29.10.2012 13:40
Bewerten
(14)

Real Assets und Family Offices – „konstruktiver Attentismus“ als möglicher Investmentansatz

Markus Hill Kolumne: Real Assets und Family Offices – „konstruktiver Attentismus“ als möglicher Investmentansatz | Nachricht | finanzen.net
Markus Hill-Kolumne
Markus Hill
DRUCKEN
Erneuerbare Energien, Agrarinvestments, Forstwirtschaft und diverse andere Real Asset-Komponenten („Sachwerte“) haben mittlerweile Mainstreamcharakter in der täglichen Berichterstattung.
Kontroverse Diskussionen über die sogenannte Energiewende in Deutschland finden ebenso regelmäßig statt wie auch die Diskussion in der Fachpresse über attraktive Investmentmöglichkeiten und über adäquate Produktverpackungen. Die Branche vergibt Attraktivitätspunkte für Investorengruppen. Eine der vielleicht nicht am wenigsten attraktiven Gruppen scheinen Family Offices zu sein. Eine Frage, die sich vielleicht stellt: Rennt man dort eigentlich offene Türen ein mit „Vehemenz“ in der Produktpräsentation von Real Asset-Produkten seitens der Produktanbieter aus In- und Ausland?

Entscheidungssituation

Investmentfelder wie Erneuerbare Energien (Windkraft, Solarenergie, Biotreibstoffe etc.), Infrastruktur, Immobilien sowie Forst- und Agrarinvestments erinnern in ihrer Ausgestaltung oft eher an Projektfinanzierungen bzw. Direktinvestments, sofern man an dieser Stelle einmal die bekannten SRI-Anlageinstrumente wie Aktien, Renten und Fonds weniger intensiv betrachtet (Transparenzvorteil: Datenbanken, Research – Nachteil: Kriterien Diskussion). Verkürzt dargestellt: Bei komplexen Investmentstrukturen und bei fehlendem Branchen-Know-how betrachten viele Produktentscheider aus Family Offices eine Black Box: Investiere ich in ein Projekt oder ein Bündel von Projekten, dann investiert man häufig „unternehmerisch“ mit einer Zusatzkomponente Illiquidität (zumindest temporär). Die Managementqualitäten von in- oder ausländischem Produktanbieter müssen evaluiert werden. Branchenspezifische Eigenheiten müssen berücksichtigt werden, Produktverpackungen müssen bewertet werden. Komplexitätsreduktion beim Produktauswahlprozess erscheint notwendig.

Family Offices und Risikomanagement

Diskutiert man mit Vertretern von Family Offices über klassische Investmentprodukte oder über scheinbar neue Real Asset-Produktvarianten wird eine Sache schnell klar: Langfristorientierung bei der Investmentpolitik, „moderat-realistische“ Ertragsvorstellungen und ein starker Risikomanagementgedanke stehen dort im Fokus des Produktauswahlverfahrens. Bereits gemachtes Vermögen soll erhalten werden, natürlich widerspricht dies nicht dem Wachstumsziel. Auf einen Wert von Ausgleich der realen Inflationsrate & Faktor „x“ kann man sich einigen. Wachstum durch operative Hektik bei Allokationsentscheidungen oder die blinde Gefolgschaft gegenüber Produkten sind hier fehl am Platz. Als verantwortlicher Verwalter von Mandantengeldern gilt hier das Motto: In der Ruhe liegt die Kraft!

Regulierung und Risikomanagement

Gegenwärtige Trends im Bereich Regulierung kommen dem Primat des Risikomanagement-Gedankens bei Family Offices entgegen. Stichworte: AIFM, Geschlossene Fonds. Viele der oben genannten Real Asset-Investionsangebote werden derzeit häufig im Produktmantel Geschlossene Fonds angeboten. Durch die AIFM-Richtlinie geraten hier Felder wie Transparenz, Auslagerung, Organisation, Verwahrung und Eigenkapital in den Mittelpunkt der Diskussion. Produktanbieter in diesem Feld müssen derzeit ihr Geschäftsmodell prüfen. In Zukunft werden klassische Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, Hauck & Aufhäuser, Union Investment etc. in diesem Themenfeld eine größere Bedeutung gewinnen.

Durch die aktuelle „Regulierungsdichte“ im Bereich der Kapitalanlagegesellschaften und durch deren Erfahrungen an verschiedenen Fondsstandorten sowie durch Regulierungs- und Reporting-Know-how im Real Asset-Bereich qualifizieren sich Kapitalanlagegesellschaften immer stärker als geeigneter Diskussionspartner für institutionelle Investoren, wie zum Beispiel Family Offices.

Ausblick: Konstruktiver Attentismus und Prozess des Entdeckungsverfahrens

In- und ausländische Produktanbieter im Bereich Real Assets scheinen derzeit durch Ertragsdruck bei bestimmten Investorenkreisen und durch Ertragsdruck im Produktanbieterkreis zu erhöhter Aktivität ermutigt zu werden. Vergessen wird bei dem Kommunikationssetting Family Office und Produktanbieter häufig, das auch Produktentscheider nur Menschen sind, die ökonomisch mit dem Faktor Zeit und Information umgehen müssen. Auf beiden Seiten kann hierdurch Frustration entstehen, Produktabsatzerfordernisse stehen oft im Gegensatz zum Investorenbedürfnis. Da die Vielfalt der Produktvarianten „Real Assets“ auch ein Entdeckungsverfahren hinsichtlich Know-how und Selektionsprozess (z. B. intern oder extern?) darstellen, kann man für die Mandaten mancher Family Offices eine Variante zum Zeitgewinn favorisieren: Investments in Real Assets – „konstruktiver Attentismus“ als Weg zum organischen Aufbau von Know-how!

Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Melden Sie sich jetzt an!

Roboter, Geräte mit künstlicher Intelligenz und automatisierte Maschinen sind bereits Teil unseres Lebens. Wie Anleger mit ETFs in diese Megatrends investieren können, erläutert Patrick Doser von BlackRock im "Webinar for professionals" am 27. November.
Hier zum "Webinar for professionals" anmelden!

Fondsfinder

Suchen

Heute im Fokus

DAX schließt rot -- Dow geht schwächer aus dem Handel - Deutsche Bank warnt vor Bitcoin -- Tesla bringt pro Stunde eine halbe Million Dollar durch -- Salesforce enttäuscht -- Uniper, BASF im Fokus

Fed-Protokoll: Nächste Zinserhöhung scheint sicher, aber Inflationssorgen bleiben. ProSieben-Aktie dürfte vorerst im DAX bleiben - GERRY WEBER im SDAX akut gefährdet. Deutsche Bank sieht US-Aktien auch 2018 auf Wachstumskurs. Disneys Streamingdienst soll viel preisgünstiger werden als Netflix. Android-Geräte betroffen: Bot räumt deutsche Konten leer.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Payment-Trend: Der Vormarsch von digitalen Zahlungsabwicklern

Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, warum vor allem asiatische Unternehmen beim Mobile-Payment eine wichtige Rolle spielen und welche Aktien vom mobilen Bezahlen profitieren könnten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Umfrage

Sind Sie in Bitcoins investiert?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
EVOTEC AG566480
BYD Co. Ltd.A0M4W9
AIXTRON SEA0WMPJ
BP plc (British Petrol)850517
GeelyA0CACX
Sabina Gold & Silver Corp.A0YC9U
Apple Inc.865985
Nordex AGA0D655
Infineon AG623100
Deutsche Telekom AG555750
CommerzbankCBK100
TeslaA1CX3T