Pioneer Investments traf FundResearch Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert Engle. In Wien sprachen wir mit ihm über die Vorteile der Dollar-Schwäche und seine Vorliebe für eine US-Ökosteuer. 17.12.2007">Pioneer Investments traf FundResearch Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert Engle. In Wien sprachen wir mit ihm über die Vorteile der Dollar-Schwäche und seine Vorliebe für eine US-Ökosteuer. 17.12.2007">Nobelpreisträger Robert Engle: "Der Dollar ist unterbewertet" 17.12.2007 | Nachricht | finanzen.net

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17.12.2007 15:19

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Nobelpreisträger Robert Engle: "Der Dollar ist unterbewertet"


Beim 2. Europäischen Kolloquium von Pioneer Investments traf FundResearch Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert Engle. In Wien sprachen wir mit ihm über die Vorteile der Dollar-Schwäche und seine Vorliebe für eine US-Ökosteuer.

"Ich erwarte keine US-Rezession"

FundResearch: Herr Professor Engle, viele Fachleute erwarten für 2008 eine Rezession in den USA. Sie auch?

Robert Engle: Die amerikanische Wirtschaft wächst bereits langsamer. Deshalb hat die US-Notenbank die Leitzinsen gesenkt. Das war richtig so. Auf der anderen Seite profitieren Amerikas Exporteure vom schwachen Dollar.

FundResearch: Welcher Effekt überwiegt?

Engle: Die Exporte. Ich erwarte daher keine Rezession.

FundResearch: Durch den schwachen Dollar importieren die Amerikaner jedoch auch Inflation.

Engle: Ich erwarte daher auch, dass wir ein bisschen mehr Inflation sehen werden.

"Ich würde jetzt Dollar-Anlagen besitzen wollen"

FundResearch: Sehen Sie das Risiko einer Stagflation? Also eine Situation, in der die Wirtschaft stagniert, aber die Inflation anzieht.

Engle: Eine solche Situation kann man nicht ausschließen. Aber ich halte es für realistischer, dass die US-Wirtschaft wachsen wird.

FundResearch: Der Dollar hat seit 2001 massiv zum Euro verloren. Hält dieser Trend an?

Engle: Mittlerweile halte ich den Dollar für unterbewertet. Als Anleger aus dem Euro-Raum würde ich jetzt Dollar-Anlagen besitzen wollen. In einigen Jahren werden sich viele Menschen wahrscheinlich ärgern, dass sie 2007 keine US-Anlagen gekauft haben. Anleger sollten nicht so lange warten, bis die US-Wirtschaft sich wieder erholt.

"Zertifikate weisen Parallelen mit Las Vegas auf"

FundResearch: Wie investieren Sie persönlich?

Engle: Ich besitze vor allem US-Aktien, aber auch einige ausländische Titel. Dabei bin ich ein langfristiger Investor.

FundResearch: Was halten Sie von Zertifikaten, die in Deutschland sehr populär sind?

Engle: Es geht hier um das Prinzip des Wettens. Macht eine Aktie dies, bekommst Du Geld. Falls nicht, ist es vielleicht weg. Das ist ähnlich wie in Las Vegas. Viele Privatanleger verstehen nicht, worin sie eigentlich investieren. Die Anbieter haben hier einen großen Informationsvorsprung, den sie ausnutzen können.

"Wer investiert, muss mit Verlusten rechnen"

FundResearch: Auch Experten sind nicht gegen Verluste gefeit. Das hat die Subprime-Krise gezeigt, bei der viele Banken Geld verloren haben.

Engle: Wer investiert, muss mit Verlusten rechnen. Zum Beispiel, wenn er sich verkalkuliert. Das gehört dazu. Bei der Subprime-Krise haben sich indes auch erfahrene Anleger täuschen lassen.

FundResearch: Was meinen Sie damit?

