Lateinamerika: Zurück zur Revolution?
"Viva la revolucion"
Zuerst gibt Harry Belafonte seinen Uralthit "Mathilda" zum Besten. Dann kritisiert der Calypso-Sänger in Venezuelas Radioshow "Hola Presidente" heftig die US-Medien. Nein, sagt Belafonte. Hugo Chavez sei kein verrückter Diktator, wie Bush-freundliche US-Fernsehsender und Zeitungen behaupten. Im Gegenteil.
Der Staats-Chef Venezuelas kämpfe gegen den Imperialismus und setze sich für die Armen ein. Nicht nur in seinem Land, sondern in ganz Lateinamerika. Er und viele hunderttausend Amerikaner bewunderten ihn. "Viva la revolucion", sagt Belafonte zum Abschied.
Die USA importieren 15 Prozent ihres Öl aus Venezuela
Auch die Unesco ist von Chavez angetan. Ende Januar verleiht die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur dem 51jährigen für seinen Beitrag zur "Einheit der Länder Lateinamerikas und der Karibik" den mit 5000 Dollar dotierten José-Martí-Preis. Die Ehrung findet auf Kuba statt. Dort wo Chavez’ großes Vorbild Fidel Castro seit 48 Jahren kommunistisch regiert.
Was Belafonte, die Unesco und Castro an Hugo Chavez loben, bereitet den USA große Sorgen. Nicht nur weil sie mit Öl aus Venezuela 15 Prozent ihres Bedarfs decken. Washington fürchtet, daß die anti-neoliberale Politik von Chavez auf dem Kontinent Nachahmer findet.
"Lateinamerika wird in 2006 einen kräftigen Ruck nach links machen"
Kapitalkontrollen, erhöhte Lizenzgebühren für ausländische Unternehmen, Verstaatlichungen, höhere Steuern – das gefällt auch den internationalen Investoren nicht. Sie erkennen in Lateinamerika steigende Risiken, denen, nach der Rally vom vergangenen Jahr, sinkende Chancen gegenüberstehen.
"Lateinamerika wird in diesem Jahr einen kräftigen Ruck nach links machen", glaubt Heinz Mewes von der Dresdner Bank Lateinamerika. In zehn Ländern finden Wahlen statt. Sie könnten Kandidaten der Linksparteien an die Macht bringen, wie jüngst in Bolivien mit dem Führer der Kokabauern Evo Morales oder zuvor in Uruguay mit Tabare Vazquez.
In Peru führt der ehemalige Putschist Ollanta Humala die Umfragen an. Und in Chile ist die Sozialistin Michelle Batchelet als Siegerin aus der Präsidentenwahl hervorgegangen.
An der Wiederwahl von Chavez gibt es keinen Zweifel
Auch in Mexiko ist ein Linkspolitiker Favorit. Dem ehemaligen Bürgermeister von Mexiko City und Chef der Partei der Demokratischen Revolution, Luiz Obrador, werden beste Chancen eingeräumt, Nachfolger des wenig erfolgreichen Vicente Fox zu werden.
Ende Dezember muß sich dann auch Chavez dem Votum der Bürger stellen. An der Wiederwahl des früheren Luftwaffenoffiziers, der Soziologie und Politikwissenschaften studierte, gibt es keinen Zweifel. Vor allem die sozial Schwächeren wollen, daß er im Amt bleibt.
"Comandante" Chavez bringt es auf Popularitätswerte von 60 Prozent
Denn als Chavez 1998 an die Macht kam, hatten sie nichts davon, im fünftreichsten Ölstaat der Welt zu leben, schreibt der Direktor des Zentrums für Amerika-Studien (Censa), Roger Burbach. Heute dagegen müssen die Bürger Venezuelas nichts bezahlen, wenn sie zum Arzt gingen. Mangelernährung und Analphabetismus konnten weitgehend beseitigt werden. Kein Wunder, wenn Chavez es auf Popularitätswerte von 60 Prozent bringt.
