Japanische Wette auf die Weltwirtschaft
Aversion gegenüber "Aggressoren" aus Übersee
Japan kann es einem Europäer oder Amerikaner richtig schwer machen. Investmentbanker in London und New York klagen über Nippons Regulierungswut, hohe Steuern und eine tief verankerte Aversion gegenüber Fusionen und Firmenübernahmen – vor allem wenn die "Aggressoren" aus Übersee kommen.
Europas Autobauer wiederum schütteln nur noch den Kopf darüber, dass sie mit ihren Fahrzeugen immer noch Außenseiter auf Japans Straßen sind und wohl auch bleiben. Und jetzt das noch: Außenminister Masahiko Komura will für Ausländer, die in Japan wohnen und arbeiten – die Expatriates, oder kurz Expats –, Sprachtests einführen. Nur wer besteht, darf bleiben. Die Expat-Gemeinde in Tokio ist entsetzt.
Und sie verkauft beleidigt Japan-Aktien. Zumindest scheint es so. Denn während noch 2007 trotz fallender Kurse Ausländer netto mehr kauften als verkauften, war es im Januar dieses Jahres genau umgekehrt.
Japanische Aktien fallen – und werden attraktiver
Weg mit Nippon-Aktien, das ist wohl das Motto. Und weil schon seit jeher fast 60 Prozent (!) des Handels an der Tokioter Börse über die Konten von Großinvestoren aus Übersee gehen, ist der überdurchschnittlich starke Kursrutsch in den vergangenen Wochen schnell erklärt. Mit über zehn Prozent minus ist Tokios Börse, genannt Kabutocho, mit Abstand der schlechteste aller großen Aktienhandelsplätze in diesem Jahr.
Allerdings: Deutlich abwärts geht es schon seit Sommer vergangenen Jahres, als die ersten warnenden Stimmen eine weltweite Kreditkrise, resultierend aus den US-Subprime-Problemen, befürchteten.
Der Nikkei-225, Japans wichtigstes Börsenbarometer, verlor seither dreimal so viel wie der US-Index S&P 500. Effekt: Inzwischen stehen die Kurse in Tokio so niedrig, dass Aktien im Schnitt mehr Dividende abwerfen, als zehnjährige festverzinsliche japanische Staatspapiere Rendite bringen.
Japanische Banken müssen nur vier Milliarden Dollar abschreiben
Dabei hat die Misere um die US-Hypotheken Japan kaum tangiert. Während US- und europäische Finanzinstitute zu Wertberichtigungen von zusammen mehr als 130 Milliarden Dollar gezwungen waren – bei einem möglichen Gesamtschaden von 500 Milliarden Dollar, werden die japanischen Banken zum Geschäftsjahresende lediglich vier Milliarden Dollar abschreiben müssen.
Warum gehen Japans Kurse dann trotzdem so stark in den Keller? "Japan ist eine Wette auf die Entwicklung der Weltwirtschaft", erklärt Edward Chancellor vom amerikanischen Vermögensverwalter GMO.
"Die Börse wird vor allem von den Exportwerten bewegt. Kommt jetzt eine Rezession in den USA oder eine weltweite Verlangsamung beim Wirtschaftswachstum, drückt das auf Umsätze und Gewinne. Gleichzeitig wird der Yen stärker. Auch das drückt auf den Gewinn."
Von Deflation keine Spur mehr
Und von der Währungsseite kommt ein weiteres Problem auf Japan zu: Werden Carrytrades aufgelöst, mit denen sich bisher Investoren billig in Yen verschuldeten, um das Geld zu besseren Konditionen etwa in Europa und Australien anzulegen, wird die japanische Währung auch gegenüber dem Euro und dem Australdollar zulegen – ebenfalls wichtigen Exportmärkten.
Kehrseite der Medaille: Legt der Yen zu, machen ausländische Anleger Währungsgewinne mit japanischen Papieren. Allerdings nützt das nichts, wenn per saldo die Aktienverluste stärker ausfallen. So weit die schlechten Nachrichten.
Die guten: Das vergangene Vierteljahr war gesamtwirtschaftlich gesehen deutlich besser als das vorherige. Es entstanden 640 000 neue Arbeitsplätze, und die Arbeitslosenquote ist mit 3,9 Prozent so niedrig wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.
