple, Microsoft, Google oder Intel. Sie haben seitdem die Welt verändert. Bis zum BP-Deasaster war die Öl-Industrie mit ihren neuen Bohrmethoden ebenfalls sehr innovationsfreudig. Das hat sich nun wohl erledigt. Die USRegierung erwägt Förderstopps vor der US-Küste. Zudem dürfen wohl vorerst auch keine neuen Bohrungen durchgeführt werden. Das könnte nicht zuletzt zu höheren Ölpreisen führen.

Das heißt für Ihren Fonds?
Wir kaufen nur günstige Qualitäts-Blue-Chips, meist für drei bis fünf Jahre.

Auch Rohstoffwerte? Na ja. Noch haben wir zwar Rio Tinto im Fonds, aber ich mache mir Sorgen wegen der geplanten Sondersteuer der australischen Regierung. Allzu erfolgreiche Unternehmen werden irgendwann Opfer der Politik. Daher denke ich, dass bei den großen Minenwerten die beste Zeit vorbei ist.

Wie sieht es mit Banken aus?
Wir haben den Anteil erhöht, sind aber untergewichtet. Wir bevorzugen Unternehmen, die sich selbst finanzieren können und nicht von staatlicher Hilfe abhängen.

Aber Bankaktien waren seit März 2009 sehr erfolgreich.
Aktien geringer Qualität haben seit 1980 achtmal eine Kursrally erlebt, darunter jene im vergangenen Jahr. Aber diese Rallys hielten nie lange an. Auch jetzt werden diese Titel wieder auf dem Boden der Realität landen, weil Anleger zu hohe Gewinne eingepreist haben. Das gilt für etliche Banken, aber auch für viele Zykliker und Rohstoffwerte. Ihre KGVs liegen zum Teil bei 25 bis 30.

Sie glauben an Qualitätswerte. Warum?
Wir mögen stabile Erträge, hohe Dividenden, geringe Schulden und gute Produkte – langfristig zahlt sich dies immer aus.

Und kurzfristig?
Qualitätswerte sind meist teurer als Titel geringer Qualität. Jetzt sind sie günstiger – und das, obwohl sie risikoärmer sind.

Haben Sie ein Beispiel?
Johnson & Johnson wird derzeit mit einem 12er-KGV bewertet und das Pharmageschäft ist sehr kalkulierbar. Zudem erhöhen sie Jahr für Jahr ihre Dividende.

Ihr Ausblick für Aktien?
Manchmal sind Anleger ängstlich, dann wieder euphorisch. Daher schwanken Aktienkurse stärker als die zugrunde liegenden Fundamentaldaten. Ich kann diese Emotionen nicht vorhersagen.

Im Profil
Dr. John Carey ist Jahrgang 1949 und studierte Geschichte am Columbia College und in Harvard, wo er 1972 auch promovierte. Unter anderem beschäftigte er sich während des Studiums mit Preußen und Bismarck. Zugleich begeisterte er sich für die Kapitalmärkte und kam 1979 zu Pioneer Investments nach Boston. Dort lernte er das Handwerk des Fondsmanagers von Philipp Carret, dem Gründer der US-Fondsgesellschaft. Seit 1986 managt Carey den Pioneer Funds - U.S. Pioneer Fund. Nach Carret und Paul Mullare ist Carey erst der dritte Manager des 1928 aufgelegten US-Fondsklassikers.

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Kommentare zu diesem Artikel

AndiA schrieb:
28.06.2010 12:50:45

Als gebranntes Kind, nämlich als jemand, der lange im Pinoneer Value Fund, ehemals Pioneer II, investiert war, wird man es mir nachsehen, wenn ich einen Kommentar abgebe, ohne dieses Geschwafel diese so genannten Legende gelesen zu haben: Dieser Fond ist heute zu Kursen von 1980 zu bekommen.

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