Die für Sozialprogramme notwendigen Mittel hat der "Comandante" seit dem drastischen Anstieg des Ölpreises in Hülle und Fülle. Er kann es sich auch erlauben, befreundete Länder billig mit Öl zu beliefern. Staaten in der Karibik etwa gewährt er einen Discount von 40 Prozent. Für langfristige Kredite verlangt er lediglich ein Prozent Zinsen.
Der IWF und die USA verlieren in Lateinamerika an Einfluß
Nicht nur mit Öl hilft Chavez aus. Im Dezember kaufte er für mehrere Milliarden Dollar neu ausgegebene argentinische Staatsanleihen. Die Finanzspritze aus Caracas motivierte Staats-Chef Nestor Kirchner, seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) Anfang Januar frühzeitig zu begleichen.
Die bei den Argentiniern verhaßten Währungshüter aus Washington haben nun kein Mitspracherecht mehr bei der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Daß Chavez sich auch noch mit Ecuador-Bonds eindeckt, gefällt US-Päsident George Bush ganz und gar nicht. Er muß zusehen, wie der IWF und die USA an Einfluß verlieren.
"Links ist nicht gleich links"
"Die politischen Veränderungen in Lateinamerika und die zunehmende Distanz zu den Vereinigten Staaten bedeutet aber nicht, daß alle linken Regierungs-Chefs sich komplett von einer marktwirtschaftlichen und damit auch investorenfreundlichen Politik verabschieden werden", meint Experte Mewes. "Links ist nicht gleich links."
Der Präsident Brasiliens, Luiz Ignacio Lula da Silva, ist dafür ein gutes Beispiel. Der ehemalige Gewerkschaftsführer und Vorsitzende der Arbeiterpartei genoß vor seiner Wahl vor vier Jahren bei Anlegern keinen guten Ruf.
Doch Lula, der exzellente Wirtschaftsexperten ins Kabinett berief, setzt nicht auf kurzfristige Wachstumserfolge, sondern schafft Strukturen, die einen anhaltenden Aufschwung erst möglich machen. Deshalb werden die Auslandsschulden abgebaut und die Inflation bekämpft. Dank der Exporterfolge steigen zudem die Devisenreserven.
"Lula wird an seiner soliden Wirtschaftspolitik festhalten"
Das honorieren die Investoren. Der brasilianische Leitindex Bovespa verbesserte sich im vergangenen Jahr auf Euro-Basis um 67 Prozent. Venezuelas Börse verlor dagegen über 30 Prozent. "An seiner soliden Wirtschaftspolitik wird Lula festhalten", meint Claudia Zilla von der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Selbst wenn er wegen des jüngsten Korruptionsskandal weiter an Zustimmung verlieren sollte."
Auch von der chilenischen Politikerin Michelle Batchellet sind keine radikalen Änderungen der bislang seriösen Wirtschaftspolitik zu befürchten. Auch wenn sie sagt: "Ich bin für die Globalisierung. Doch die Menschen sind wichtiger als die Märkte". Bei dem mexikanischen Präsidentschaftsbewerber Luiz Obrador ist sich Zilla allerdings nicht so sicher.
"Die politische Unsicherheit könnte Verlustphasen auslösen"
Er hatte in einer Rede angekündigt, weitere Privatisierungen verhindern zu wollen. Auch die Öffnung des Landes für ausländische Investoren will er nicht weiter vorantreiben. "Zudem soll Obrador erklärt haben, daß er in Chavez ein Vorbild sehe", sagt Zilla.
Lateinamerika-Investoren sollten sich auf Kursschwankungen an den Börsen einstellen. "Die Unsicherheit über den politischen Kurs in einigen Ländern könnte Verlustphasen auslösen", meint Jules Mort. Der Fondsmanager des Threadneedle Latin America ist aber dennoch optimistisch.
