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30.08.2012 18:00

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€uro am Sonntag

INTERVIEW

Fondsmanager Huber: Italien ist richtig billig

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Fondsmanager Huber sind Italiens Aktien richtig billig
Nach einem mageren Jahr 2011 dreht sein StarCap Winbonds+ wieder auf. Manager Peter Huber über ausgebombte Börsen und wackelige Währungen.

von Tobias Aigner, Euro am Sonntag

Peter Huber ist Chef der Vermögensverwaltung StarCapital im hessischen Oberursel. Er gilt als einer der besten Bondmanager Deutschlands. Sein Fonds StarCap Sicav Winbonds, der vor allem in Euroanleihen investiert, legte in den vergangenen drei Jahren um 27 Prozent zu, auch wenn er 2011 schwächelte. €uro am Sonntag sprach mit Huber über magere Börsenjahre, heiß gelaufene Bundesanleihen und die Folgen eines Eurokollapses.

€uro am Sonntag: Herr Huber, Ihr Winbonds-Fonds verlor 2011 fast ein Prozent, obwohl der Vergleichsindex zulegte. Was war da los?
Peter Huber:
Das war eine Aus­nahmesituation. Der Vergleichsindex besteht zu 80 Prozent aus Bundesanleihen und zu 20 Prozent aus dem Euro Stoxx 50. Bundesanleihen haben 2011 eine unglaubliche Rally hingelegt, weil die Investoren in Sicherheit flüchteten. Unser Fonds investiert breit in europäische Renten. Da kann man so eine Rally nicht aufholen. Seit Anfang 2012 liegen wir aber wieder deutlich vor dem Index.

Auch 2008 landete der Fonds im ­Minus, er gab um 7,6 Prozent nach. Ist er nur für gute Jahre gestrickt?
Ich bin seit 1978 im Geldgeschäft, aber ein Jahr wie 2008 habe ich noch nicht erlebt. Die Lehman-Pleite hat uns kalt erwischt, weil wir Positionen in Unternehmensanleihen aufgebaut hatten. 2009 haben sich diese Investitionen aber enorm ausgezahlt. Der Winbonds schaffte ein Plus von gut 40 Prozent — weit mehr, als man von einem defensiven Fonds erwartet.

Was verstehen Sie unter defensiv?
Defensiv heißt, wir wollen jedes Jahr ein Plus erwirtschaften. Es heißt aber nicht, dass es nie Verluste gibt.

Sie können in dem Mischfonds bis zu 20 Prozent Aktien halten. Haben Sie zuletzt Dividendentitel gekauft?
Ja. Wir haben die Aktienquote von elf auf rund 15 Prozent aufgestockt.

Mit welchen Werten?
Mit italienischen. Der Markt war ­total ausgebombt. Wir haben eine Tradingchance gesehen und einen Italien-ETF gekauft.

Rechnen Sie damit, dass die ­aktuelle Aktienrally anhält?
Ich weiß nicht mal, wo die Siemens-Aktie in einer Woche steht. Wie soll ich da vorhersagen, wo der DAX in einem Jahr notiert? Statt in die Kristallkugel zu blicken, achte ich lieber auf die Bewertung. Gute Maßstäbe sind das Kurs-Buchwert-Verhältnis und das Kurs-Gewinn-Verhältnis nach Shiller, in das die Unternehmensgewinne der vergangenen zehn Jahre einfließen. Gemessen an diesen Zahlen ist die deutsche Börse fair bewertet. Aber Österreich, Italien und Spanien sind richtig billig.

Welche Aktienposition hat das höchste Gewicht im Fonds?
Ein Bonuszertifikat auf den DAX von der Commerzbank. Es macht zwei Prozent des Portfolios aus.

Ein Zertifikat? Haben Sie keine Angst, die Commerzbank könnte pleitegehen?
Das Papier läuft nur bis Ende September dieses Jahres. Da halten wir das Risiko für vertretbar. Mit einer längeren Laufzeit würde ich mich nicht wohlfühlen.

Die größten Positionen im Fonds sind Staatsanleihen von Deutschland und Frankreich — mit Ren­diten, die nahe der Nulllinie herumkrebsen. Warum kaufen Sie die ­Papiere überhaupt?
Als Fondsmanager müssen wir jederzeit mit zyklischen Mittelabflüssen rechnen. Deshalb brauchen wir kurz laufende Staatsanleihen. Sie sorgen dafür, dass wir stets liquide sind, weil wir sie auch in Panikphasen verkaufen können. Lang laufende Bundesanleihen würde ich dagegen nicht mal mit der Kneifzange anfassen, weil sie so wenig Ertrag ­abwerfen. Unsere Rendite erwirtschaften wir ohnehin anderswo.

Wo denn?
Wir haben gut verzinste Anleihen von Conti-Gummi, HeidelbergCement und Lafarge. Aktuell kaufen wir einen Telefónica-Bond, der in Britischen Pfund notiert. Der bringt immerhin 6,7 Prozent.

Ihr Fonds ist zu 95 Prozent in Euro investiert — eine Währung mit ­ungewisser Zukunft. Warum setzen Sie nicht auf Schweizer Franken oder Norwegische Kronen?
Ich bin jede zweite Woche in der Schweiz. Da kostet ein Tellergericht mal eben 45 Franken, also rund 37  Euro. Gemessen an der Kaufkraft ist der Schweizer Franken maßlos überteuert — eine Fluchtwährung, die enorme Rückschlaggefahren birgt. Fremdwährungen bedeuten immer ein Zusatzrisiko.

Wie stark würde Ihr Fonds unter ­einem Kollaps der Eurozone leiden?
Wenn Griechenland, Spanien oder Italien die Eurozone verlassen, minimal. Unsere Unternehmensanleihen aus diesen Ländern lauten auf verschiedene Währungen. Und ich denke, dass große Konzerne wie ­Telefónica ihre Bonds so oder so planmäßig tilgen.

Und wenn die Eurozone komplett auseinanderbricht?
Dann würde die neue D-Mark um 20 bis 30 Prozent aufwerten, auch gegenüber Währungen wie dem Dollar oder der Norwegen-Krone. In diesem Fall sehen alle Fonds alt aus.

Fonds im Fokus
StarCap Sicav Winbonds+

Vorsichtig, aber nicht langweilig: So lässt sich der Winbonds-Fonds von StarCapital beschreiben. Der Mischfonds investiert überwiegend in Eurorenten. In Staatsanleihen von Deutschland und Frankreich zum Beispiel. Vor allem aber in Unternehmensanleihen, die rund 45 Prozent des Portfolios ausmachen. Mit ihnen peppt Fondsmanager Peter Huber die Rendite auf. Und mit dem Aktienanteil, der aktuell bei 15 Prozent liegt. In den vergangenen fünf Jahren legte der Fonds um 56 Prozent zu. Die Delle von 2011 hat er auch locker wettgemacht. Im laufenden Jahr notiert er schon neun Prozent im Plus. Die jährliche Gebühr liegt bei moderaten 1,37 Prozent. Fazit: Starke Rendite, überschaubares Risiko. Ein guter Mischfonds für konservative Anleger. a

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