Das führt dazu, dass die Japaner wieder mehr Geld ausgeben: Der Einzelhandelsumsatz stieg gegenüber dem Vorquartal um 2,3 Prozent und die realen Konsumausgaben sogar um 3,2 Prozent. Abgerundet wird das Bild durch eine Kerninflation von 0,8 Prozent im Dezember –von Deflationstendenzen keine Spur mehr.
Toyota & Co leiden unter dem stärkeren Yen
Und auch den stärkeren Yen sehen nicht alle Experten als Belastung: "Das Plus bei der Währung und die steigenden Habenzinsen erhöhten die Binnenkaufkraft. Sie sind die Voraussetzung für einen Ausgleich sinkender Exporte, sollten die USA in eine Rezession schlittern", meint Helmut Becker, Japan-Experte und Wirtschaftsprofessor an der Tokioter Sophia-Universität.
Die Börse hat auf die guten Nachrichten aber kaum reagiert. Was auch daran liegen mag, dass die Unternehmen mit ihren Gewinnprognosen sehr vorsichtig sind. Der Autobauer Toyota beispielsweise warnt trotz eines Rekordquartals vor künftig schwindendem Gewinnwachstum.
Als Gründe nennt Toyota die zunehmende Abkühlung des US-Automarkts, auf dem Toyota inzwischen der zweitgrößte Anbieter ist, sowie den weiter gestiegenen Wechselkurs des Yen. Das gefällt den Anlegern nicht. Toyota verlor nach Bekanntgabe der Zahlen deutlich.
Die niedrigsten Bewertungen seit 33 Jahren
Kathy Matsui, Japan-Expertin von Goldman Sachs, sieht aber durchaus Chancen für ein Ende der Tokioter Kursmalaise. "Die Kurse reflektieren die Angst vor einer tief greifenden Rezession. Die Ausländer haben so viel verkauft, wie lange nicht, und die Kurse sind teilweise unter Buchwert."
Dass die Ausländer bald an den Kabutocho zurückkehren könnten, zeigen Gerüchte über den Einstieg großer Staatsfonds. So werden die chinesische CIC (China Investment Corporate Ltd.) wohl mindestens drei Milliarden Dollar und der russische Staatsfonds ebenfalls drei Milliarden in japanische Aktien investieren. Katar hat es mit einem Investment in Sony bereits vorgemacht. Und Singapur erwirbt japanische Immobilien.
Gelockt werden sie von niedrigen Bewertungen – laut Kathy Matsui die niedrigsten seit 33 (!) Jahren – und guten Dividendenrenditen: fast ein Novum bei Nippon-Aktien. Bei Toyota sind es 2,5 Prozent, bei Honda 2,6 Prozent, beim Reeder NYK drei Prozent und bei Nissan 3,8 Prozent.
Helmut Becker sieht Nikkei bei 15 000 Punkten
Neu auch (oder zumindest seit den 80er-Jahren nicht mehr gesehen) der Expansionswille japanischer Unternehmen. Vor fünf Jahren noch griff Merrill Lynch der damals schlingernden Megabank Mizuho unter die Arme. Jetzt ist es Mizuho, die der US-Investmentbank eine Kapitalspritze von 1,2 Milliarden Dollar zugesagt hat – gegen einen entsprechenden Anteil am Aktienkapital der Amerikaner.
Reicht das schon für einen Stimmungsumschwung? Experte Becker meint Ja und sieht den Nikkei bereits bei 15 000 Punkten. Ob er schon von den Sprachtests weiß?
Faktor Ausland: Verkaufen statt Kaufen
Goldman Sachs spricht in der neuesten Japan-Studie von der "Kapitulation ausländischer Anleger". Die Stimmung Japan gegenüber sei tendenziell zwar immer negativ gewesen, trotzdem wurde seit dem Tiefstand der Börse 2003 netto mehr ge- als verkauft. Jetzt die "Kapitulation": Seit November wird kräftig verkauft. Das ist insofern dramatisch, weil die ausländischen Investoren 60 Prozent des Börsenumsatzes in Tokio ausmachen. Japan-Kenner Helmut Becker geht jedoch davon aus, dass die negative Stimmung damit ihren Zenit erreicht hat.
