28.11.2012 15:00
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Schwellenländer-Guru Mobius: "Manche Investoren sind schizophren"

Mark Mobius-Interview
Am Kurs Chinas hängt das Schicksal einer ganzen Region. Wo der Altmeister der Schwellenländer-Anlage, Fondsmanager ­Mark Mobius, die größten Herausforderungen sieht.
€uro am Sonntag

von Lucas Vogel, Euro am Sonntag

Er ist einer der erfahrensten Investoren in den Schwellenländern. Seit 40 Jahren bewegt sich Mark Mobius in den aufstrebenden Märkten und managt von Hongkong aus knapp ein Dutzend Fonds. Auf welchem Kurs er China künftig sieht und wo er gute Investmentchancen ausmacht, da­rüber berichtet er im Interview.

€uro am Sonntag: Chinas Wachstum hat sich verlangsamt. Keine Spur mehr von zweistelligen Raten. Reichen sieben bis acht Prozent ­Zuwachs aus, um das Modell China weiter am Laufen zu halten, von dem so viel in Asien abhängt?
Mark Mobius:
Zunächst einmal vergessen viele: Die Verlangsamung des Wachstums war geplant. Es gab einfach zu viele Auswüchse des ­extremen Wachstumsmodells. Viel wichtiger ist aber nicht die Höhe des Wachstums, sondern wie es ab jetzt verteilt wird. Die Arbeitnehmer müssen einfach mehr Geld in die ­Tasche bekommen.

Denken Sie, der Partei wird dieser Strategieschwenk gelingen?
Hu Jintao, bis vor Kurzem Parteichef, hat es ja in seiner Rede zum 18. Volkskongress angesprochen: Das Ziel, das Pro-Kopf-Einkommen in acht Jahren zu verdoppeln, spricht für sich. Der nächste Fünfjahresplan wird sich vor allem darauf richten, den Wohlstand der Bürger zu mehren. Entscheidend für die Herrschaft der Partei wird aber auch die Eindämmung der Korruption sein. Denn mangelnde Glaubwürdigkeit und Korruption der Parteibeamten, das ist das größte Problem in China.

Während Chinas Aktienmarkt den Wachstumsraten der Wirtschaft in den vergangenen Jahren nicht ­folgen konnte, erlebten Aktionäre in südostasiatischen Ländern wie ­Indonesien und Malaysia eine sagenhafte Rally. Sind dieses Märkte mittlerweile zu teuer?
Tatsächlich sind die Bewertungen in Indonesien und Malaysia ziemlich hoch. Wir halten daher in unserem Fonds für asiatische Nebenwerte hauptsächlich Titel aus Korea, Indien und China. Wenn man Hongkong hinzuzählt, machen diese drei Länder mehr als 80 Prozent des Portfolios aus.

Und welche Branchen bevorzugen Sie derzeit?
Zum einen setzen wir weiter auf das Thema Verbraucher. Firmen aus den Bereichen Einzelhandel, Konsum und Tabak machen den größten Teil im Fonds aus. Die Entwicklung in China bestätigt uns in unserer Meinung, dass das Thema einer wachsenden Mittelschicht in Asien erhalten bleibt.

Und sonst?
Unternehmen in den Sektoren Baumaterial und Chemie wurden zuletzt stark abgestraft. Wir denken, hier gibt es Erholungspotenzial.

Wie unterscheidet sich der Markt für Nebenwerte von dem für Bluechips in den Schwellenländern?
Es gibt mehr Werte im Konsumbereich. Denn viele größere Konsum­unternehmen wurden von westlichen Konzernen geschluckt. Es gab in den Jahren 2009 und 2010 aber auch viele Börsengänge, und somit bieten sich jetzt zahlreiche Investmentmöglichkeiten.

Außerdem?
Der Anteil an Unternehmen, bei denen der Gründer oder seine Familie noch einen Großteil der Aktien besitzt, ist höher. Er liegt bei geschätzt 70 Prozent. Ein gutes Beispiel dafür, wie stark ehrgeizige Unternehmen wachsen können, ist Apollo Tyres aus Indien. Der Reifenhersteller legt beim Umsatz seit Jahren zweistellig zu und expandiert mit Akquisitionen ins Ausland.

Was sind die größten Risiken für Ihr Portfolio?
Für alle Schwellenländeraktien ist das größte Risiko ein abruptes Ende der lockeren Notenbankpolitik in den entwickelten Märkten. In den vergangenen Jahren ging die so geschaffene Liquidität auch in die Emerging Markets. Bei dem mittlerweile sehr niedrigen Zinsniveau in den westlichen Staaten kommen immer mehr institutionelle Investoren in die Schwellenländer.

Man müsste doch denken, dass sie dieses Risiko scheuen.
Sie sind schizophren. Einerseits scheuen sie schon das Risiko, können aus regulatorischen Gründen oft nur wenig in risikoreichere Anlageklassen investieren. Andererseits sind diese Investoren aber verzweifelt auf der Suche nach Renditen, die sie in den entwickelten Märkten kaum noch finden.

Bildquellen: Bloomberg
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