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aktualisiert: 21.12.2011 15:40

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INTERVIEW

Medizin-Investor: Weiße Weihnacht hilft uns

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Cyrill Zimmermann, Adamant
In der stillen Zeit lauert die Gefahr fast überall. Ein Gespräch mit Medizininvestor Cyrill Zimmermann über Christstollen, Körperfülle und Knochenbrüche.

von Andreas Höss, €uro am Sonntag

Knochenbrüche gehören zu seinem Geschäft: Cyrill Zimmermann ist leidenschaftlicher Skifahrer und Gründungsmitglied des Medizin­investors Adamant. Seit 2001 macht das Unternehmen zusammen mit der Regensburger Fondsboutique Lacuna Nischenmärkte via Fonds für Privatanleger zugänglich: Medizintechnik (ISIN: LU 038 520 725 2), den Gesundheitsmarkt im asiatisch-pazifischen Raum (LU 024 705 013 0) oder Biotech (LU 009 599 479 3).

€uro am Sonntag: Herr Zimmermann, waren Sie diesen Winter schon beim Skifahren? Cyrill Zimmermann: Leider nicht, der Schnee ist in den Alpen extrem spät gekommen. Ich werde das aber in den nächsten Tagen nachholen.

Da werden Sie nicht allein auf der Piste sein.
Bei weißen Weihnachten haben Traumagesellschaften Hochkonjunktur, heißt es. Die Pisten sind voll, einige haben vielleicht einen Glühwein zu viel getrunken und deshalb motorische Einschränkungen. Da passiert öfter etwas. Das sind aber subjektive Eindrücke. Fakt ist dagegen: Von 1.000 Skifahrern haben im Schnitt vier bis sieben einen Unfall. Bei Skifahrern und Snowboardern ist das Risiko übrigens etwa gleich groß.

Für Investoren ein gutes Geschäft?
Natürlich, wir investieren auch in Hersteller von künstlichen Gelenken oder Zahnprothesen. Und die haben im letzten Quartal des Jahres das beste Geschäft. Das liegt auch daran, dass man planbare Eingriffe nicht so gern während des Sommerurlaubs macht, sondern den Körper entweder davor wieder auf Vordermann bringt oder bis zum Ende des Jahres wartet. Anders bei Zahnkronen. Die werden in der Woche nach Weihnachten besonders häufig getauscht.

Weil man sich am Christstollen die Zähne ausgebissen hat?
Vielleicht. Weihnachten ist aber nur der Höhepunkt des großen Schlemmens, das bei uns das ganze Jahr über stattfindet. Wir essen zu viel und zu ungesund. Die Folgen sind zum Beispiel Karies und Diabetes.

Wer ist die dickste Nation der Welt?
Laut einer Studie der OECD gelten rund ein Drittel der Amerikaner als fettleibig, haben also einen Body-Mass-Index von über 30. Aber auch die Europäer, die Chinesen und sogar die Japaner amerikanisieren sich in dieser Hinsicht langsam.


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Tatsächlich, die Japaner? Trotz Sushi und Sashimi?
Fast-Food-Ketten und Softdrinks gibt es nicht nur in den USA. Das Essen globalisiert sich, besonders die Kinder und Jugendlichen gehen zu McDonald’s oder Burger King. In China wird Diabetes zur Volkskrankheit. Der Insulinhersteller Novo Nordisk schätzt, dass rund 60 Millionen Chinesen Diabetes haben. Manche Studien sprechen sogar von 100 Millionen. Solche Zivilisationskrankheiten breiten sich vor allem in den chinesischen Großstädten aus, weil sich da der Lebensstil schneller an den Westen angleicht als auf dem Land.

Heißt westlicher Lebensstil auch, dass das Gesundheitssystem dort wächst?
Ja, China ist ein riesiger Markt. Das wissen auch Novo Nordisk oder der Dialysepezialist Fresenius Medical Care. 2011 werden Pharmakonzerne dort um die 50 Milliarden US-Dollar umsetzen. Das ist weltweit nach Japan und den USA der dritte Rang. Die Mittelschicht wächst in Asien, mehr Menschen bekommen Zugang zu Gesundheitsleistungen. Ein Grund, weshalb die Lebenserwartung weltweit jedes Jahr um drei Monate steigt. Ein weiterer ist, dass die medizinischen Produkte immer besser werden und ein längeres Leben ermöglichen.

Das treibt die Kosten im Gesundheitssystem. Wie gehen alternde ­Gesellschaften und staatlicher Spar-zwang zusammen?
Im Moment setzt die Gesundheits­industrie weltweit rund 5,2 Billionen US-Dollar im Jahr um. Die Kosten für Gesundheit wachsen schneller als die Wirtschaftsleistung. Die alternde Gesellschaft ist für Investoren eine große Chance, denken Sie zum Beispiel an Hörgeräte, Zahn- und Hüftprothesen oder auch Medikamente. Allerdings wandern fast 80 Prozent der Kosten im Gesundheitssystem in Dienstleistungen und nur 20 Prozent in Produkte und Medikamente. Unternehmen, die hier Kosten drücken, haben also gute Aussichten.

Zum Beispiel?
Generikahersteller, IT-Konzerne oder die minimalinvasive Medizin. Der Kardiospezialist Edwards Lifesciences hat zum Beispiel eine Herzklappe aus einem Rinderherz entwickelt. Man kann sie durch einen Katheter einführen, muss also nicht mehr am offenen Herzen operieren. Deshalb kann der Patient das Krankenhaus früher verlassen. Oder IT-Systeme, die Patientendaten erfassen und verhindern, dass ein Patient bei einem Bruch zweimal geröntgt wird, weil er den Arzt wechselt.

Gesundheitsaktien waren 2011 stark. Bei Ihnen lief es dagegen nicht so gut. Warum?
2011 war nicht unser bestes Jahr, denn unsere Stärke sind Spezialthemen. Anleger haben wegen der Unsicherheit an den Börsen besonders auf klassische defensive Investments wie Pharmariesen gesetzt. Die sind breit aufgestellt, liquide und bieten hohe Dividenden. Wir setzen dagegen auf kleinere Unternehmen, zum Teil aus Asien. Von denen sind wir nach wie vor überzeugt, denn sie sind innovativer und haben mehr Wachstumspotenzial. Kommt die Risikofreude an den Börsen zurück, werden diese Aktien steigen, und wir sind zurück auf der Überholspur.

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