Faktor Buchwert: Beinahe Rekordniveau
Von den an der Börse Tokio gelisteten Unternehmen notieren über 60 Prozent unter Buchwert. Nur 2002 waren es mehr, dem letzten Jahr des großen Börsenabschwungs, der 1990 seinen Lauf nahm. Im guten Börsenjahr 2005 war dieser Wert auf 24 Prozent abgesackt. Eine andere Bewertungsziffer ist ebenfalls an einem Extrempunkt: Die Dividendenrendite liegt im Schnitt bei 1,7 Prozent und damit höher als der Anleihezins.
Faktor Yen: Wird zunehmend stärker
Seit der Yen zulegt geht es an der Tokioter Börse nach unten. Der starke Yen belastet Umsatz und Gewinn der Exporteure. Ein weiteres Problem: Werden Carrytrades aufgelöst, mit denen sich bisher Investoren billig in Yen verschuldeten, um das Geld zu besseren Konditionen etwa in Europa und Australien anzulegen, wird die japanische Währung auch gegenüber dem Euro und dem Australdollar zulegen – ebenfalls wichtige Exportmärkte. Kehrseite der Medaille: Legt der Yen zu, machen ausländische Anleger Währungsgewinne mit japanischen Papieren.
Vitruvius Japanese Equity: Bester Fonds im schlechten Markt
In den vergangenen Jahren war der Vitruvius Japanese Equity Fund von Belgrave Capital Management immer unter den besten fünf Japan-Fonds zu finden. Der Erfolg liegt am Managementstil: Für den Fonds sind gleich drei Berater tätig, die unabhängig voneinander arbeiten. Chefmanager Fukuo Shigeta kommt von der volkswirtschaftlichen Seite, der zweite Mann, Hugh Sloane, sieht auch zuerst das große Ganze und der Dritte im Bunde, Warwick Johnson, analysiert Unternehmen.
Weitere gute Fonds: Von Callander bis UBS
Der Vitruvius-Fonds investiert sowohl in Bluechips als auch in Nebenwerte. Die anderen – wie etwa der Callander – nur in kleinere Werte. Die sind in den vergangenen zwei Jahren besonders schlecht gelaufen. 60 Prozent aller Nebenwerte an Japans Börse notieren schon unter Buchwert! Viel tiefer geht es da nicht mehr.
Aktienfonds Japan Standardwerte
Performance 3 Jahre (in %)
1. Callander Japan NewGrowth C2 €: 40.4
2. Vitruvius Japanese Equity EUR: 31.4
3. Metzler Japanese Equity: 20.6
4. UBS-ETF DJ Japan Titans 100: 12.1
5. DB Platinum IV CROCI Japan R1C: 11.2
€uro-FondsNote
1. UBS-ETF DJ Japan Titans 100: 2
2. Vitruvius Japanese Equity EUR: 2
3. Callander Japan NewGrowth C2 €: -
4. DB Platinum IV CROCI Japan R1C: -
5. Metzler Japanese Equity: -
WKN
1. Callander Japan NewGrowth C2 €: A0B50J
2. DB Platinum IV CROCI Japan R1C: A0B536
3. Metzler Japanese Equity: 989437
4. UBS-ETF DJ Japan Titans 100: 794361
5. Vitruvius Japanese Equity EUR: 798387
Aktienfonds Japan Nebenwerte
Performance 3 Jahre (in %)
1. Parvest Japan SmallCap C Hedg.: -3.1
2. Martin Currie Jap. Mid Cap JPY: -4.8
3. Allianz-dit Nebenwerte Japan: -8.2
4. AXA R.berg Japan SmCap B €: -13.4
5. Swissca Lux Small&Mid Jap.: -13.7
€uro-FondsNote
1. Allianz-dit Nebenwerte Japan: 1
2. AXA R.berg Japan SmCap B €: 1
3. Swissca Lux Small&Mid Jap.: 1
4. Martin Currie Jap. Mid Cap JPY: -
5. Parvest Japan SmallCap C Hedg.: -
WKN
1. Allianz-dit Nebenwerte Japan: 933998
2. AXA R.berg Japan SmCap B €: 692194
3. Martin Currie Jap. Mid Cap JPY: A0B81J
4. Parvest Japan SmallCap C Hedg.: A0B5UZ
5. Swissca Lux Small&Mid Jap.: 658453
Quelle Fondsdaten: FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 31.01.2008.
Japan kann es einem Europäer oder Amerikaner richtig schwer machen. Investmentbanker in London und New York klagen über Nippons Regulierungswut, hohe Steuern und eine tief verankerte Aversion gegenüber Fusionen und Firmenübernahmen – vor allem wenn die "Aggressoren" aus Übersee kommen.
Europas Autobauer wiederum schütteln nur noch den Kopf darüber, dass sie mit ihren Fahrzeugen immer noch Außenseiter auf Japans Straßen sind und wohl auch bleiben. Und jetzt das noch: Außenminister Masahiko Komura will für Ausländer, die in Japan wohnen und arbeiten – die Expatriates, oder kurz Expats –, Sprachtests einführen. Nur wer besteht, darf bleiben. Die Expat-Gemeinde in Tokio ist entsetzt.
Und sie verkauft beleidigt Japan-Aktien. Zumindest scheint es so. Denn während noch 2007 trotz fallender Kurse Ausländer netto mehr kauften als verkauften, war es im Januar dieses Jahres genau umgekehrt.
Japanische Aktien fallen – und werden attraktiver
Weg mit Nippon-Aktien, das ist wohl das Motto. Und weil schon seit jeher fast 60 Prozent (!) des Handels an der Tokioter Börse über die Konten von Großinvestoren aus Übersee gehen, ist der überdurchschnittlich starke Kursrutsch in den vergangenen Wochen schnell erklärt. Mit über zehn Prozent minus ist Tokios Börse, genannt Kabutocho, mit Abstand der schlechteste aller großen Aktienhandelsplätze in diesem Jahr.
Allerdings: Deutlich abwärts geht es schon seit Sommer vergangenen Jahres, als die ersten warnenden Stimmen eine weltweite Kreditkrise, resultierend aus den US-Subprime-Problemen, befürchteten.
Der Nikkei-225, Japans wichtigstes Börsenbarometer, verlor seither dreimal so viel wie der US-Index S&P 500. Effekt: Inzwischen stehen die Kurse in Tokio so niedrig, dass Aktien im Schnitt mehr Dividende abwerfen, als zehnjährige festverzinsliche japanische Staatspapiere Rendite bringen.
Japanische Banken müssen nur vier Milliarden Dollar abschreiben
Dabei hat die Misere um die US-Hypotheken Japan kaum tangiert. Während US- und europäische Finanzinstitute zu Wertberichtigungen von zusammen mehr als 130 Milliarden Dollar gezwungen waren – bei einem möglichen Gesamtschaden von 500 Milliarden Dollar, werden die japanischen Banken zum Geschäftsjahresende lediglich vier Milliarden Dollar abschreiben müssen.
Warum gehen Japans Kurse dann trotzdem so stark in den Keller? "Japan ist eine Wette auf die Entwicklung der Weltwirtschaft", erklärt Edward Chancellor vom amerikanischen Vermögensverwalter GMO.
"Die Börse wird vor allem von den Exportwerten bewegt. Kommt jetzt eine Rezession in den USA oder eine weltweite Verlangsamung beim Wirtschaftswachstum, drückt das auf Umsätze und Gewinne. Gleichzeitig wird der Yen stärker. Auch das drückt auf den Gewinn."
Von Deflation keine Spur mehr
Und von der Währungsseite kommt ein weiteres Problem auf Japan zu: Werden Carrytrades aufgelöst, mit denen sich bisher Investoren billig in Yen verschuldeten, um das Geld zu besseren Konditionen etwa in Europa und Australien anzulegen, wird die japanische Währung auch gegenüber dem Euro und dem Australdollar zulegen – ebenfalls wichtigen Exportmärkten.
Kehrseite der Medaille: Legt der Yen zu, machen ausländische Anleger Währungsgewinne mit japanischen Papieren. Allerdings nützt das nichts, wenn per saldo die Aktienverluste stärker ausfallen. So weit die schlechten Nachrichten.
Die guten: Das vergangene Vierteljahr war gesamtwirtschaftlich gesehen deutlich besser als das vorherige. Es entstanden 640 000 neue Arbeitsplätze, und die Arbeitslosenquote ist mit 3,9 Prozent so niedrig wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.
Das führt dazu, dass die Japaner wieder mehr Geld ausgeben: Der Einzelhandelsumsatz stieg gegenüber dem Vorquartal um 2,3 Prozent und die realen Konsumausgaben sogar um 3,2 Prozent. Abgerundet wird das Bild durch eine Kerninflation von 0,8 Prozent im Dezember –von Deflationstendenzen keine Spur mehr.
Toyota & Co leiden unter dem stärkeren Yen
Und auch den stärkeren Yen sehen nicht alle Experten als Belastung: "Das Plus bei der Währung und die steigenden Habenzinsen erhöhten die Binnenkaufkraft. Sie sind die Voraussetzung für einen Ausgleich sinkender Exporte, sollten die USA in eine Rezession schlittern", meint Helmut Becker, Japan-Experte und Wirtschaftsprofessor an der Tokioter Sophia-Universität.
Die Börse hat auf die guten Nachrichten aber kaum reagiert. Was auch daran liegen mag, dass die Unternehmen mit ihren Gewinnprognosen sehr vorsichtig sind. Der Autobauer Toyota beispielsweise warnt trotz eines Rekordquartals vor künftig schwindendem Gewinnwachstum.
Als Gründe nennt Toyota die zunehmende Abkühlung des US-Automarkts, auf dem Toyota inzwischen der zweitgrößte Anbieter ist, sowie den weiter gestiegenen Wechselkurs des Yen. Das gefällt den Anlegern nicht. Toyota verlor nach Bekanntgabe der Zahlen deutlich.
Die niedrigsten Bewertungen seit 33 Jahren
Kathy Matsui, Japan-Expertin von Goldman Sachs, sieht aber durchaus Chancen für ein Ende der Tokioter Kursmalaise. "Die Kurse reflektieren die Angst vor einer tief greifenden Rezession. Die Ausländer haben so viel verkauft, wie lange nicht, und die Kurse sind teilweise unter Buchwert."
Dass die Ausländer bald an den Kabutocho zurückkehren könnten, zeigen Gerüchte über den Einstieg großer Staatsfonds. So werden die chinesische CIC (China Investment Corporate Ltd.) wohl mindestens drei Milliarden Dollar und der russische Staatsfonds ebenfalls drei Milliarden in japanische Aktien investieren. Katar hat es mit einem Investment in Sony bereits vorgemacht. Und Singapur erwirbt japanische Immobilien.
Gelockt werden sie von niedrigen Bewertungen – laut Kathy Matsui die niedrigsten seit 33 (!) Jahren – und guten Dividendenrenditen: fast ein Novum bei Nippon-Aktien. Bei Toyota sind es 2,5 Prozent, bei Honda 2,6 Prozent, beim Reeder NYK drei Prozent und bei Nissan 3,8 Prozent.
Helmut Becker sieht Nikkei bei 15 000 Punkten
Neu auch (oder zumindest seit den 80er-Jahren nicht mehr gesehen) der Expansionswille japanischer Unternehmen. Vor fünf Jahren noch griff Merrill Lynch der damals schlingernden Megabank Mizuho unter die Arme. Jetzt ist es Mizuho, die der US-Investmentbank eine Kapitalspritze von 1,2 Milliarden Dollar zugesagt hat – gegen einen entsprechenden Anteil am Aktienkapital der Amerikaner.
Reicht das schon für einen Stimmungsumschwung? Experte Becker meint Ja und sieht den Nikkei bereits bei 15 000 Punkten. Ob er schon von den Sprachtests weiß?
Faktor Ausland: Verkaufen statt Kaufen
Goldman Sachs spricht in der neuesten Japan-Studie von der "Kapitulation ausländischer Anleger". Die Stimmung Japan gegenüber sei tendenziell zwar immer negativ gewesen, trotzdem wurde seit dem Tiefstand der Börse 2003 netto mehr ge- als verkauft. Jetzt die "Kapitulation": Seit November wird kräftig verkauft. Das ist insofern dramatisch, weil die ausländischen Investoren 60 Prozent des Börsenumsatzes in Tokio ausmachen. Japan-Kenner Helmut Becker geht jedoch davon aus, dass die negative Stimmung damit ihren Zenit erreicht hat.