"Lateinamerika ist immer noch der beste Platz, um von der Rohstoff-Nachfrage Chinas zu profitieren"
Die Renditen werden auch 2006 über denen der etablierten Märkte in Europa oder den USA liegen. Dafür sorgten schon die hohen Rohstoffpreise. "Lateinamerika ist immer noch der beste Platz, um von der Nachfrage Chinas nach Kupfer, Eisenerz und Öl zu profitieren."
Doch auch Fondsmanager Mort ist klar: Erst wenn der Rohstoffboom und die marktwirtschaftlichen Reformen tatsächlich die Lage vieler Menschen auf dem Kontinent verbessert haben werden, verstummt der Ruf nach einer Politik à la Hugo Chavez.
Wahltermine in Lateinamerika
Land: Termin
Chile: 15.1.2006
Costa Rica: 5.2.2006
El Salvador: 12.3.2006
Peru: 9.4.2006
Kolumbien: 28.5.2006
Mexiko: 2.7.2006
Brasilien: 1.9.2006
Ecuador: 15.9.2006
Venezuela: 1.12.2006
Argentinien: April 2007
Mexiko: Keine Privatisierung des Ölsektors
60 Millionen Mexikaner sind aufgerufen, am 2. Juli 2006 ihren neuen Präsidenten zu wählen. Die Mehrheit dürfte für den Kandidaten der Demokratischen Revolution Manuel Luiz Obrador stimmen. Der Sozialwissenschaftler gilt derzeit als der beliebteste Politiker des Landes. Als Bürgermeister von Mexiko-City hat sich Obrador für die Armutsbekämpfung stark gemacht. Obrador ist gegen die Privatisierung des Öl- und Gassektors und kritisiert das Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta. Es sei für sinkende Löhne der Arbeiter verantwortlich.
Brasilien: Unternehmer loben Lula
Der ehemalige Gewerkschaftsboss und Chef der Arbeiterpartei PT Lula da Silva hat gute Chancen, im September als Staatspräsident bestätigt zu werden. Unternehmer und Investoren loben seine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik und die Erfolge bei der Defizitbekämpfung. Lula dürfte daher verstärkt auch Stimmen aus dem konservativen Lager erhalten. Bei den sozial Schwachen verliert Lula dagegen an Zustimmung. Trotz des Export-Booms wuchs die Wirtschaft 2005 nur um knapp drei Prozent. Zu wenig, um die hohe Arbeitslosigkeit entscheidend abzubauen.
Argentinien: Schulden beim IWF getilgt
Im April 2007 finden in Argentinien Wahlen statt. In den Umfragen zeichnet sich ein Sieg des aktuellen Präsidenten Nestor Kirchner ab. Durch seine kompromißlose Haltung gegenüber den ausländischen Anleihegläubigern und durch die vorzeitige Tilgung der Schulden beim Internationalen Währungsfonds hat Kirchner bei den Bürgern an Ansehen gewonnen. Zudem geht es nach der schweren Krise vor drei Jahren wirtschaftlich wieder bergauf. Allerdings: 2005 stieg die Inflation auf elf Prozent.
Lateinamerika-Fonds: Die Börsen werden volatiler
Lateinamerika-Fonds haben über drei Jahre hohe Gewinne erzielt. Ein aus Sicht der Investoren ungünstiger Ausgang der Wahlen dürfte für Kursschwankungen sorgen.
Aktienfonds Lateinamerika*
Fonds: Wertentwicklung über drei Jahre (in %)
1. Merrill L. Lat America A2 USD: 234,5
2. CAF Latin America C (thes.): 233,1
3. Schroder LatinAmerican dist. A: 218,8
4. Fidelity Latin America: 215,5
5. JPM Latin America Eq. A(dist)$: 215,0
6. Templeton Latin Amer. A dis $: 213,2
7. ABN Latin America Equity: 212,4
8. Morgan St. Latin American A: 204,0
9. Parvest Latin America C: 203,3
10. Threadneedle Latin America 1: 203,0
Quelle: *FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 31.12.2005.
Anmerkung: Weitere Infos (Fondstabelle) finden Sie als PDF im Dateianhang.
