16.01.2013 09:43
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Marktkommentar: Tout vient à point à qui sait attendre

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Das Vertrauen in die Märkte scheint zurückgekehrt zu sein. Doch wird Frankreich, der angeblich „kranke Mann Europas“, bald genesen?

Der heutige Marktkommentar, aus gegebenem Anlass einmal mit einem französischen Titel. „Warum ,gegebener Anlass‘?“ mag der ein oder andere Leser denken, da die Herabstufung von Frankreichs Kreditwürdigkeit durch Moody‘s vom 19. November 2012 auf Aa1 nicht wirklich einen großen unmittelbaren Effekt auf die Rendite französischer Staatsanleihen hatte. Die ungewünschte Herabstufung durch S&P im Januar 2012 zeigte da durchaus größere Auswirkung. Der sogenannte „Kollateralschaden“, nämlich die konsequente Herabstufung der Euro-Rettungsschirme EFSF und ESM durch Moody’s, hat da schon potentiell höheren Schaden verursacht. Aber das wird letztendlich erst über die Zeit sichtbar werden.

Während der geneigte, durch Schulfranzösisch leidgeprüfte Leser ähnlich wie der Autor noch versucht, den Titel phonetisch einigermaßen korrekt wiederzugeben, hier schon mal die freie Übersetzung: Gut Ding will Weile haben! Aber auch dazu etwas später.

Dass der Autor eher zu den hoffnungslosen Optimisten zählt, mag sich bereits herumgesprochen haben. Aber nicht jeder Leser neigt zu der gleichen Weltsicht. Die Pessimisten unter ihnen sollten diesen Beitrag erst gar nicht zu Ende lesen, denn angeblich geht ja die Welt am 21. Dezember 2012 unter, da an diesem Tag der berühmte Maya-Kalender endet. Da lohnt es sich wirklich nicht, seine Zeit hiermit zu verschwenden. Die Optimisten hingegen sollten es mit Theodor Fontane halten, der sagte, dass ein Optimist ein Mensch sei, der ein Dutzend Austern bestellt in der Hoffnung, sie mit der Perle zu bezahlen, die er darin findet. In diesem Sinne: Lassen Sie uns gemeinsam nach den Perlen suchen! Wir scheinen ja auch jede Menge Gesellschaft beim Perlensuchen zu haben. Man hat den Eindruck, dass quasi die gesamte Europapolitik unter die Perlentaucher gegangen sei. Grafik 1 zeigt den Verlauf der Renditen der unterschiedlichen 10-jährigen Staatsanleihen seit Ausbruch der sogenannten „Euroschuldenkrise“. Interessant ist es festzustellen, dass in der Anfangsphase der Krise bis zum (bisherigen) Höhepunkt im Spätsommer 2011 die Aktionen der Politik (rote senkrechte Linien) scheinbar noch wenig Einfluss hatten, dieser im weiteren Verlauf aber merklich sichtbar wurde.

Besondere Aufmerksamkeit ist sicherlich der Rede des EZB-Präsidenten Draghi vom 26. Juli 2012 beizumessen, in der er nochmals sehr deutlich machte, dass die EZB bereit sei, „alles“ zu unternehmen, um den Euro-Zusammenhalt sicherzustellen. „And believe me, it will be enough.“ wird sicher ebenso einen festen Platz in der Sammlung der berühmten Zitate haben wie der „Make my day!“-Ausspruch des Harry Callahan.

So oder so, die mysteriösen Spekulanten scheinen aufgegeben zu haben, auf den Zerfall der Eurozone Wetten abzuschließen. Ähnlich wie „don’t fight the Fed“ scheint auch die europäische Zentralbank genug Kredibilität aufgebaut zu haben, um gemeinsam mit der Europäischen Politik den Fortbestand des Euros glaubhaft zu machen. Und gerade Letztere hat ja in den vergangenen zwei Jahren mehr vollbracht als selbst die kühnsten Europhilen erträumt hatten. Auch wenn es vielleicht manchem noch immer nicht schnell genug geht, „gut Ding will nun mal Weile haben“.

Der vollständige Marktkommentar im pdf-Dokument

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