Faktor Buchwert: Beinahe Rekordniveau
Von den an der Börse Tokio gelisteten Unternehmen notieren über 60 Prozent unter Buchwert. Nur 2002 waren es mehr, dem letzten Jahr des großen Börsenabschwungs, der 1990 seinen Lauf nahm. Im guten Börsenjahr 2005 war dieser Wert auf 24 Prozent abgesackt. Eine andere Bewertungsziffer ist ebenfalls an einem Extrempunkt: Die Dividendenrendite liegt im Schnitt bei 1,7 Prozent und damit höher als der Anleihezins.
Faktor Yen: Wird zunehmend stärker
Seit der Yen zulegt geht es an der Tokioter Börse nach unten. Der starke Yen belastet Umsatz und Gewinn der Exporteure. Ein weiteres Problem: Werden Carrytrades aufgelöst, mit denen sich bisher Investoren billig in Yen verschuldeten, um das Geld zu besseren Konditionen etwa in Europa und Australien anzulegen, wird die japanische Währung auch gegenüber dem Euro und dem Australdollar zulegen – ebenfalls wichtige Exportmärkte. Kehrseite der Medaille: Legt der Yen zu, machen ausländische Anleger Währungsgewinne mit japanischen Papieren.
Vitruvius Japanese Equity: Bester Fonds im schlechten Markt
In den vergangenen Jahren war der Vitruvius Japanese Equity Fund von Belgrave Capital Management immer unter den besten fünf Japan-Fonds zu finden. Der Erfolg liegt am Managementstil: Für den Fonds sind gleich drei Berater tätig, die unabhängig voneinander arbeiten. Chefmanager Fukuo Shigeta kommt von der volkswirtschaftlichen Seite, der zweite Mann, Hugh Sloane, sieht auch zuerst das große Ganze und der Dritte im Bunde, Warwick Johnson, analysiert Unternehmen.
Weitere gute Fonds: Von Callander bis UBS
Der Vitruvius-Fonds investiert sowohl in Bluechips als auch in Nebenwerte. Die anderen – wie etwa der Callander – nur in kleinere Werte. Die sind in den vergangenen zwei Jahren besonders schlecht gelaufen. 60 Prozent aller Nebenwerte an Japans Börse notieren schon unter Buchwert! Viel tiefer geht es da nicht mehr.
Aktienfonds Japan Standardwerte
Performance 3 Jahre (in %)
1. Callander Japan NewGrowth C2 €: 40.4
2. Vitruvius Japanese Equity EUR: 31.4
3. Metzler Japanese Equity: 20.6
4. UBS-ETF DJ Japan Titans 100: 12.1
5. DB Platinum IV CROCI Japan R1C: 11.2
€uro-FondsNote
1. UBS-ETF DJ Japan Titans 100: 2
2. Vitruvius Japanese Equity EUR: 2
3. Callander Japan NewGrowth C2 €: -
4. DB Platinum IV CROCI Japan R1C: -
5. Metzler Japanese Equity: -
WKN
1. Callander Japan NewGrowth C2 €: A0B50J
2. DB Platinum IV CROCI Japan R1C: A0B536
3. Metzler Japanese Equity: 989437
4. UBS-ETF DJ Japan Titans 100: 794361
5. Vitruvius Japanese Equity EUR: 798387
Aktienfonds Japan Nebenwerte
Performance 3 Jahre (in %)
1. Parvest Japan SmallCap C Hedg.: -3.1
2. Martin Currie Jap. Mid Cap JPY: -4.8
3. Allianz-dit Nebenwerte Japan: -8.2
4. AXA R.berg Japan SmCap B €: -13.4
5. Swissca Lux Small&Mid Jap.: -13.7
€uro-FondsNote
1. Allianz-dit Nebenwerte Japan: 1
2. AXA R.berg Japan SmCap B €: 1
3. Swissca Lux Small&Mid Jap.: 1
4. Martin Currie Jap. Mid Cap JPY: -
5. Parvest Japan SmallCap C Hedg.: -
WKN
1. Allianz-dit Nebenwerte Japan: 933998
2. AXA R.berg Japan SmCap B €: 692194
3. Martin Currie Jap. Mid Cap JPY: A0B81J
4. Parvest Japan SmallCap C Hedg.: A0B5UZ
5. Swissca Lux Small&Mid Jap.: 658453
Quelle Fondsdaten: FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 31.01.2008.


