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21.07.2011 06:00

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INTERVIEW

Man Group-Chef: Keiner weiß, wie es ausgeht!

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In Hedgefonds fließt wieder viel Geld
Dem Hedgefondsriesen Man Group fließen Milliarden an Kundengeldern zu. Auch wenn seine Anlageergebnisse derzeit wenig Freude machen.

von Andreas Hohenadl, €uro am Sonntag

Entspannt sitzt Peter Clarke in der Hotellobby des Bayeri­schen Hofs. Sakko und Krawatte hat er abgelegt. In München ist es heiß, und den offiziellen Teil seines Besuchs hat der Chef der Man Group hinter sich. Er war bei der Bayerischen Versorgungskammer, die sich unlängst entschloss, 1,2 Milliarden Euro auf der Managed-Account-Plattform der Briten anzulegen. „Das ist eines der größten Mandate für die Man Group“, sagt Clarke stolz.

Über mangelnden Zuspruch der Investoren kann der 51-Jährige nicht klagen. Allein von April bis Juni flossen dem größten Hedgefondsanbieter der Welt netto 3,7 Milliarden Dollar zu. Und das, obwohl die Anlageergebnisse in der Summe negativ waren. Auch beim 24 Milliarden Dollar schweren Flaggschifffonds Man AHL Diversified gab’s ein leichtes Minus von 0,6 Prozent.

€uro am Sonntag: Herr Clarke, warum erzielen Hedgefonds derzeit keine befriedigenden Ergebnisse?
Peter Clarke:
Wir haben ein schwieriges Umfeld bei allen Anlageklassen. Die Richtung der Kurse wird von Makroereignissen bestimmt: Wie entwickelt sich die Eurokrise? Erhöhen die USA ihre Schuldengrenze? Wie geht es mit der Inflation in China weiter? Man kann absolut richtig liegen mit seiner Einschätzung zu Märkten oder Firmen. Aber wenn Anleger je nach wirtschaft­licher Großwetterlage massenhaft in Risiko­positionen strömen oder daraus flüchten, ist das Makulatur.


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Offenbar tun sich auch die Computer schwer, wie die Flaute bei Ihrem rechnergesteuerten Fonds Man AHL beweist.
Selbst in stark schwankenden Märkten gibt es Trends, aber wenn diese zu schnell drehen, kann unser Handelssystem davon nicht profitieren. Vergessen Sie aber nicht: Seit Gründung im Jahr 1996 hat AHL im Schnitt eine jährliche Rendite von gut 15 Prozent erzielt.

Strömt deshalb so viel Anlagekapital in Ihre Fonds?
Ein Grund für das gute Abschneiden vieler Hedgefonds in der Finanzkrise und unsere derzeit starken Mittelzuflüsse ist das gute Risiko­management der Fonds. Anleger ­realisieren, dass die Welt wieder unberechenbarer wird, und so geben sie ihr Geld gern Managern, die gut mit Risiko umgehen können.

Gehört dazu auch, dass Man derzeit Wetten auf den Euro vermeidet? Das hat zumindest eine Nachrichtenagentur gemeldet.
Dazu muss ich Folgendes erklären: Unser Geschäft besteht zum einen aus einem systematischen Trendfolgesystem, AHL. Das nimmt Positionen in Euro ein, egal ob die Währung nach oben oder unten tendiert. Daneben gibt es noch den diskretionären Handel bei uns. Dort sitzen Leute am Schreibtisch und entscheiden, ob sie eine Position in Euro einnehmen oder nicht. Doch dafür fehlt ihnen im Moment jede vernünftige Entscheidungsgrundlage. Denn der Eurokurs wird nicht von Fundamentaldaten bestimmt, sondern nur von der Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise. Keiner weiß, wie es ausgeht – nicht mal die Politiker, die darüber entscheiden. Deshalb sparen wir uns derzeit die Diskussionen, wohin der Euro steuert.

2010 haben Sie den US-Rivalen GLG Partners für 1,6 Milliarden Dollar übernommen. Was waren die Gründe?
2008 und 2009 waren Investoren auf der Suche nach Liquidität, Diversifikation und nach regulierten Finanzprodukten. Wir wollten in unsere Organisation eine Gruppe von diskretionären, liquiden Handelsstrategien einbringen. Das haben wir bei GLG Partners entdeckt. Sie waren bereits reguliert, und ihr Produktportfolio passte gut zu unserem. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass sich die Transaktion bezahlt macht.

Planen Sie weitere Akquisitionen?
Nein. Zwar haben wir etwa eine Milliarde Dollar an Cash, wir wollen investieren und unser Geschäft ausweiten. Doch wir planen keine großen Zukäufe, wir möchten organisch wachsen.

Bereitet Ihnen die Regulierung Kopfschmerzen?
Das ist nicht wirklich ein Thema für Man. Wir werden als börsengelistetes Unternehmen schon jetzt wie eine Bank reguliert. Für die Hedgefondsindustrie als Ganzes sieht es aber anders aus. Denn jetzt gelten auch für sie die Regeln, an die wir uns schon lang halten müssen.

Wie sieht Ihr Ausblick aufs zweite Halbjahr aus?
Es wird schwierig bleiben. Denn noch sind die eingangs beschriebenen Probleme ungelöst. Solange Makroereignisse die Märkte stärker bestimmen als Fundamentaldaten, ist es für Investmentmanager eine Herausforderung, eine berechen­bare Performance abzuliefern.

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Kommentare zu diesem Artikel

feri schrieb:
21.07.2011 09:18:20

1,2 Milliarden... in einen Hedgefond mit vollem Risiko...
sauber gemacht, ist ja egal was passiert, denn wenns Verluste gibt springt eh wieder der Steuerzahler ein, wah?

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