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19.01.2009 14:45

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Nils Ernst, DWS: "US-Aktien werden wieder steigen – auch langfristig"


Am Dienstag wird Barack Obama neuer US-Präsident. Wir fragten DWS-Fondsmanager Nils Ernst, was Obama für Konjunktur und US-Aktien bewirken kann. Ernst managt den DWS Nordamerika (WKN 849089) und den DWS Globale Sterne (WKN 515244).

"Obama steht für Tatkraft"

? Herr Ernst, wie stark wird die US-Wirtschaft vom neuen Präsidenten Barack Obama profitieren?

Nils Ernst: In der Amtsübernahme darf man kein Allheilmittel für alle aktuellen Probleme sehen. Der Machtwechsel könnte sich aber positiv auf die amerikanische Wirtschaft auswirken.

? Welche Impulse sind zu erwarten?

Ernst: Die Person Obama steht für eine gewisse politische Klarheit und für Tatkraft. Die politischen Organe arbeiten beim Kampf gegen die Krise eng zusammen und Obama beteiligt sich schon jetzt daran, obwohl er noch nicht im Amt ist. Dazu kommt eine eher psychologische Komponente. Viele Amerikaner sehen in ihm einen Mann, der sie in der Bewältigung der Krise anführen kann.

"Es gibt keinen Präzedenzfall zur jetzigen Krise"

? Reichen die Maßnahmen aus, mit denen die Konjunktur angekurbelt werden soll?

Ernst: Die Größe der Konjunkturhilfen ist enorm. Die staatlichen Unterstützungen und die Aktionen der US-Notenbank summieren sich auf einen Betrag von 8,5 Billionen Dollar. Dennoch kann man noch nicht sagen, ob das ausreicht.

? Weshalb?

Ernst: Die aktuelle Situation ist völlig neu. Es gibt keinen Präzedenzfall. Die Absicht hinter dem Konjunkturpaket ist klar: Massive Ausgaben von Seiten des Staates sollen die durch die private Konsumschwäche entstandene Nachfragelücke füllen. Ob das wie erwartet funktioniert, wird sich zeigen.

"Das Geld muss schnell dort ankommen, wo es gebraucht wird"

? Worauf kommt es bei den Maßnahmen an?

Ernst: Wichtigster Faktor ist die Geschwindigkeit. Das Geld muss schnell dort ankommen, wo es gebraucht wird. Das kann zum einen durch die erneute Versendung von Steuerschecks geschehen. Zum anderen sollten die Bundesstaaten Mittel erhalten, denn sie wissen am besten, wo Bedarf besteht.

? Was ist mit dem großen Infrastrukturpaket, das Obama angekündigt hat?

Ernst: Das hat zwar auch eine immense Größe, doch es rangiert bei der Schnelligkeit sehr weit hinten. Bis das Geld aus diesem Programm in der Wirtschaft ankommt, vergeht viel Zeit, denn Infrastruktur erfordert langfristige Planungen. Ich betrachte es also zwiespältig.

"Bei US-Autobauern wird nur weiteres Geld verheizt"

? Wie beurteilen Sie die Hilfen für die Autobauer?

Ernst: Die sehe ich kritisch. Hier wird zu wenig strukturell verbessert. Um den Automobilkonzernen zu helfen, wurden ihnen ganz banal Kredite versprochen. Dadurch wird aber nur weiteres Geld verheizt, ohne wirklich etwas am Dilemma zu ändern?

? Wo liegt das Problem?

Ernst: Da ist zum einen die Konsumschwäche, die Verbraucher unter anderem vom Autokauf abhält. Zum anderen sind die amerikanischen Autobauer aber auch selbst Schuld an ihrer Misere. Ihre Fahrzeuge sind nicht mehr wettbewerbsfähig und das Lohnniveau ist viel zu hoch.

"Noch ist die Konjunkturerholung ein zartes Pflänzchen Hoffnung"

? Die wirtschaftliche Lage ist die eine Seite, die Situation an den Börsen die andere. Was bedeutet all das für die Aktienkurse?

Ernst: Sobald wir Erholungstendenzen bei der amerikanischen Wirtschaft sehen, werden die Kurse wieder steigen.

? Das klingt relativ vage.

Ernst: Noch ist das ein zartes Pflänzchen Hoffnung. Doch Mitte bis Ende 2009 könnte sich die US-Wirtschaft etwas entspannen. Dies würden die Märkte sofort honorieren.

? Wie deutlich müssten diese Erholungstendenzen ausgeprägt sein?

Ernst: Schon leichte Erholungen würden Wirkung zeigen. Es wäre ausreichend, wenn sich der freie Fall der Wirtschaft, den viele Kennzahlen aktuell signalisieren, verlangsamte.

"Die Kurse werden wieder steigen – auch langfristig"

? Wie bewerten Sie den amerikanischen Aktienmarkt im globalen Kontext?

Ernst: Als sehr attraktiv.

? Woher kommt dieser Optimismus? Die Krise ist doch gewaltig in den USA.

Ernst: Das stimmt. Doch mit ihrer Bewältigung sind die Vereinigten Staaten bereits einen Schritt weiter als die übrigen Nationen. Sie dürfen nicht vergessen, dass sich der US-Markt bereits seit Sommer 2007 mit der Krise befasst.

? Und das reicht aus, um besser dazustehen als die übrigen Märkte?

Ernst: Ja. Der US-Aktienmarkt ist der größte und effizienteste der Welt. Die Börsen haben sich mit dem wirtschaftlichen Abschwung schon lange beschäftigt und ihn zügig eingepreist. Noch ist nicht klar ersichtlich, wann eine Erholung einsetzen wird. Doch die Kurse werden wieder steigen – auch langfristig. So wie die Krise in Amerika begonnen hat, wird der US-Markt letzten Endes den Weg aus der Krise weisen.

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