Zuerst gibt Harry Belafonte seinen Uralthit "Mathilda" zum Besten. Dann kritisiert der Calypso-Sänger in Venezuelas Radioshow "Hola Presidente" heftig die US-Medien. Nein, sagt Belafonte. Hugo Chavez sei kein verrückter Diktator, wie Bush-freundliche US-Fernsehsender und Zeitungen behaupten. Im Gegenteil.
Der Staats-Chef Venezuelas kämpfe gegen den Imperialismus und setze sich für die Armen ein. Nicht nur in seinem Land, sondern in ganz Lateinamerika. Er und viele hunderttausend Amerikaner bewunderten ihn. "Viva la revolucion", sagt Belafonte zum Abschied.
Die USA importieren 15 Prozent ihres Öl aus Venezuela
Auch die Unesco ist von Chavez angetan. Ende Januar verleiht die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur dem 51jährigen für seinen Beitrag zur "Einheit der Länder Lateinamerikas und der Karibik" den mit 5000 Dollar dotierten José-Martí-Preis. Die Ehrung findet auf Kuba statt. Dort wo Chavez’ großes Vorbild Fidel Castro seit 48 Jahren kommunistisch regiert.
Was Belafonte, die Unesco und Castro an Hugo Chavez loben, bereitet den USA große Sorgen. Nicht nur weil sie mit Öl aus Venezuela 15 Prozent ihres Bedarfs decken. Washington fürchtet, daß die anti-neoliberale Politik von Chavez auf dem Kontinent Nachahmer findet.
"Lateinamerika wird in 2006 einen kräftigen Ruck nach links machen"
Kapitalkontrollen, erhöhte Lizenzgebühren für ausländische Unternehmen, Verstaatlichungen, höhere Steuern – das gefällt auch den internationalen Investoren nicht. Sie erkennen in Lateinamerika steigende Risiken, denen, nach der Rally vom vergangenen Jahr, sinkende Chancen gegenüberstehen.
"Lateinamerika wird in diesem Jahr einen kräftigen Ruck nach links machen", glaubt Heinz Mewes von der Dresdner Bank Lateinamerika. In zehn Ländern finden Wahlen statt. Sie könnten Kandidaten der Linksparteien an die Macht bringen, wie jüngst in Bolivien mit dem Führer der Kokabauern Evo Morales oder zuvor in Uruguay mit Tabare Vazquez.
In Peru führt der ehemalige Putschist Ollanta Humala die Umfragen an. Und in Chile ist die Sozialistin Michelle Batchelet als Siegerin aus der Präsidentenwahl hervorgegangen.
An der Wiederwahl von Chavez gibt es keinen Zweifel
Auch in Mexiko ist ein Linkspolitiker Favorit. Dem ehemaligen Bürgermeister von Mexiko City und Chef der Partei der Demokratischen Revolution, Luiz Obrador, werden beste Chancen eingeräumt, Nachfolger des wenig erfolgreichen Vicente Fox zu werden.
Ende Dezember muß sich dann auch Chavez dem Votum der Bürger stellen. An der Wiederwahl des früheren Luftwaffenoffiziers, der Soziologie und Politikwissenschaften studierte, gibt es keinen Zweifel. Vor allem die sozial Schwächeren wollen, daß er im Amt bleibt.
"Comandante" Chavez bringt es auf Popularitätswerte von 60 Prozent
Denn als Chavez 1998 an die Macht kam, hatten sie nichts davon, im fünftreichsten Ölstaat der Welt zu leben, schreibt der Direktor des Zentrums für Amerika-Studien (Censa), Roger Burbach. Heute dagegen müssen die Bürger Venezuelas nichts bezahlen, wenn sie zum Arzt gingen. Mangelernährung und Analphabetismus konnten weitgehend beseitigt werden. Kein Wunder, wenn Chavez es auf Popularitätswerte von 60 Prozent bringt.
