Romina Graiver, BNP Paribas Asset Management: "Wir schalten die Emotionen aus"
"Der Fondsmanager hat das letzte Wort"
FundResearch: Madame Graiver, Sie setzen beim Parvest USA und beim Parvest Japan auf ein computer-gestütztes Modell. Ist der Computer klüger als der Mensch?
Graiver: Nein, darum geht es auch gar nicht. Wir wollen Emotionen bei unseren Investmententscheidungen ausschalten. Und dabei helfen uns die Modelle.
FundResearch: Was können die Modelle besser als ein Fondsmanager?
Graiver: Wir füttern die Rechner mit sehr vielen Parametern. Und diese Datenflut können sie einfach besser und systematischer verarbeiten als ein Investmentprofi. Dennoch hat der Fondsmanager das letzte Wort.
"Beim Parvest Japan haben wir 2003 nur acht Aktien ausgewechselt"
FundResearch: Inwiefern?
Graiver: Unser Modell untersucht in den USA 500 Aktien und in Japan 240 Werte. Am Ende steht eine Kauf- und Verkaufsliste. Unsere Fondsmanager dürfen zwar nur in Aktien anlegen, die auf der Kaufliste stehen. Aber unsere Analysten prüfen noch einmal jede dieser Aktien auf Herz und Nieren, bevor der Fondsmanager sie endgültig ins Portfolio nimmt.
FundResearch: Wie oft tauschen Sie Aktien wieder aus?
Graiver: Sehr selten. Im Parvest USA und im Parvest Japan halten wir jeweils 50 Aktien. Im US-Fonds tauschen wir pro Jahr meist nur 25 Aktien aus. Beim Japan-Fonds haben wir 2003 sogar nur acht Aktien ausgewechselt. Sechs Monate lang ist dort keine Aktie aus dem Portfolio auf die Verkaufsliste gerutscht. Das spricht für unser Modell. Zudem haben beide Fonds ihre Benchmark geschlagen.
"Unser Modell funktioniert besser, wenn der Markt sich logisch verhält"
FundResearch: In den vergangenen Jahren haben wir extreme Bullen- und Bärenmärkte gesehen. Dazu kam der Irak-Krieg. Wie gut funktioniert Ihr Modell in solchen Extremphasen?
Graiver: Generell kann man sagen: Unser Modell funktioniert besser, wenn der Markt sich logisch verhält. Gibt es Panik am Markt, wird es für uns schwieriger, gut abzuschneiden.
FundResearch: Woran liegt das?
Graiver: Unser Modell basiert darauf, dass Unternehmen mit guten fundamentalen Daten mittel- bis langfristig outperformen. Verhalten sich die Marktteilnehmer jedoch irrational, geraten die Fundamentaldaten vorübergehend aus dem Blickwinkel. Wir testen allerdings, welche Parameter in den unterschiedlichen Marktphasen die höchste Aussagekraft besitzen.
"In den Emerging Markets ist ein passiver Ansatz erfolgreicher"
FundResearch: Welche wären das zum Beispiel?
Graiver: Bei Wachstumwerten in den USA ist etwa die Aussagekraft von Gewinn-Revisionen sehr hoch. Deshalb ist der Parvest USA growth-lastig. Dagegen ist der Parvest Japan eher value-lastig, weil hier andere Faktoren besser funktionieren. Aber in beiden Fonds haben wir derzeit Aktien, die niedriger bewertet sind und ein höheres Gewinnwachstum aufweisen als ihre Benchmark.
FundResearch: Der Parvest Emerging Markets wird ebenfalls quantitativ gemanagt. Anders als beim USA- und Japan-Fonds ist der Anlagestil aber passiv. Warum?
Graiver: Ganz einfach. In den Emerging Markets führt ein passiver Ansatz auf Dauer zu einer höheren und konstanteren Wertentwicklung.
"Die meisten aktiv gemanagten Emerging Markets-Fonds schlagen ihre Benchmark nicht"
FundResearch: Das müssen Sie uns erklären.
Graiver: Die meisten aktiv gemanagten Emerging Markets-Fonds schlagen ihre Benchmark nicht. Zudem bleiben auch die besten Fonds selten über Jahre erfolgreich. Anleger gehen damit ein doppeltes Risiko ein: Das Marktrisiko und das Risiko, den falschen Fonds auszuwählen.
FundResearch: Und wie wollen Sie diesem Dilemma entgehen?
Graiver: Zunächst einmal bilden wir nicht nur einen Index ab. Wir haben statt dessen einige technische Kriterien aufgestellt. Die Auswahl der Länder basiert etwa auf der Wirtschaftsleistung pro Kopf und die Auswahl der Aktien richtet sich vor allem nach ihrem Börsenwert. Das heißt, unser Aktienkorb enthält weniger Aktien als der MSCI Emerging Markets-Index, dafür sind darin mehr Large Caps enthalten.
"Das Resultat ist eine kontinuierliche Outperformance"
FundResearch: Das Resultat ... ?
Graiver: ... ist eine kontinuierliche Outperformance gegenüber dem MSCI-Index. So hat unsere Tranche für institutionelle Kunden seit 1995 um 45 Prozentpunkte besser abgeschnitten als der MSCI-Index.
FundResearch: Sie setzen beim Parvest Emerging Markets auf Titel mit hohem Börsenwert. Laufen Sie so nicht Gefahr, die teuersten Aktien im Fonds zu haben?
Graiver: Sie dürfen nicht vergessen, dass ausländische Investoren zuerst auf bekannte Namen schauen. Und das sind die Large Caps. Sie profitieren am stärksten von ausländischen Kapitalzuflüssen.
"Der Large Cap-Bias funktioniert tatsächlich"
FundResearch: Aber es entsteht ein Problem, wenn die Aktienkurse fallen. Dann stoßen internationale Anleger ihre Aktien schnell wieder ab.
Graiver: Richtig. Aber die einheimischen Investoren bleiben investiert. Sie betrachten ihre Blue Chips als sicheren Hafen. Das klingt vielleicht etwas simpel. Aber dieser Large Cap-Bias funktioniert tatsächlich.
Zur Person: Romina Graiver wurde in Argentinien geboren und lebte anschließend lange Zeit in Spanien. Nach ihrem Wirtschaftsstudium an der Pariser Sorbonne kam sie 1999 zu BNP Paribas Asset Management. Zunächst arbeitete sie im Marketing für Spanien und Lateinamerika. Seit 2001 ist sie Produkt-Spezialisten für Computer-gestützte Fonds.
FundResearch: Madame Graiver, Sie setzen beim Parvest USA und beim Parvest Japan auf ein computer-gestütztes Modell. Ist der Computer klüger als der Mensch?
Graiver: Nein, darum geht es auch gar nicht. Wir wollen Emotionen bei unseren Investmententscheidungen ausschalten. Und dabei helfen uns die Modelle.
FundResearch: Was können die Modelle besser als ein Fondsmanager?
Graiver: Wir füttern die Rechner mit sehr vielen Parametern. Und diese Datenflut können sie einfach besser und systematischer verarbeiten als ein Investmentprofi. Dennoch hat der Fondsmanager das letzte Wort.
"Beim Parvest Japan haben wir 2003 nur acht Aktien ausgewechselt"
FundResearch: Inwiefern?
Graiver: Unser Modell untersucht in den USA 500 Aktien und in Japan 240 Werte. Am Ende steht eine Kauf- und Verkaufsliste. Unsere Fondsmanager dürfen zwar nur in Aktien anlegen, die auf der Kaufliste stehen. Aber unsere Analysten prüfen noch einmal jede dieser Aktien auf Herz und Nieren, bevor der Fondsmanager sie endgültig ins Portfolio nimmt.
FundResearch: Wie oft tauschen Sie Aktien wieder aus?
Graiver: Sehr selten. Im Parvest USA und im Parvest Japan halten wir jeweils 50 Aktien. Im US-Fonds tauschen wir pro Jahr meist nur 25 Aktien aus. Beim Japan-Fonds haben wir 2003 sogar nur acht Aktien ausgewechselt. Sechs Monate lang ist dort keine Aktie aus dem Portfolio auf die Verkaufsliste gerutscht. Das spricht für unser Modell. Zudem haben beide Fonds ihre Benchmark geschlagen.
"Unser Modell funktioniert besser, wenn der Markt sich logisch verhält"
FundResearch: In den vergangenen Jahren haben wir extreme Bullen- und Bärenmärkte gesehen. Dazu kam der Irak-Krieg. Wie gut funktioniert Ihr Modell in solchen Extremphasen?
Graiver: Generell kann man sagen: Unser Modell funktioniert besser, wenn der Markt sich logisch verhält. Gibt es Panik am Markt, wird es für uns schwieriger, gut abzuschneiden.
FundResearch: Woran liegt das?
Graiver: Unser Modell basiert darauf, dass Unternehmen mit guten fundamentalen Daten mittel- bis langfristig outperformen. Verhalten sich die Marktteilnehmer jedoch irrational, geraten die Fundamentaldaten vorübergehend aus dem Blickwinkel. Wir testen allerdings, welche Parameter in den unterschiedlichen Marktphasen die höchste Aussagekraft besitzen.
"In den Emerging Markets ist ein passiver Ansatz erfolgreicher"
FundResearch: Welche wären das zum Beispiel?
Graiver: Bei Wachstumwerten in den USA ist etwa die Aussagekraft von Gewinn-Revisionen sehr hoch. Deshalb ist der Parvest USA growth-lastig. Dagegen ist der Parvest Japan eher value-lastig, weil hier andere Faktoren besser funktionieren. Aber in beiden Fonds haben wir derzeit Aktien, die niedriger bewertet sind und ein höheres Gewinnwachstum aufweisen als ihre Benchmark.
FundResearch: Der Parvest Emerging Markets wird ebenfalls quantitativ gemanagt. Anders als beim USA- und Japan-Fonds ist der Anlagestil aber passiv. Warum?
Graiver: Ganz einfach. In den Emerging Markets führt ein passiver Ansatz auf Dauer zu einer höheren und konstanteren Wertentwicklung.
"Die meisten aktiv gemanagten Emerging Markets-Fonds schlagen ihre Benchmark nicht"
FundResearch: Das müssen Sie uns erklären.
Graiver: Die meisten aktiv gemanagten Emerging Markets-Fonds schlagen ihre Benchmark nicht. Zudem bleiben auch die besten Fonds selten über Jahre erfolgreich. Anleger gehen damit ein doppeltes Risiko ein: Das Marktrisiko und das Risiko, den falschen Fonds auszuwählen.
FundResearch: Und wie wollen Sie diesem Dilemma entgehen?
Graiver: Zunächst einmal bilden wir nicht nur einen Index ab. Wir haben statt dessen einige technische Kriterien aufgestellt. