14.02.2013 07:45
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„Märkte sind vom Zusammenhalt Europas überzeugt“

Europa steht ein positiveres Jahr bevor als 2012. Fundamentale Probleme bestehen jedoch weiterhin.

„Das neue Jahr begann für die europäischen Volkswirtschaften durchwachsen“, sagt Chris Molumphy, Chief Investment Officer des Global Fixed Income Teams bei Franklin Templeton. „Für 2013 besteht aber Hoffnung, dass sich das Jahr nicht so traumatisch entwickelt wie 2012.“ Zwar erwarte die Europäische Kommission ein nur allmähliches Aufleben des Wachstums. Wichtige Zahlen wie die Arbeitslosenquote, die in der EU im November ein Rekordhoch erreichte, wirkten ebenfalls bedrückend. „Manche zukunftsgerichteten Indikatoren zeichnen aber ein etwas freundlicheres Bild“, weiß Molumphy. Der Composite PMI von Markit für die Eurozone, der die Aktivitäten tausender Unternehmen abbildet, habe im Dezember und im November zugelegt. Das spreche für einen nachlassenden Abwärtstrend der Konjunktur in der Eurozone.

OMT-Programm der EZB schafft Stabilität

„Auch aus verschiedenen europäischen Einzelländern kamen positive Nachrichten“, so Molumphy. Britische Fabriken hätten im Dezember die stärkste Aktivität seit über einem Jahr ausgewiesen und in Deutschland habe der ifo-Geschäftsklimaindex im zweiten aufeinanderfolgenden Monat anziehen können. „Selbst das spanische Statistikamt meldete für Dezember einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit“, sagt der Experte.  In Irland habe die Staatskasse ein besseres Ergebnis als erwartet verbucht. Dies lasse hoffen, dass das Land wieder ganz auf die internationalen Kapitalmärkte zurückkehren könnte. Zudem bestehe auch Hoffnung auf politische Fortschritte. Durch die Zusage der Europäischen Zentralbank (EZB) im September 2012, im Rahmen des sogenannten OMT-Programms (Outright Monetary Transactions) aktiv Staatsanleihen auf dem Zweitmarkt aufzukaufen, erhalte die Eurozone wieder den Anschein von Stabilität. Außerdem erzielte die EU im Dezember maßgebliche Fortschritte bei der Errichtung einer Bankenunion, nachdem sie zuvor einen weitreichenden Fiskalpakt vereinbarte.

Der europäische Rentenmarkt verzeichne derzeit eine Erholung. Im Januar hielten sich die Renditen zehnjähriger italienischer Anleihen weiter auf einem Zweijahrestief, weshalb viele ausländische Anleihegläubiger ihre Anteile aufgestockt hätten. Entsprechende spanische Papiere seien von ihrem im Juli 2012 erreichten Extrem um zwei Prozentpunkte zurückgefallen. Für Molumphy geht die Entspannung auf dem Rentenmarkt auf die Ankündigung des OMT-Programms durch die EZB zurück: „Das bedeutet unseres Erachtens, dass die Märkte vom künftigen Zusammenhalt Europas überzeugt sind.“ Der Rückgang der Renditen in Italien und Spanien spiegle aber möglicherweise zum Teil auch die Überzeugung der Marktteilnehmer wider, dass die Arbeitsmarktreformen zur Wiederherstellung der eingebüßten wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit beider Länder Fortschritte machten.

Nach wie vor fundamentale Probleme

Dennoch bestehen Molumphy zufolge weiterhin fundamentale Probleme: „Die Renditen französischer Anleihen waren in letzter Zeit deutlich niedriger als in Spanien oder Italien, obwohl Frankreich fast gleichermaßen mit strukturellen Problemen kämpft und vermutlich für längere Zeit hohe Defizite verzeichnen muss.“ Portugal, Spanien, Italien und Griechenland litten weiterhin unter negativem Wachstum gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit und Krisenstimmung in der Gesellschaft. Viele Beobachter sähen Südeuropa in einer Sparfalle, weshalb die EZB gezwungen gewesen sei, ihre Halbzeitprognose für das Wachstum in der Eurozone für dieses Jahr auf -0,3 Prozent herunter zu korrigieren.

(PD)

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