Die für Sozialprogramme notwendigen Mittel hat der "Comandante" seit dem drastischen Anstieg des Ölpreises in Hülle und Fülle. Er kann es sich auch erlauben, befreundete Länder billig mit Öl zu beliefern. Staaten in der Karibik etwa gewährt er einen Discount von 40 Prozent. Für langfristige Kredite verlangt er lediglich ein Prozent Zinsen.
Der IWF und die USA verlieren in Lateinamerika an Einfluß
Nicht nur mit Öl hilft Chavez aus. Im Dezember kaufte er für mehrere Milliarden Dollar neu ausgegebene argentinische Staatsanleihen. Die Finanzspritze aus Caracas motivierte Staats-Chef Nestor Kirchner, seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) Anfang Januar frühzeitig zu begleichen.
Die bei den Argentiniern verhaßten Währungshüter aus Washington haben nun kein Mitspracherecht mehr bei der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Daß Chavez sich auch noch mit Ecuador-Bonds eindeckt, gefällt US-Päsident George Bush ganz und gar nicht. Er muß zusehen, wie der IWF und die USA an Einfluß verlieren.
"Links ist nicht gleich links"
"Die politischen Veränderungen in Lateinamerika und die zunehmende Distanz zu den Vereinigten Staaten bedeutet aber nicht, daß alle linken Regierungs-Chefs sich komplett von einer marktwirtschaftlichen und damit auch investorenfreundlichen Politik verabschieden werden", meint Experte Mewes. "Links ist nicht gleich links."
Der Präsident Brasiliens, Luiz Ignacio Lula da Silva, ist dafür ein gutes Beispiel. Der ehemalige Gewerkschaftsführer und Vorsitzende der Arbeiterpartei genoß vor seiner Wahl vor vier Jahren bei Anlegern keinen guten Ruf.
Doch Lula, der exzellente Wirtschaftsexperten ins Kabinett berief, setzt nicht auf kurzfristige Wachstumserfolge, sondern schafft Strukturen, die einen anhaltenden Aufschwung erst möglich machen. Deshalb werden die Auslandsschulden abgebaut und die Inflation bekämpft. Dank der Exporterfolge steigen zudem die Devisenreserven.
"Lula wird an seiner soliden Wirtschaftspolitik festhalten"
Das honorieren die Investoren. Der brasilianische Leitindex Bovespa verbesserte sich im vergangenen Jahr auf Euro-Basis um 67 Prozent. Venezuelas Börse verlor dagegen über 30 Prozent. "An seiner soliden Wirtschaftspolitik wird Lula festhalten", meint Claudia Zilla von der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Selbst wenn er wegen des jüngsten Korruptionsskandal weiter an Zustimmung verlieren sollte."
Auch von der chilenischen Politikerin Michelle Batchellet sind keine radikalen Änderungen der bislang seriösen Wirtschaftspolitik zu befürchten. Auch wenn sie sagt: "Ich bin für die Globalisierung. Doch die Menschen sind wichtiger als die Märkte". Bei dem mexikanischen Präsidentschaftsbewerber Luiz Obrador ist sich Zilla allerdings nicht so sicher.
"Die politische Unsicherheit könnte Verlustphasen auslösen"
Er hatte in einer Rede angekündigt, weitere Privatisierungen verhindern zu wollen. Auch die Öffnung des Landes für ausländische Investoren will er nicht weiter vorantreiben. "Zudem soll Obrador erklärt haben, daß er in Chavez ein Vorbild sehe", sagt Zilla.
Lateinamerika-Investoren sollten sich auf Kursschwankungen an den Börsen einstellen. "Die Unsicherheit über den politischen Kurs in einigen Ländern könnte Verlustphasen auslösen", meint Jules Mort. Der Fondsmanager des Threadneedle Latin America ist aber dennoch optimistisch.
