Mischfonds: Die besten Alleskönner für Ihr Depot
Doppelt plagt euch, mengt und mischt! Kessel brodelt, Feuer zischt.“ Mit diesen Worten begleiten in William Shakespeares bekanntem Drama „Macbeth“ drei Hexen die Herstellung eines Zaubertranks.
Zaubern können die Manager von Mischfonds zwar nicht, doch Zusammenmengen und Mischen ist auch ihr Metier. Die Lenker der flexiblen Vehikel stellen Portfolios zusammen, die typischerweise aus Aktien und Anleihen bestehen. Die Fondsmanager müssen nicht nur die besten Titel aus beiden Anlageklassen auswählen, sondern auch über die Zusammensetzung des Portfolios, also das Mischungsverhältnis der Anlageklassen, entscheiden. „Doppelt plagt euch“ gilt daher gewissermaßen auch für sie.
In Mischfonds fließt seit einiger Zeit besonders viel Geld. 2010 waren es fast 14 Milliarden Euro – keine andere Gattung war erfolgreicher. Auch im ersten Quartal 2011 setzte sich dieser Trend fort: Mischfonds verbuchten Nettomittelzuflüsse von knapp einer Milliarde Euro. Damit führen sie die Absatzstatistik an.
In absoluten Zahlen reichen die Mischvehikel zwar noch nicht an das Vermögen von Aktien- und Rentenfonds heran. 120 Milliarden Euro sind in den vom Verband der Fondsbranche BVI erfassten Produkten gebunden. Doch sie nähern sich mit großen Schritten: In den vergangenen drei Jahren verdoppelte sich das investierte Kapital.
Mischfonds haben sich damit zur ernst zu nehmenden Konkurrenz für reine Aktien- und Rentenfonds entwickelt. Schon jetzt ist mit dem Carmignac Patrimoine ein Mischfonds der größte unter allen in Deutschland vertriebenen Fonds, die ganz oder teilweise in Aktien investieren. 22 Milliarden Euro lagern in dem Produkt der Pariser Vermögensverwaltung Carmignac Gestion.
Die Beliebtheit dieser speziellen Gattung ist nachvollziehbar. In unsicheren Zeiten suchen Anleger Zuflucht in Produkten, die fast Zauberhaftes versprechen: Bei steigenden Börsenkursen wollen Mischfonds überwiegend in Aktien investieren, in einer Baisse hingegen größtenteils Anleihen halten. Drohen an beiden Fronten Verluste, so können sie sich gänzlich vom Schlachtfeld zurückziehen und ihr Vermögen in Bargeld, also am Geldmarkt, anlegen.
Diese Flexibilität war in den vergangenen eineinhalb Jahren gefragt wie nie. Der Sorge um die weltweite Konjunktur stehen hervorragende Unternehmenszahlen gegenüber, der Angst vor Inflation massive Wachstumspotenziale der Schwellenländer, der Schuldenkrise einiger Länder phänomenale Exportzahlen anderer Staaten. Kurzum: Die Lage ist unübersichtlich.
Sich in diesem Umfeld zu positionieren, fällt vielen Anlegern schwer. Daher übertragen sie die Entscheidung lieber einem Profi: Denn der sollte wissen, in welcher Anlageklasse sich das Geld vermehrt und in welcher nicht. Umschichtungen im Portfolio sollen bei Bedarf vor starken Verlusten schützen, so das Idealbild der Anleger.
Leider ist es bei Mischfonds nicht anders als in anderen Anlagekategorien: Es gibt Könner und es gibt Versager. Und es gibt eine graue Masse von Produkten, deren Wertentwicklung irgendwo zwischen akzeptabel und mäßig liegt.
Gute Vehikel auszumachen, ist nicht leicht. Denn die Gruppe der Mischfonds ist äußerst heterogen: Unzählige Strategien und Konzepte konkurrieren um die Gunst der Anleger. Um die große Menge an gemischten Produkten zu strukturieren, unterteilt €uro am Sonntag sie ihrem Risikogehalt entsprechend in drei Kategorien.
In der ersten Kategorie finden sich offensive Fonds, die eine hohe Aktienquote von mindestens 70 Prozent aufweisen. Kategorie 2 enthält Produkte, die entweder eine ausgewogene Verteilung von Aktien und Anleihen anstreben oder die Quoten sehr flexibel festlegen. Defensive Fonds der Gruppe 3 haben dagegen nur einen Aktienanteil von maximal 30 Prozent.
In jeder der drei Kategorien finden sich hervorragende Produkte. €uro am Sonntag nennt die jeweils zehn besten Fonds auf Sicht von fünf Jahren. Aus diesen Top-Fonds wurden noch einmal drei bis vier herausgefiltert, die besonders überzeugend wirtschaften.