Engle: Zunächst fehlen uns historische Daten über den Subprime-Markt. Wir wissen nicht, wie er sich verhält, wenn die Häuserpreise fallen. In den vergangenen Jahren sind die Preise nur gestiegen. Zudem waren viele Subprime-Investments gebündelt und in speziellen Hüllen, sogenannten Credit Debt Obligations (CDOs) verpackt, um die Risiken der einzelnen Subprimes zu streuen. An sich ein positiver Effekt. Allerdings war vielen Investoren nicht klar, welches Risiko sich hinter den CDOs verbirgt.

"In amerikanische Banken würde ich derzeit nicht investieren"

FundResearch: Nämlich?

Engle: Viele Subprimes hatten ein gutes Rating. So entstand der Eindruck, man gehe nur ein geringes Risiko ein, könne aber dennoch einige Extrapunkte Rendite verdienen. Das erinnert mich an 1987. Damals glaubten viele Anleger an Computer, die Verluste automatisch begrenzen. Tatsächlich haben die Computer dann zum Crash geführt. Auch heute sind die Risiken in den Subprime-Papieren erheblich größer als gedacht. Das zeigt sich jetzt.

FundResearch: Würden Sie derzeit in amerikanische Banken investieren?

Engle: Nein, das wäre mir zu unsicher. Kein Mensch weiß, wie viel Geld sie noch verlieren werden. Andererseits steigen Anleger aus der arabischen Welt weltweit in Banken ein. Stichwort Petro-Dollars. Das stützt die Kurse.

"In den USA bräuchten wir einen staatlichen Pensionsfonds wie in Norwegen"

FundResearch: Anderes Thema. Sie haben für die USA einen Vorschlag gemacht, der an die deutsche Ökosteuer erinnert. Was steckt dahinter?

Engle: In den nächsten 20 bis 30 Jahren werden wir zu wenige Arbeitnehmer haben, die die Rentner finanzieren. Deshalb werden die Steuern steigen oder die Renten fallen. Das scheint heute schon sicher.

FundResearch: Und um die Renten zu finanzieren, wollen Sie eine Steuer auf Umweltverschmutzung einführen?

Engle: Ich schlage eine Steuer auf die Emission von Kohlendioxid vor. So besteuern wir nicht etwas Positives, wie das Arbeitseinkommen, sondern etwas Negatives, das wir vermeiden wollen. Das Geld könnten wir in einen staatlichen Fonds stecken, der über lange Zeit Kapital aufbaut. Als Vorbild könnte hier der staatliche Pensionsfonds aus Norwegen dienen. So kann die Situation des Klimas und zugleich die der staatlichen Altersvorsorge verbessert werden.



In Profil: Robert Engle

Robert Engle wurde am 10. November 1942 in Syracuse, New York, geboren. 2003 erhielt er zusammen mit Clive Granger den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. In den 70er- und 80er-Jahren hatte Engle ökonometrische Modelle entwickelt, um Risiken an Finanzmärkten besser abschätzen zu können. Engle hat von 1966 bis 1969 an der Cornell University Physik und Ökonomie studiert. Anschließend arbeitete er als Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology und an der University of California. Seit 1999 ist er Professor an der Stern School of Business in New York.



Ungehedgte US-Aktienfonds: Die Besten über fünf Jahre

Fonds: Performance 5 Jahre (in %)
1. Alger Am. Asset Growth A: 46.1
2. DB Platinum IV US Growth R2C: 44.3
3. UBAM-Neuberger US Eq. Val.: 43.2
4. Frank. Aggr. Growth A acc.: 42.7
5. UniNordamerika: 42.3

Fonds: WKN
1. Alger Am. Asset Growth A: 986333
2. DB Platinum IV US Growth R2C: 749768
3. Frank. Aggr. Growth A acc.: 937448
4. UBAM-Neuberger US Eq. Val.: 921802
5. UniNordamerika: 975007

Quelle: *FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 30.11.2007.

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