"Lateinamerika ist immer noch der beste Platz, um von der Rohstoff-Nachfrage Chinas zu profitieren"
Die Renditen werden auch 2006 über denen der etablierten Märkte in Europa oder den USA liegen. Dafür sorgten schon die hohen Rohstoffpreise. "Lateinamerika ist immer noch der beste Platz, um von der Nachfrage Chinas nach Kupfer, Eisenerz und Öl zu profitieren."
Doch auch Fondsmanager Mort ist klar: Erst wenn der Rohstoffboom und die marktwirtschaftlichen Reformen tatsächlich die Lage vieler Menschen auf dem Kontinent verbessert haben werden, verstummt der Ruf nach einer Politik à la Hugo Chavez.
Wahltermine in Lateinamerika
Land: Termin
Chile: 15.1.2006
Costa Rica: 5.2.2006
El Salvador: 12.3.2006
Peru: 9.4.2006
Kolumbien: 28.5.2006
Mexiko: 2.7.2006
Brasilien: 1.9.2006
Ecuador: 15.9.2006
Venezuela: 1.12.2006
Argentinien: April 2007
Mexiko: Keine Privatisierung des Ölsektors
60 Millionen Mexikaner sind aufgerufen, am 2. Juli 2006 ihren neuen Präsidenten zu wählen. Die Mehrheit dürfte für den Kandidaten der Demokratischen Revolution Manuel Luiz Obrador stimmen. Der Sozialwissenschaftler gilt derzeit als der beliebteste Politiker des Landes. Als Bürgermeister von Mexiko-City hat sich Obrador für die Armutsbekämpfung stark gemacht. Obrador ist gegen die Privatisierung des Öl- und Gassektors und kritisiert das Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta. Es sei für sinkende Löhne der Arbeiter verantwortlich.
Brasilien: Unternehmer loben Lula
Der ehemalige Gewerkschaftsboss und Chef der Arbeiterpartei PT Lula da Silva hat gute Chancen, im September als Staatspräsident bestätigt zu werden. Unternehmer und Investoren loben seine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik und die Erfolge bei der Defizitbekämpfung. Lula dürfte daher verstärkt auch Stimmen aus dem konservativen Lager erhalten. Bei den sozial Schwachen verliert Lula dagegen an Zustimmung. Trotz des Export-Booms wuchs die Wirtschaft 2005 nur um knapp drei Prozent. Zu wenig, um die hohe Arbeitslosigkeit entscheidend abzubauen.
Argentinien: Schulden beim IWF getilgt
Im April 2007 finden in Argentinien Wahlen statt. In den Umfragen zeichnet sich ein Sieg des aktuellen Präsidenten Nestor Kirchner ab. Durch seine kompromißlose Haltung gegenüber den ausländischen Anleihegläubigern und durch die vorzeitige Tilgung der Schulden beim Internationalen Währungsfonds hat Kirchner bei den Bürgern an Ansehen gewonnen. Zudem geht es nach der schweren Krise vor drei Jahren wirtschaftlich wieder bergauf. Allerdings: 2005 stieg die Inflation auf elf Prozent.
Lateinamerika-Fonds: Die Börsen werden volatiler
Lateinamerika-Fonds haben über drei Jahre hohe Gewinne erzielt. Ein aus Sicht der Investoren ungünstiger Ausgang der Wahlen dürfte für Kursschwankungen sorgen.
Aktienfonds Lateinamerika*
Fonds: Wertentwicklung über drei Jahre (in %)
1. Merrill L. Lat America A2 USD: 234,5
2. CAF Latin America C (thes.): 233,1
3. Schroder LatinAmerican dist. A: 218,8
4. Fidelity Latin America: 215,5
5. JPM Latin America Eq. A(dist)$: 215,0
6. Templeton Latin Amer. A dis $: 213,2
7. ABN Latin America Equity: 212,4
8. Morgan St. Latin American A: 204,0
9. Parvest Latin America C: 203,3
10. Threadneedle Latin America 1: 203,0
Quelle: *FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 31.12.2005.
Anmerkung: Weitere Infos (Fondstabelle) finden Sie als PDF im Dateianhang.


