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24.03.2010 06:00

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FIRMENJÄGER

Dicke Gewinne mit Private Equity


Bei börsennotierten Beteiligungsfirmen locken überdurchschnittliche Gewinne. Wie sich die Branche gewandelt hat, wie Privatanleger breit diversifiziert einsteigen.

von Andreas Hohenadl und Peter Gewalt, Euro am Sonntag

Die Private-Equity-Branche gibt sich vielleicht nicht genug Mühe zu kommunizieren, welche Rolle sie beim Aufbau von Unternehmen spielt, welchen Wachstumsbeitrag sie leistet und wie viele neue Jobs sie schafft.“ Es waren durchaus selbstkritische Worte, die Martin Halusa im Sommer 2006 in einem Interview äußerte. Ein gutes Jahr zuvor hatte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Finanzinvestoren als „Heuschrecken“ gebrandmarkt. Halusa gehört zu dieser Spezies. Er ist Chef des Finanzinvestors Apax Partners.

Dass das britische Unternehmen sehr wohl etwas davon versteht, Werte zu schaffen, zeigte sich in dieser Woche. Denn am Dienstag gelang es Apax, sich sehr erfolgreich von einer Beteiligung zu trennen. Für drei Milliarden US-Dollar verkauften die Briten die Modemarke Tommy Hilfiger an das amerikanische Bekleidungsunternehmen Phillips-Van Heu­­sen, das vor allem für sein Label Calvin Klein bekannt ist. Hilfiger wurde 2006 von Apax erworben – in jenem Jahr, in dem Apax-Chef Halusa die kritischen Worte für seine Branche fand. Der Finanzinvestor zahlte damals 1,6 Milliarden Dollar für die Modemarke. Der Einsatz an Eigen­kapital soll laut „Wall Street Journal“ bei lediglich 350 Millionen Dollar gelegen haben.

Nun haben die Briten also Kasse gemacht. Gleichzeitig übergeben sie dem Käufer ein erfolgreich saniertes Unternehmen. Bevor Apax ein neues Management einsetzte, galt die Marke Hilfiger als angestaubt. Halusa und sein Team formten aus der Modefirma ein hoch profitables Unternehmen, indem sie den Klamotten einen frischeren Look verpassten, neue Vertriebswege erschlossen und Exklusivverträge mit großen Kaufhäusern schlossen.

Der Apax-Deal könnte beispielhaft stehen für weitere Veräußerungen durch Finanzinvestoren in diesem Jahr. „2010 wird es eine Reihe von Verkäufen aus den Portfolios geben“, ist Stephan Illenberger überzeugt. Illenberger leitet das Deutschlandgeschäft von AXA Private Equity, dem mit weltweit 25 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen größten kontinentaleuropäischen Player im Beteiligungsmarkt. Neben der verbesserten Marktstimmung sieht er einen wesentlichen Grund darin, dass viele Unternehmen in der Krise von überflüssigen Kostenstrukturen befreit wurden. Diese Firmen seien nun für strategische Käufer interessant oder könnten leichter an die Börse gebracht werden. Auch beim weltgrößten börsen­no­tierten Private-Equity-Haus ist man zuversichtlich: Black­stone-Chef Tony James erwartet, dass seine Firma 2010 rund ein Dutzend Unternehmen verkaufen, an die Börse bringen oder rekapitalisieren kann.

Doch nicht nur auf der Exit-Seite haben sich die Bedingungen verbessert. Auch neue Übernahmen rücken zunehmend ins Blickfeld der Finanzinvestoren. „Man sieht jetzt, welche Unternehmen den Feuertest bestanden haben und gut durch die Krise gekommen sind“, erklärt Illenberger. An solchen Firmen sei Private Equity natürlich interessiert. „Das, was man jetzt einkauft, sind hoch stabile Unternehmen. In den kommenden zwei bis drei Jahren werden sich noch viele interessante Chancen ergeben.“ Geld für ausgedehnte Shoppingtouren ist reichlich vorhanden. Informationen des Nachrichtendiensts Bloomberg zufolge sitzen Buy-out-Fonds derzeit auf rund 500 Milliarden Dollar Cash. Sollte das Tempo bei Fusionen und Übernahmen nicht deutlich zunehmen, könnte es nach Bloomberg-Berechnungen ein ganzes Jahrzehnt dauern, bis diese Mittel aufgebraucht sein werden.

