20.01.2013 03:00
Bewerten
 (1)

Steuerfallen für Fonds-Anleger

Investmentfonds
In deutschen Depots lagern immer mehr Fonds mit Sitz im Ausland. Wann Anleger selbst beim Fiskus aktiv werden müssen.
€uro am Sonntag

von Stefan Rullkötter, Euro am Sonntag

Ein Großherzogtum erfreut sich in der Finanzbranche weiterhin großer Beliebtheit.­ Am Finanzplatz Luxemburg können sich Fondsgesellschaften auch dieses Jahr sicher sein, dass die örtliche Finanzaufsicht ihre Produkte wohlwollend behandelt. Ein Drittel des weltweiten Fondsvermögens, rund zwei Billionen Euro, wird derzeit im Zwergstaat zwischen Eifel und Belgien verwaltet.

Ein wichtiger Standortvorteil, der den Fondsgesellschaften viel bürokratischen Aufwand erspart: In Luxemburg aufgelegte Investmentfonds sind automatisch EU-weit zum Vertrieb zugelassen — und darüber hi­naus auch an wichtigen Finanzplätzen wie Singapur und Hongkong.

Das Fremdgehen der Fondsgesellschaften — mehr als 50 Prozent der rund 10 000 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds tragen in der ISIN das LU-Kürzel — hat oft unerwartete steuerliche Folgen für die Kunden: „Genau aufpassen müssen Anleger bei Fondsgesellschaften mit Sitz im Ausland, die Zinsen und Dividenden nicht ausschütten, sondern im Fondsvermögen ­wieder anlegen“, warnt Birgit Hosemann, Steuerexpertin für Kapital­anlagen in München.

Denn weder die Depotbank noch die Fondsgesellschaft selbst ziehen die für die wiederangelegten Erträge bei diesen Produkten fällige Abgeltungsteuer ein — Anleger stehen selbst gegenüber dem Fiskus in der Pflicht. „Deshalb sollten betroffene Anleger ihre wiederangelegten Auslandsfondserträge grundsätzlich selbst beim Finanzamt deklarieren“, rät Steuerberaterin Hosemann. Dafür müssen sie für jedes Jahr, in dem sie den Auslandsfonds gehalten haben, den Thesaurierungsbetrag — die Fondsgesellschaften veröffentlichen diese Summen pro Anteil im Internet (www.bundesanzeiger.de) — versteuern (Formular Anlage KAP, Zeile 17).

Auch beim Verkauf von Auslandsfondsanteilen kann es vorkommen, dass Banken zu viel Abgeltungsteuer abführen. Der Grund: Für deren Berechnung muss vorschriftsgemäß der gesamte Wertzuwachs zugrunde gelegt werden. Wird der Fiskus über­bedient, können sich Fondsanleger zu viel gezahlte Abgaben via Steuererklärung erstatten lassen. Dafür müssen sie nachweisen, dass laufende Erträge bereits deklariert sind.

„Die Arbeit sparen können sich auch jene Anleger nicht, die Auslandsfonds schon vor 2009 im Depot hatten und nach Ablauf der Spekulationsfrist Bestandsschutz bei Verkauf genießen“, erklärt Hosemann. Denn die laufenden Erträge wie Zinsen und Dividenden sind stets steuerpflichtig. Nebenstehend eine Übersicht zu vier typischen Steuerfällen bei Fonds.
Steuerfallen und Auswege für Fondsanleger (pdf)

Bildquellen: Lisa S. / Shutterstock.com, Gunnar Pippel / Shutterstock.com

Fondsfinder

Suchen

Heute im Fokus

DAX geht fester ins Wochenende -- US-Börsen leicht im Plus -- BMW will das autonome Auto 2021 serienreif auf die Straße bringen -- Apple im Fokus

Lufthansa findet neuen Finanzvorstand. Daimler macht bei US-Verkäufen Boden gut. US-Industriestimmung hellt sich überraschend auf. Facebook darf Pseudonyme verbieten - Schlappe für Datenschützer. Silber so teuer wie zuletzt im September 2014. Finanzamt durchsucht Google-Büros in Madrid.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.
Welcher Spieler ist am meisten wert?
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
So hoch sind die Bundesländer verschuldet

Umfrage

Nach dem Brexit-Votum der Briten werden in Europa Stimmen laut, die auch in anderen EU-Ländern Referenden über die Zugehörigkeit zur EU fordern. Sehen Sie unsere Zukunft in der EU?