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01.11.2005 10:23

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Keine Macht dem Preis: Inflationsindexierte Anleihen schützen vor Geldentwertung


Die Nachfrage nach inflationsgeschützten Anleihen und Fonds steigt. Ihr Vorteil: "Der Kupon und die Rückzahlung werden den jeweiligen Teuerungsraten angepaßt", sagt Jörg Warncke, Fondsmanager des UniEuroRenta Real Zins. Ihr Nachteil: gelten als Finanzinnovation.

Energiepreise legen stark zu

Die mit dem Fahrrad fahren und sich im eigenen Haus am Holzofen wärmen, die spüren es nicht. Alle anderen aber merken: Die Preise steigen. Deutschlands Verbraucher müssen heute für Waren und Dienstleistungen mehr hinblättern wie noch vor einem Jahr.

Besonders kraß fällt der Preisauftrieb im Energiebereich aus: Um 17,4 Prozent zogen Kraftstoffe, um 40 Heizöl und um 11,9 Prozent Gas an. Aber auch die Verkehrsbetriebe und Stromkonzerne erhöhten im Laufe der vergangenen zwölf Monate ihre Tarife.

Inflation in Deutschland bei 2,5 Prozent

Alles in allem sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts im September die Lebenshaltungskosten in der Bundesrepublik im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent gestiegen. Damit liegt die aktuelle Inflation klar über der für die vergangenen Jahre ermittelten durchschnittlichen Teuerungsrate von 1,3 Prozent.

Nicht nur in Deutschland ist die Geldentwertung auf dem Vormarsch. Auch Spanien (3,7 Prozent) und Griechenland (3,8 Prozent) meldeten für September höhere Werte, so daß die Teuerungsrate in Euro-Land derzeit 2,6 Prozent mißt. Noch stärker fällt der Anstieg in den USA aus. Die amerikanischen Verbraucherpreise legten um 4,7 Prozent zu.

Inflation frisst niedrige Zinserträge auf

Die Werte liegen zwar alle noch weit unter denen aus den 70er Jahren. Damals wurden in den USA zwölf und in Deutschland sieben Prozent gemessen. Die jüngsten Zahlen reichen aber aus, um die Anleihe-Investoren zu beunruhigen.

Sie rechnen: Die Renditen sind trotz der jüngsten Kursverluste auf niedrigem Niveau. Die zehnjährige Bundesanleihe, aber auch die Bonds anderer europäischer Staaten, werfen gerade mal drei Prozent ab. Steigt die Inflation weiter, dann gehen die Erträge gegen null.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt ist alarmiert: "Wenn wir sehen, daß die Inflation in Europa außer Kontrolle gerät, werden wir handeln", versichert der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet.

EZB-Chef Trichet könnte die Zinsen bald anheben

Seine Aufgabe ist es, für Preisstabilität zu sorgen. Sie ist nach Auffassung der EZB dann gegeben, wenn die jährliche Inflationsrate knapp unter zwei Prozent liegt. Droht der Wert anhaltend darüber zu bleiben, wollen die Währungshüter, die seit mehr als zwei Jahren den Leitzins bei zwei Prozent halten, die Zügel anziehen. Eine ganze Reihe von Faktoren weisen darauf hin, daß Trichet schon bald seinen Worten Taten folgen lassen könnte.

Denn: Der Ölpreis wird aller Voraussicht nach auf dem derzeitig hohen Niveau von rund 60 Dollar verharren. Die jüngsten Wirbelstürme im Golf von Mexiko haben etliche Förderanlagen außer Kraft gesetzt. Das reduzierte Angebot trifft auf eine unverminderte Nachfrage seitens der USA, aber auch der rasant wachsenden Volkswirtschaft Chinas.

Angst vor Zweitrundeneffekten

Trichet fürchtet nun, daß viele Unternehmen die höheren Energiekosten auf ihre Produkte umwälzen werden. Dies wiederum dürfte die Gewerkschaften dazu veranlassen, als Ausgleich für die steigenden Preise höhere Löhne einzufordern.

Die jüngsten Äußerungen der IG Metall zeigen, wie begründet die Befürchtungen sind. Die Arbeitnehmervertretung der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie kündigte jüngst den "kapitalistischen Abzockern" hohe Forderungen in der kommenden Tarifrunde an.

Höhere Leitzinsen versus schlappe Konjunktur in Euroland

Auch die künftige Regierung in Berlin schürt die Ängste. Um den Haushalt zu sanieren, erwägt sie, die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Dies würde die Preise vieler Produkte, die in dem zur Inflationsmessung gebildeten Warenkorb (siehe unten) enthalten sind, nach oben treiben.

Allerdings: Ob Trichet tatsächlich den Inflationsgefahren so begegnen kann, wie er es eigentlich für notwendig hält, bleibt fraglich. Obwohl der Franzose immer wieder die Unabhängigkeit der EZB betont, weiß er doch: Je höher seine Zinsschritte ausfallen, desto kräftiger fällt der Dämpfer für die in vielen Ländern der Europäischen Gemeinschaft immer noch schwache Konjunktur aus. Kräftige Zinserhöhungen dürften daher auf heftigen Widerstand seitens der EU-Regierungen stoßen.