Offensive Mischfonds Für chancenorientierte Anleger
Wie flexibel die Zusammensetzung bei einem Mischfonds sein kann, zeigt der mit €uro-FondsNote 1 bewertete Pioneer Investments Substanzwerte. Über einen Zeitraum von fünf Jahren ist er das beste offensive Produkt für Privatanleger. Ursprünglich 1998 als Altersvorsorgefonds unter dem Namen Nordinvest AS gestartet, blieb der Fonds auch unter neuem Namen seiner Anlagepolitik treu und erzielte damit überdurchschnittliche Renditen. Manager Markus Steinbeis konzentriert sich bei seinen Investments im Kern auf Substanzwerte. Dabei spielt er vor allem die Themen Rohstoffe, Edelmetalle und Immobilien. Vereinfacht gesagt legt der Fonds in alles an, was greifbar ist. Schon länger befinden sich im Portfolio keine Nominalwerte, sprich Anleihen, mehr, da sie sich nach Steinbeis‘ Meinung vor dem Hintergrund steigender Inflationsraten nicht mehr zum Vermögensaufbau eignen. Ausgehend von einem Inflationsszenario setzt der Fonds auch bei den Unternehmen auf solche mit Preissetzungsmacht oder aus dem Bereich Sachwerte, etwa Immobilien-, Infrastruktur- oder Rohstofffirmen.
Weit oben in der Rangliste befindet sich der Carmignac Investissement Latitude (€uro-FondsNote 1), sozusagen der offensive Bruder des berühmten Carmignac Patrimoine. Auch sein Fünfjahreszuwachs ist jenseits der 30 Prozent, doch derzeit leistet sich der Fonds eine ausgedehnte Schwächephase. Die liegt darin begründet, dass Edouard Carmignac aktuell stark auf Schwellenländeraktien setzt. Dabei lässt er sich auch von der schwachen Wertentwicklung dieser Märkte 2011 nicht beeindrucken. Ob der Altmeister am Ende Recht behalten wird oder sein Gespür verloren hat? Bis sich das klarer abzeichnet, sollten Anleger mit einem Einstieg warten.
Wer einen offensiven Mischfonds will und trotzdem eine relativ stetige und schwankungsarme Wertentwicklung, sollte sich den UniRak von Union Investment ansehen. Der Fonds legt im Aktienbereich bevorzugt in große deutsche Unternehmen an, bei den Anleihen in Europapiere. Der UniRak wurde bereits 1979 aufgelegt. Seitdem betrug sein durchschnittlicher Wertzuwachs pro Jahr 7,6 Prozent.
Offensive Mischfonds Für chancenorientierte Anleger (pdf)
Ausgewogene Mischfonds Bekannte Namen
In der Kategorie „ausgewogen“ tummeln sich nicht nur die meisten Mischfonds (305), sondern auch die zwei bekanntesten. Dank seiner außergewöhnlichen Ergebnisse ist aus dem mit FondsNote 1 bewerteten Carmignac Patrimoine in den vergangenen Jahren ein Fondsriese geworden. 22 Milliarden Euro stecken mittlerweile in dem Produkt. Wer sich erst kürzlich Anteile gekauft hat, dürfte sich indes weniger freuen. Auf Jahressicht verbucht der Fonds ein kleines Minus, 2011 hat er sogar rund fünf Prozent verloren. Grund ist die hohe Gewichtung der Schwellenländer im Portfolio, deren Börsen 2011 den Märkten der Industrieländer hinterherhinken.
Der zweite große Name ist der Ethna Aktiv E (€uro-FondsNote 1), der von dem Deutsch-Italiener Luca Pesarini gemanagt wird. Für ihn steht die Erhaltung des Kapitals im Vordergrund.
Der Mischfonds investiert daher eher konservativ und überzeugt mit einer niedrigen Volatilität. Auf Sicht von fünf Jahren hat sich jedoch ein anderer Fonds ganz vorn platziert: der Walser Portfolio German Select der österreichischen Walser Privatbank. Der Fonds legt nach einem dynamischen Allokationsmodell an. Zu Jahresanfang investiert Fondsmanager Gökhan Kula zu je 50 Prozent in Aktien und Anleihen. Das Anlageuniversum besteht lediglich aus DAX-Werten und Bundesanleihen, die dem REXP-Index entsprechen. Im Jahresverlauf wird dann sukzessive in diejenige Anlageklasse umgeschichtet, die besser läuft. So bekommt der Anleger am Ende eines Jahres die Rendite der besseren Anlageklasse – abzüglich der Strategiekosten. Aufgrund der guten Börsenentwicklung 2011 beträgt die Aktienquote im Fonds derzeit 66 Prozent.
Sehr breit gestreut legt hingegen Fondsmanager Dennis Stattman beim BGF Global Allocation an, der in der währungsgesicherten Eurotranche rund 20 Prozent Plus über fünf Jahre erzielte. In der Regel investiert er in mehr als 700 Titel – von Staatsanleihen bis hin zu Aktien kleiner Wachstumsfirmen. Die Wertschwankungen lagen dabei über dem Durchschnitt der ausgewogenen Mischfonds.
Ausgewogene Mischfonds Bekannte Namen (pdf)
Weitere Links:




