Michael Gordon, Fidelity: "In Asien sitzen die Unternehmen auf Bergen von Cash"
"Die Asiaten haben schlichtweg immer mehr Geld zur Verfügung"
FundResearch: Ist die Lust am Geldausgeben, wie wir es am Beispiel Hongkong sehen, ein chinesisches Phänomen, oder sieht es in anderen asiatischen Ländern ähnlich aus?
Gordon: China und Hongkong ragen heraus. Das Geld sitzt aber auch den Menschen in den anderen Ländern locker in den Taschen. In Taiwan beispielsweise oder auch in Singapur. Wir haben es mit einem Trend zu tun, der den ganzen Kontinent erfaßt hat. Die Asiaten haben schlichtweg immer mehr Geld zur Verfügung – weil die Arbeitslosigkeit abnimmt und die Einkommen zulegen. Einzig Korea hinkt noch etwas hinterher. Aber auch da sieht man schon erste positive Zeichen am Horizont.
"In Asien sind viele marktwirtschaftliche Veränderungen im Gange"
FundResearch: Der Kaufrausch sollte doch die Börsen beflügeln?
Gordon: Ja. Es sind aber mehrere Themen, die die Börsen in Asien anschieben: Der starke Konsum ist das eine, strukturelle Veränderungen, Unternehmensfusionen und die besseren Bilanzen der Firmen sind andere Aspekte. Daß sich an den Strukturen viel tut, sehen wir vor allem in Südostasien: In Thailand wird der Telekomsektor dereguliert, in Malaysia und Singapur forcieren die staatseigenen Mega-Unternehmen Khazannah und Temasek ihre Investments. Und in Korea werden die Restriktionen für Pensionskassen beim Aktienkauf gelöst. Da sind viele marktwirtschaftliche Veränderungen im Gange, die den Börsen nur guttun werden.
"So solide wie heute standen asiatische Unternehmen selten da"
FundResearch: Sie sagten, die Unternehmensbilanzen hätten sich verbessert. Vor nicht allzu langer Zeit, waren asiatische Unternehmen für genau das Gegenteil berüchtigt.
Gordon: Das ist Vergangenheit. So solide wie heute standen asiatische Unternehmen selten da. Die Verschuldung ist im Schnitt auf dem niedrigsten Niveau seit 20 Jahren. Geschafft wurde das in Rekordzeit. Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß die Asienkrise gerade einmal sechseinhalb Jahre zurückliegt, und die Verschuldung damals noch auf Rekordniveau war. Jetzt sitzen die Firmen auf unglaublichen Bergen von Cash. Das wird investiert oder macht sich durch Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe für den Anleger bezahlt. Das ist übrigens auch neu für Asien - das Wort Dividende gehörte bisher nicht in den Börsen-Wortschatz in Fernost. Die neue Solidität hat darüber hinaus auch einen interessanten Nebeneffekt: Asiatische Unternehmen sind perfekte Übernahmekandidaten. 2004 war bereits ein Jahr, in dem es zu vielen Übernahmen kam. Doch das war erst der Anfang. Wir werden jede Menge weiterer Fusionen und Aufkäufe zu sehen bekommen.
"Die Bank of China macht bisher einen hervorragenden Job"
FundResearch: Trotzdem haben die Kurse vergangenes Jahr heftig geschwankt. Vor allem bei China-Aktien ging es rauf und runter.
Gordon: Es gibt natürlich auch Risiken. Die Kurse wackelten 2004 vor allem deswegen, weil die Bank of China Mitte des Jahres die Kreditvergabe an bestimmte Sektoren verknappte. Die Investoren bekamen darauf Angst, daß die Konjunktur abgewürgt würde. Für die Notenbank ist das eine Gratwanderung. Zum einen braucht das Land das starke Wachstum, weil man hohe Kapazitäten aufgebaut hat. Und zum anderen muß eine Überhitzung und damit eine stark steigende Inflation verhindert werden. Die Bank of China bekommt das bisher aber hervorragend hin.
"Die Inflation ist im grünen Bereich"
FundResearch: Die Inflation liegt für Gesamtasien inzwischen bei 3,8 Prozent. Kein Grund zur Sorge?
Gordon: Die Inflation hat in der Tat kräftig zugelegt. Vor allem in China, Indonesien und den Philippinen. Die hohen Rohstoffpreise und Frachtraten sind ein Grund. Doch noch läuft das nicht aus dem Ruder, die Werte sind im grünen Bereich.