Auch AXA Private Equity habe derzeit, so Illenberger, mehr als ein Drittel seines Kapitals noch nicht investiert. „Doch wir sind gerade dabei, dies zu ändern.“ Dabei scheint eines klar: „Über die nächsten Jahre werden wir nicht mehr die großen Deals sehen, die es vor der Krise gegeben hat“, sagt Michel Degosciu, Managing Director der Schweizer LPX Group. Die Indizes des Unternehmens im Bereich börsennotierter Beteiligungsgesellschaften haben sich in der Finanzindustrie als Standard etabliert. Wie so viele Experten sagt auch Degosciu, dass sich das Private-Equity-Geschäft durch die Krise verändert habe. Früher seien Deals mit einem sehr hohen Kredithebel gestemmt worden. „Der Einsatz von bis zu 80 Prozent Fremdkapital bei Übernahmen war gang und gäbe.“ Auf dem Höhepunkt des Kreditbooms 2006 und 2007 kauften Finanzinvestoren weltweit Firmen für rund 700 Milliarden Dollar pro Jahr. Sogar manches DAX-Unternehmen geriet ins Visier von Beteiligungsgesellschaften. Im vergangenen Jahr betrug das Deal-Volumen gerade einmal rund 135 Milliarden Dollar. „Heute ist einfach weniger Kredit vorhanden“, sagt Private-Equity-Experte Illenberger. Das führe dazu, dass sich Beteiligungsfirmen mehr auf die nachhaltige Wertsteigerung bei den Portfoliounternehmen konzentrieren müssten. Die Zeiten, in denen nur kurzfristige Renditeoptimierung betrieben wurde, seien vorbei.

Dieser Wandel in der Branche dürfte Investoren durchaus erfreuen. Ihr Appetit auf Private Equity wächst wieder. Für den Privatanleger besonders interessant: die Anlageklasse der börsennotierten Beteiligungsgesellschaften, Listed Private Equity (LPE). Denn im Gegensatz zu den traditionellen Beteiligungsfonds erhält der Anleger mit LPE eine sofortige und direkte Beteiligung an der Anlageklasse Private Equity. Investiert er dann auch noch via Fonds oder ETF, erhält er zudem eine diversifizierte Anlage. In Anbetracht der hohen Volatilität von Private Equity eine vernünftige Entscheidung, wie Indexspezialist Degosciu betont.

Sein Rat an Privatanleger: die Finger von Einzelwerten lassen, lieber auf den breiten Markt setzen. Damit seien in den kommenden drei Jahren überdurchschnittliche Ren­diten möglich. Zu diesem Ergebnis kommt Degosciu auf Grundlage einer Studie, die LPX erarbeitet hat. Darin wurde die Aktienperformance von Listed-Private-Equity-Unternehmen über einen Zeitraum von 16 Jahren untersucht. Das Ergebnis: Wenn diese Unternehmen am Ende eines bestimmten Jahres unter ihrem Nettoinventarwert notierten, erbrachten sie in den darauffolgenden drei Jahren eine deutliche Überrendite gegenüber einem traditionellen Aktieninvestment. Als Vergleich wurde die Performance des MSCI-World-Index herangezogen. Ende Dezember vergangenen Jahres betrug der Discount der LPE-Unternehmen im breiten Index auf den Nettoinventarwert rund 26 Prozent. „Folgt die Kursentwicklung der Unternehmen ihrem historischen Muster, können Anleger über die kommenden drei Jahre hinweg mit attraktiven Renditen in diesem Markt rechnen“, sagt Degosciu.

Weitere Kapitalströme werden dem Markt zusätzlich Auftrieb verleihen. Experten erwarten, dass sich auch Pensionsfonds stärker bei Private Equity engagieren. So gab beispielsweise der zweitgrößte kolum­bianische Pensionsfonds, Protección SA, unlängst bekannt, dass er in den kommenden zwei Jahren umgerechnet 1,3 Milliarden Dollar in Private Equity investieren werde. Die Hälfte dieses Geldes soll in nationale Investments fließen, die andere Hälfte in internationale Fonds. Mit dem Engagement will der Fonds auch von den staatlichen Anstrengungen profitieren, die auf einen Ausbau der Infrastruktur abzielen. Autobahnen, Flughäfen, Brücken, „Infrastrukturprojekte sind bei Private Equity derzeit sehr gefragt“, bestätigt auch AXA-Beteiligungsspezialist Illenberger. „Venture Capital, also Beteiligungskapital an jungen Firmen, ist dagegen der Underperformer.“ Noch muss ein Unternehmen also bereits eine gewisse Stellung am Markt haben, bevor sich Beteiligungs­firmen dafür interessieren. Ein Unternehmen à la Tommy Hilfiger hätte beste Chancen.

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