11.01.2017 09:02
Bewerten
 (1)

Family Offices, Fondsboutiquen und Skin in the Game

Markus Hill-Kolumne: Family Offices, Fondsboutiquen und Skin in the Game | Nachricht | finanzen.net
Markus Hill-Kolumne
Markus Hill
"Nur Pessimisten schmieden das Eisen, solange es heiß ist. Optimisten vertrauen darauf, dass es nicht erkaltet" (Peter Bamm).
Geht man bei institutionellen Investoren von einem konstruktiven Pessimismus in Form von professionellem Risikomanagement aus, so kann die Betrachtung ergänzender Sichtweisen aus anderen Investorenkreisen bereichernd erscheinen. Welche Sichtweise findet man bei oft bei Family Offices und unabhängigen Vermögensverwaltern? Gibt es Ansätze, bei denen zusätzliche Aspekte beim Investieren eine Rolle spielen können?

Aufgaben

Klassische institutionelle Investoren sowie Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter begleiten ähnliche Aufgaben. Beispiele: Asset Allocation, Produkt- bzw. Manager-Selektion, Risikomanagement. Inwiefern und in welcher Tiefe selber aktives Management für die Kunden beziehungsweise Auftraggeber betrieben wird kann sich hier unterscheiden. Ein besonderer Bereich stellt zusätzlich der Einsatz hauseigener Produkte dar (z. B. "Unternehmerfonds", konzerneigene Manager bei Versicherungen etc.). Die Grenzen zwischen "Nur-Allokation", aktivem und passiven Management erscheinen hier oft fließend.

Zeithorizonte

Institutionelle wie auch Family Offices und konzernunabhängige Vermögensverwalter ("Fondsboutiquen") verfolgen in der Regel einen langfristigen Investmentansatz. Zumindest ergibt sich auf der Aufgabenstellung dieser Sachverhalt. Aufgrund von Entscheidungsstrukturen kann diese Langfristdenke oft unterschiedlich gelebt werden. Ein Beispiel: Entscheider in größeren Organisationen sind häufiger aufgrund von Regulierung und anderer Vorgaben interner und externer Art im Entscheidungspielraum eingeschränkter als kleine, "windschnittige" Einheiten. Extrembeispiel: Prinzipal bei Single Family Office versus Anlagegremium bei Versicherung. Dies sagt zunächst wenig über die letztendliche Güte und Professionalität der Entscheidung aus - einen Einfluss auf Geschwindigkeit und Flexibilität von Entscheiden bei Anlageentscheidungen lässt sich hier unterstellen.

Risikoeinstellung und Skin in the Game

Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter gehen bei bestimmten Anlageentscheidungen zusätzliche Risiken ein, die durch Langfristdenke oft kompensiert wird. Ein möglicher Grund: Bei Multi Family Offices und diesen Vermögensverwaltern werden Investments häufig auch dritten Parteien in Form von Eigenprodukten angeboten (Family Office-Fonds, Unternehmerfonds). Dieser Sachverhalt hat einen Einfluss auf den Due Diligence-Prozess bei Investoren. Zusätzliche Freiheit kann zu höherem Risiko führen. Mit dem eigenen Geld Co-Investoren einzuladen (Skin in the Game), kann zu riskanten Entscheidungen führen. Geht man jedoch von den Investorengruppen aus, die man oft im Family Office-Bereich findet oder bei Fondsboutiquen mit klassischer Vermögensverwaltereigenschaft, so kann man auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen: Eigentümergeführte Unternehmen als Investoren haben Vermögen erarbeitet, dass nun mit angemessener Renditevorstellung auch wachsen und erhalten bleiben soll - durch Eigenbeteiligung bei Investments wird ein Signal mit dem Einsatz der eigenen Reputation und eigener Mittel gegeben.

Fazit

Flexible Entscheidungsprozesse und erhöhte Risikofreudigkeit bei Investmententscheidungen sind nicht der einzige Faktor für den Anlageerfolg. Es kann sich für den klassischen institutionellen Investor lohnen, verstärkt die Expertise von unabhängigen Anbietern mit Skin in the Game-Expertise anzusehen. Ob Eigenproduke von Family Offices, Unternehmerfonds oder die klassischen Fondsboutiquen - ein persönlicher Gedankenaustausch mit diesen Investoren lohnt sich, gibt zusätzliche Anregung, ganz im Sinne von Goethe: "Was man nicht bespricht, bedenkt man auch nicht recht".

Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Fondsfinder

Suchen

Heute im Fokus

DAX geht fester ins Wochenende -- Dow Jones mit Verlusten -- Merck-Mittel Avelumab erhält FDA Zulassung zur Behandlung von MCC -- Aumann, Deutsche Börse im Fokus

Frankreich: Arbeitslosigkeit geht nur leicht zurück. Absage eines Partners sorgt bei Biotest-Anleger für Verdruss. Reederei Hapag-Lloyd macht Verlust. Theranos verschenkt Aktien an Investoren - wenn die versprechen, nicht zu klagen. Fondsmanager weiterhin optimistisch für Aktien. Das läuft bei der Deutschen Bank falsch. LEONI-Aktie schließt Gap aus 2015. Russische Notenbank senkt Leitzins. Bundestag beschließt Pkw-Maut.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Familienunternehmen: Rendite und Sicherheit!

Zwischen Eigentümern und Managern eines Unternehmens besteht häufig ein Interessenskonflikt hinsichtlich kurz- und langfristiger Ziele. Familien- und eigentümergeführte Unternehmen haben solche Konflikte meist nicht. Für Aktionäre sind solche Unternehmen daher meist eine lohnenswerte Investitionsmöglichkeit. Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, welche drei Familienunternehmen einen näheren Blick wert sind.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Umfrage

Welche Risikopräferenz haben Sie beim Kauf eines Wertpapiers? Welcher der drei folgenden Risikoklassen würden Sie sich persönlich zuordnen?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Volkswagen AG Vz. (VW AG)766403
BASFBASF11
BayerBAY001
Scout24 AGA12DM8
Allianz840400
E.ON SEENAG99
Deutsche Telekom AG555750
Apple Inc.865985
BMW AG519000
Infineon Technologies AG623100
adidas AGA1EWWW
CommerzbankCBK100
Siemens AG723610