NEUE DEKADE - SERIE TEIL 3
Die nächste Blase kommt bestimmt

Anleger müssen auch in Zukunft mit spekulativen Übertreibungen rechnen
Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken befeuert die Finanzmärkte. Anleger müssen daher auch in Zukunft mit spekulativen Übertreibungen rechnen.von Peter Gewalt, Euro am Sonntag
IWF-Chef Jean-Dominique Strauss-Kahn sieht sie
kommen, Morgan-Stanley - Investmentstratege Stephen Roach erwartet sie, Allianz-Boss Michael Diekmann warnt vor ihr. Nur zwei Jahre nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA ist es nach Meinung vieler Experten nur noch eine Frage der Zeit, bis die nächste spekulative Übertreibung die Finanzmärkte überrollt.
Nur in welchem Markt die Asset Price Bubble auftaucht und wie weit die Bewertungsanomalie schon vorangeschritten ist, darüber herrscht Unsicherheit. Allerdings gelten Rohstoffnotierungen und Schwellenländeraktien nach ihren aufsehenerregenden Gewinnen 2009 als potenzielle Kandidaten für ein Überschießen der Bewertungen.
Diese Übertreibungsphasen sind für Anleger ein zweischneidiges Schwert. Das eingesetzte Kapital kann während der Übertreibungsphasen rasant vermehrt, aber ebenso schnell vernichtet werden. So legte die Nasdaq während der Techblase um 170 Prozent zu, danach stürzte der US-Technologieindex um knapp 80 Prozent ab. Beim japanischen Aktienmarkt waren in den 80er-Jahren über 700 Prozent Gewinn möglich. Zwei Jahrzehnte später notiert der Nikkei aber weiterhin 70 Prozent unter dem damaligen Höchststand.
Boom- und Bustphasen sind seit jeher feste Bestandteile der Finanzmärkte. In den vergangenen Jahrzehnten traten Asset Price Bubbles allerdings immer häufiger auf. „Früher sahen Fondsmanager im Lauf ihrer Karriere vielleicht eine Blase“, resümiert DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen in der Zeitschrift „Das Investment“, „ich bin schon in der vierten.“ Inzwischen wird angenommen, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Blase entwickelt hat, die von Kontinent zu Kontinent, von Vermögensklasse zu Vermögensklasse springt. Von Japans Immo- und Aktienmarktboom hin zu der Asien-Rally in den 90er-Jahren über die Dotcom-Euphorie zur Jahrtausendwende bis zum US-Häusermarkt- und Ölpreisboom 2008. Heute gibt es wieder starke Übertreibungen am asiatischen Immobilienmarkt.
Die Schuldigen der Wanderblase sind schnell ausgemacht. Dank der Politik des billigen Geldes der Zentralbanken, allen voran der US-Notenbank Fed, ist es seit Anfang der 80er-Jahre für Investoren kontinuierlich günstiger geworden, sich Geld zu leihen. „Gleichzeitig hat die Globalisierung mit niedrigen Inflationsraten unter anderem dafür gesorgt, dass sich bei den Anlegern ein Zuviel an Optimismus aufgebaut hat“, sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit.
Laut US-Wirtschaftshistoriker Charles Kindelberger gehört neben dem Herdentrieb der Investoren aufgrund irrationaler Gewinnerwartungen reichlich Liquidität zu den Voraussetzungen einer Blasenentstehung. Ist Kapital im Überfluss vorhanden, sucht es lukrative Anlagemöglichkeiten. Es wird investiert – in Aktien, Immobilien oder Kreditpapiere. Die Nachfrage treibt den Preis hoch, die steigenden Kurse locken neue Investoren an.
Angesichts der aktuellen Nullzinspolitik der westlichen Notenbanken wächst daher die Gefahr eines erneuten Überkochens bestimmter Assetklassen. „Die größten Gefahren für Blasen an den Finanzmärkten gehen gegenwärtig von den niedrigen Zinssätzen aus, zu denen die Notenbanken aufgrund der Finanzkrise gezwungen waren“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank.
Und eine generelle Änderung der Notenbankpolitik ist erst einmal nicht zu erwarten, auch wenn die Zinsen in diesem Jahr wohl ein wenig angehoben werden. Schließlich würden zu hohe Zinsen die ohnehin angespannte Finanzsituation vieler Staaten belasten. Gleichzeitig sind kurzfristig keine Inflationsgefahren zu erwarten, ein Dreh an der Zinsschraube ist nicht notwendig. Ein ideales Umfeld für die Aktien- und Anleihemärkte, die sich nach dem Absturz 2008 kräftig erholt haben.
Bildquellen: Creativ Collection
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