von Tim Schäfer, €uro am Sonntag
Richard Werman managt den Neuberger Berman Opportunistic Fund. Seit 2002 arbeitet er für den New Yorker Finanzdienstleister, der rund 200 Milliarden Dollar verwaltet. Zuvor hatte er sich seine Sporen bei den Investmenthäusern Salomon Smith Barney und Paine Webber verdient.
€uro am Sonntag: Herr Werman, welche Anlagephilosophie verfolgen Sie beim Opportunistic Fund?
Richard Werman: Wir verfolgen keinen typischen Anlagestil. Uns interessiert nicht wirklich die Marktkapitalisierung, und wir kümmern uns nicht unbedingt um die Sektorallokation. Wir mögen US-Firmen, die sich Gedanken darüber machen, wo sie in drei oder fünf Jahren stehen. Wir wollen Langfristinvestoren sein und managen sehr konzentrierte Portfolios mit 20 oder 30 Werten.
Warum sind nur rund 15 Millionen Dollar im Fonds?
Nun, die Leute mögen durchaus, was wir machen. Aber es bestehen Restriktionen. Unsere institutionellen Kunden dürfen nicht mehr als fünf oder zehn Prozent am Fonds halten. Wir müssen erst größer werden. Dann können sie uns auch mehr Geld geben.
Haben Sie in den vergangenen Monaten bedeutende Umschichtungen vorgenommen?
Ende April und Anfang Mai begannen wir damit, Risiken herauszunehmen. Wir haben zyklische Positionen gestutzt oder komplett verkauft. Wir verkauften Werte wie Morgan Stanley, Teck Resources, Schlumberger oder John Deere.

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Was haben Sie mit den Verkaufserlösen gemacht?
Der Löwenanteil des Geldes liegt noch in der Kasse.
Wie sehen Sie nach den jüngsten Kursturbulenzen die ökonomische Lage in den USA?
Wir haben nie an drei oder vier Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt geglaubt. Heute gehen wir von zwei Prozent und weniger aus. Es können 1,75, 1,5 oder 1,25 Prozent werden. Eine erneute Rezession sehen wir nicht, aber gleichzeitig wegen der hohen Arbeitslosigkeit auch kein starkes Wachstum.
Wie finden Sie Ihre Favoriten, beispielsweise Ihr Schwergewicht American Tower?
American Tower entdeckten wir vor etwa fünf Jahren, als sie mit ihrem Hauptkonkurrenten fusionierten, um die größte Mobilfunkturm-Gruppe in den USA zu werden. Wir glaubten an die Story und an die der zunehmenden Handynutzung. Bei einem Mobilfunkturm-Anbieter ist es so, dass jedes Unternehmen deren Türme nutzen muss. Die Handyprovider konkurrieren über den Service untereinander, ein Anruf oder eine Internetverbindung darf nicht unterbrochen werden. Über American Tower haben wir nun langfristige Verträge mit all den Telcos, die sehr gute Bonitätsratings haben.
Was ist Ihr Rezept für solch hektische Börsenphasen?
Wir versuchen, nicht viel zu tun. Es gibt Fonds, die drehen das Portfolio fünfmal im Jahr um. Das wollen wir möglichst vermeiden. Wenn der Markt stark fällt, kaufen wir tendenziell Positionen zu.
Investor-Info
Fonds im Fokus
Neuberger Berman Opportunistic
Der Fonds investiert schwerpunktmäßig in mittelgroße US-Firmen. Im Frühjahr entschied sich das dreiköpfige Managementteam, als Vorsichtsmaßnahme einen recht hohen Barbestand aufzubauen. Das jüngste Börsenbeben gab ihnen recht. Nun werden die niedrigen Kurse für Nachkäufe genutzt. Auf Jahressicht steht der Fonds (hier in der Eurovariante) rund acht Prozent im Plus, während der S & P-500-Index auf Eurobasis alle Gewinne wieder abgab. Übergewichtet im Portfolio sind Versorger, Industrieunternehmen und Telekomdienstleister. Unter den Favoriten befanden sich zuletzt der Spediteur J. B. Hunt Transport, der New Yorker Finanzdienstleister BlackRock und die texanische Energiefirma El Paso, bei der gerade der Aktivist Carl Icahn eingestiegen ist. Er könnte den Kurs auf Trab bringen.
Fazit: Konzentriertes US-Portfolio für risikobereitere Anleger. (tis)
Bildquellen: Motorola