02.01.2013 16:00

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NORDAFRIKA

Schwellenländerfonds: Kursrisiko in Kairo


Investments mit Schwerpunkt Nordafrika drohen ­Verluste. Weniger riskant sind breit streuende Schwellenländerfonds. Welche besonders interessant sind.

von Jörg Billina, Euro am Sonntag

Die vier großen Schwellenländermärkte Brasilien, Russland, China und Indien sind nicht mehr so renditeträchtig wie noch vor ein paar Jahren — BRIC war gestern. Daher suchen wagemutige Anleger nach Alternativen in Grenzmärkten: Ländern, die auf dem Sprung zum Schwellenland stehen. Die Risiken sind allerdings hoch, speziell in Zeiten politischer Krisen. Die Aktien­notierungen geraten dann enorm unter Druck, selbst gut aufgestellte Unternehmen können sich dem Abwärtstrend nicht entziehen.

Bestes Beispiel ist derzeit Ägypten. 2011, als der Arabische Frühling Hosni Mubarak entmachtete und die politische Zukunft des Landes unsicher erschien, verlor der ägyptische Leitindex 45 Prozent. Die Wahl Mohammed Mursis zum Staatspräsidenten weckte die Aussicht auf politische Stabilität und machte Investoren wieder Mut. Der EGX 30 notierte 2012 mit einem Plus von 55 Prozent in der Rangliste der besten Börsen zwischenzeitlich auf Platz 2. Fonds wie etwa der Julius Bär Northern Africa, die Ägypten hoch gewichten, profitierten vom Aufschwung. „Ägypten kehrt auf den Wachstumspfad zurück“, sagte Tomaso Bonanata, Fondsmanager des Northern Africa, noch im Oktober.

Das von Mursi Anfang November initiierte Verfassungsdekret, das die Unanfechtbarkeit seiner Entscheidungen vor Gericht vorsah, löste am 25. November jedoch einen Kursverlust von neun Prozent aus. Inzwischen hat Mursi seinen Anspruch auf Sondervollmachten wieder aufge­geben. Doch nun spaltet die von der Muslimbruderschaft formulierte Verfassung Ägyptens Bevölkerung. Liberale und Säkulare lehnen die vom muslimischen Recht geprägten Teile ab. Den Muslimbrüdern gilt die Scharia aber als wichtigste Quelle der Gesetzgebung.

Welche Unsicherheit die politische Zerrissenheit für Investoren bedeutet, lässt sich auch an den stark gestiegenen Notierungen bei Kredit­ausfallversicherungen für ägyptische Staatsanleihen ablesen. Um eine Kapitalflucht zu vermeiden, untersagte die Regierung in Kairo vergangenen Dienstag, umgerechnet mehr als 7500 Euro in ausländischen Währungen außer Landes zu schaffen. Die Maßnahme aber steigert erst recht die Furcht vieler Ägypter um den Wert ihrer Ersparnisse und kostete erneut Vertrauen.

Welche Chancen bieten diese Risiken? „Angesichts der Risiken hat der Einstieg keinen Sinn“, meint Taymour El-Derini von Naeem Brokerage. Statt Geld in ägyptische Aktien zu investieren, wäre es besser, Hilfsorganisationen zu unterstützen“, sagt Hisham Tafwik von Arabia Online Brokerage. Fondsmanager Bonanata ist dagegen von Ägypten weiterhin überzeugt. Zwar hat er den Anteil der Mittel von 27 auf 20 Prozent reduziert, doch erscheint die Gewichtung angesichts der Risiken immer noch hoch. Auf Sicht von einem Jahr liegt der Fonds 2,8 Prozent im Plus. Neben der Ägypten-Gewichtung ist die magere Wertentwicklung auch auf das Engagement in Marokko zurückzuführen. Der dortige Leitindex Madex gab seit Jahresanfang um über zehn Prozent nach.

Alternative Nigeria
Deutlich besser schneidet der breiter aufgestellte Templeton Frontier Market Fund ab. Der Fonds erzielte innerhalb eines Jahres 21 Prozent Plus. Im Portfolio des Fonds ist Ägypten mit gerade mal vier Prozent gewichtet. Dafür investiert das Fondsmanagement 14 Prozent der Mittel in Nigeria, Afrikas bevölkerungsreichstem Staat.

Zwar ist auch Nigeria kein Hort politischer Stabilität, aber es gibt eine Reihe ermutigender Entwicklungen: Im November erhöhte S & P das Rating. Auch den jüngsten Verbesserungen bei der Stromversorgung und der Bankenreform messen die Anleger derzeit mehr Bedeutung bei als Auseinandersetzungen zwischen Christen und Moslems. Der nigerianische Leitindex verbesserte sich 2012 um über 35 Prozent.

Da weiterhin offen ist, ob Präsident Mursi in Ägypten seine angekündigten Wirtschaftsreformen durchsetzen und Investoren beruhigen kann oder ob revolutionäres Chaos ausbricht, ist der ägyptische Markt derzeit nur etwas für echte Zocker.

Anleger, die unserer Empfehlung aus Heft 47/12 (Seite 58) folgten und das Zertifikat auf den Aktienindex Case-30 kauften, sollten die Kursgewinne mitnehmen oder einen engen Stoppkurs setzen. Breit aufgestellte Fonds wie das Templeton-Produkt sind derzeit die bessere Alternative, um in neue Märkte zu investieren, statt zu spekulieren.

Investor-Info

Julius Bär Northern Africa
Getrübte Perspektiven
Die geografische Nähe zu Europa, eine dynamische Bevölkerungsentwicklung und starke Unternehmen wie etwa Orascom wecken grundsätzlich Kurs­fantasien für Nordafrikas Börsen. Doch vor allem in Ägypten gefährden die politischen Umwälzungen ­einen nachhaltigen Aufschwung. Der Julius Bär Northern Africa hat einen Großteil der Mittel an der Börse Kairo investiert. Die Unternehmen sind gut aufgestellt, doch bei einer weiteren politischen ­Eskalation werden auch sie sich dem Abschwung nicht entziehen können.
ISIN: LU0303756539

Templeton Frontier Markets
Ausbalancierte Wetten
Die Fondsmanager Mark Mobius und Carlos von Hardenberg streuen ihre Mittel breit über Länder und Branchen. Aktuell favorisieren sie nigerianische Aktien. Ebenfalls hoch gewichtet ist der kasachische Energiekonzern Kazmunaigas. Auch in arabischen Ländern wie Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sind die Schwellenländerexperten investiert. Die politischen Risiken in diesen Staaten erscheinen derzeit geringer als in Ägypten. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate legte der Fonds um über 21 Prozent zu. Die Chancen auf weitere deutliche Kurszuwächse stehen gut.
ISIN: LU0390137031

Bildquellen: Kokhanchikov / Shutterstock.com

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