FundResearch: Ist die Lust am Geldausgeben, wie wir es am Beispiel Hongkong sehen, ein chinesisches Phänomen, oder sieht es in anderen asiatischen Ländern ähnlich aus?
Gordon: China und Hongkong ragen heraus. Das Geld sitzt aber auch den Menschen in den anderen Ländern locker in den Taschen. In Taiwan beispielsweise oder auch in Singapur. Wir haben es mit einem Trend zu tun, der den ganzen Kontinent erfaßt hat. Die Asiaten haben schlichtweg immer mehr Geld zur Verfügung – weil die Arbeitslosigkeit abnimmt und die Einkommen zulegen. Einzig Korea hinkt noch etwas hinterher. Aber auch da sieht man schon erste positive Zeichen am Horizont.
"In Asien sind viele marktwirtschaftliche Veränderungen im Gange"
FundResearch: Der Kaufrausch sollte doch die Börsen beflügeln?
Gordon: Ja. Es sind aber mehrere Themen, die die Börsen in Asien anschieben: Der starke Konsum ist das eine, strukturelle Veränderungen, Unternehmensfusionen und die besseren Bilanzen der Firmen sind andere Aspekte. Daß sich an den Strukturen viel tut, sehen wir vor allem in Südostasien: In Thailand wird der Telekomsektor dereguliert, in Malaysia und Singapur forcieren die staatseigenen Mega-Unternehmen Khazannah und Temasek ihre Investments. Und in Korea werden die Restriktionen für Pensionskassen beim Aktienkauf gelöst. Da sind viele marktwirtschaftliche Veränderungen im Gange, die den Börsen nur guttun werden.
"So solide wie heute standen asiatische Unternehmen selten da"
FundResearch: Sie sagten, die Unternehmensbilanzen hätten sich verbessert. Vor nicht allzu langer Zeit, waren asiatische Unternehmen für genau das Gegenteil berüchtigt.
Gordon: Das ist Vergangenheit. So solide wie heute standen asiatische Unternehmen selten da. Die Verschuldung ist im Schnitt auf dem niedrigsten Niveau seit 20 Jahren. Geschafft wurde das in Rekordzeit. Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß die Asienkrise gerade einmal sechseinhalb Jahre zurückliegt, und die Verschuldung damals noch auf Rekordniveau war. Jetzt sitzen die Firmen auf unglaublichen Bergen von Cash. Das wird investiert oder macht sich durch Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe für den Anleger bezahlt. Das ist übrigens auch neu für Asien - das Wort Dividende gehörte bisher nicht in den Börsen-Wortschatz in Fernost. Die neue Solidität hat darüber hinaus auch einen interessanten Nebeneffekt: Asiatische Unternehmen sind perfekte Übernahmekandidaten. 2004 war bereits ein Jahr, in dem es zu vielen Übernahmen kam. Doch das war erst der Anfang. Wir werden jede Menge weiterer Fusionen und Aufkäufe zu sehen bekommen.
"Die Bank of China macht bisher einen hervorragenden Job"
FundResearch: Trotzdem haben die Kurse vergangenes Jahr heftig geschwankt. Vor allem bei China-Aktien ging es rauf und runter.
Gordon: Es gibt natürlich auch Risiken. Die Kurse wackelten 2004 vor allem deswegen, weil die Bank of China Mitte des Jahres die Kreditvergabe an bestimmte Sektoren verknappte. Die Investoren bekamen darauf Angst, daß die Konjunktur abgewürgt würde. Für die Notenbank ist das eine Gratwanderung. Zum einen braucht das Land das starke Wachstum, weil man hohe Kapazitäten aufgebaut hat. Und zum anderen muß eine Überhitzung und damit eine stark steigende Inflation verhindert werden. Die Bank of China bekommt das bisher aber hervorragend hin.
"Die Inflation ist im grünen Bereich"
FundResearch: Die Inflation liegt für Gesamtasien inzwischen bei 3,8 Prozent. Kein Grund zur Sorge?
Gordon: Die Inflation hat in der Tat kräftig zugelegt. Vor allem in China, Indonesien und den Philippinen. Die hohen Rohstoffpreise und Frachtraten sind ein Grund. Doch noch läuft das nicht aus dem Ruder, die Werte sind im grünen Bereich.