Inflationsindexierte Anleihen als Schutz gegen Preisauftrieb

Mit demselben Dilemma ist Trichets künftiger Amtskollege jenseits des Atlantiks, Ben Bernanke, konfrontiert. In den USA ist nicht nur die Staatsverschuldung, sondern auch die der Bürger enorm angewachsen. Würde der US-Notenbankchef an der Zinsschraube drehen, erhöhte sich für die US-Regierung und die Verbraucher der Schuldendienst. Die Folge: Die für Investitionen und Konsum notwendigen Mittel fehlten, der Aufschwung verlöre deutlich an Fahrt.

Der vorsichtige Anleger sollte daher nicht nur auf die Notenbanken bauen, sondern selbst die Initiative ergreifen. Inflationsindexierte Anleihen bieten sich an. Sie werden von den USA, Frankreich, Schweden, Griechenland, Großbritannien, Italien aber auch von Südafrika und Japan begeben.

"Kupon und Rückzahlung werden den jeweiligen Teuerungsraten angepaßt"

Der Zins einer inflationsgesicherten Anleihe liegt zwar unter dem eines konventionellen Bonds. "Dafür ist das Papier an einen bestimmten Index, wie zum Beispiel dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) der Euro-Zone, gekoppelt. Der Kupon und die Rückzahlung werden dann den jeweiligen Teuerungsraten angepaßt", erklärt Jörg Warncke, Fondsmanager des UniEuroRenta Real Zins.

Ein weiterer Vorteil kommt hinzu. Die inflationsgesicherten Anleihen werden wie die konventionellen Schuldverschreibungen täglich an der Börse gehandelt. "Steigen die Inflationserwartungen, dann steigen in der Regel auch die Bond-Kurse", sagt Warncke. So kletterte etwa die 30jährige inflationsgeschützte Anleihe Frankreichs innerhalb eines Jahres von 128 auf 136 Prozent.

Nachteil: Inflationsgeschützte Anleihen gelten als Finanzinnovation

Doch Vorsicht: Inflationsgeschützte Anleihen haben auch einen Nachteil. Sie gelten als Finanzinnovation. Folglich müssen sowohl der Kupon als auch der am Ende der Laufzeit anfallende Inflationsbonus versteuert werden. Dies gilt aber nur für Anleger, die ihren Steuerfreibetrag nicht ausgeschöpft haben.

Die steuerrechtlichen Regelungen greifen zwar auch bei Fonds, die in inflationsgesicherte Anleihen investieren. Sie sind aber dennoch die bessere Alternative. Die Manager verteilen die Mittel auf mehrere Papiere. Zudem mischen sie herkömmliche Bonds bei und können so flexibel auf Inflations- und Zinsentwicklungen reagieren.



Preismesser Warenkorb (in %)
1. Wohnen und Energie: 25,8
2. Gesundheit: 16,3
3. Nahrung: 11,4
4. Verkehr: 10,5
5. Freizeit / Kultur: 9,0
6. Gaststätten: 8,9
7. Bekleidung: 4,3
8. Haushalt: 4,0
9. Kommunikation: 2,7
10. Alkohol / Tabak: 1,7
11. Bildung: 0,8
12. Sonstiges: 4,6

Quelle: Bundesamt für Statistik. Angaben unterteilt und gewichtet nach den Ausgabekategorien der Haushalte.



Rentenfonds mit Inflationsschutz*

Fonds: Performance seit 1.1.05 (in %)
1. MC Inflation Concept Fund B: 4,4
2. UniEuroRenta Real Zins A: 3,9
3. F&C Euro Inflation linked Bond: 3,8
4. KEPLER Realzins Plus Renten T: 3,7
5. CAF Euro Inflation Bd. C (acc): 3,5

6. Parvest EuroInflat.Linked Bd.C: 3,4
7. Invesco Eur. Infl. Link A: 3,4
8. KBC Bonds Inflation Linked KAP: 3,4
9. ADIG InflationsSchutz: 3,4
10. MAT Real Return: 3,0

11. Deka-RentenReal: 2,8
12. Schoellerbank Realzins Plus T: 2,8
13. BondPortfolio Inflati. Prote T: 2,1
14. DWS Invest Inflat. Protect LC: 2,0
15. CS BF (Lux) Infl. Linked EUR B: 1,9

16. Schroder Gl. Infl. Link.Bd A: 1,9
17. Nordrent – RealReturn: 1,7
18. AMEX Gl. Inflation Linked Bond: 1,6
19. dit-Euro Bond Real Return A: 1,6
20. LGT Glob. Inflation Linked EUR: 0,5

Quelle: *FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 28.10.2005.


Anmerkung: Weitere Infos (Fondstabelle) finden Sie als PDF im Dateianhang.

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