von Andreas Höß, Euro am Sonntag
Ein schweres Erbe übernahm Norman Boersma im März 2011: die Verantwortung für den knapp 15 Milliarden Dollar schweren Templeton Growth Fund. 1954 von Sir John Templeton aufgelegt, galt der global anlegende Aktienfonds über Jahrzehnte als Synonym für gewinnbringendes Investieren. Doch von diesem Nimbus blieb in den vergangenen Jahren wenig übrig. Eine über weite Strecken unterdurchschnittliche Wertentwicklung und häufigere Fondsmanagerwechsel nagten am Ruf. Boersma trat an, das zu ändern.
Tatsächlich zeigen sich in diesem Jahr die ersten Früchte seiner Arbeit. In der Fondsstatistik hat sich der Templeton Growth wieder weit nach vorn gearbeitet. Aktuell zählt er in seiner Kategorie zu den besten fünf Prozent. An der grundsätzlichen Anlagestrategie hat Boersma nichts geändert. Noch immer investiert der Fonds weltweit in unterbewertete Aktien, sogenannte Value-Werte. Doch Boersma setzte klare und auch mutige Anlageakzente.
Insbesondere hat der Kanadier mit holländischen Wurzeln viele europäische Titel ins Depot genommen. Darunter auch heruntergeprügelte Bankaktien aus Italien und Frankreich. Denn Boersma ist überzeugt, dass die Politik alles tun wird, um die Währungsunion zu retten. Auch Pharmawerte wie Pfizer oder Roche hat er hoch gewichtet. In diesen Titeln erkennt er noch weiteres Kurspotenzial, wenn die Unternehmen es schaffen, erfolgreich Kosten zu kappen. Generell will der 54-Jährige „den kurzfristigen Fokus der Börsen nutzen, um langfristig Wert zu finden“. Dem Templeton Growth kann dieser konträre Ansatz nur guttun.
Bildquellen: ArtisticPhoto / Shutterstock.com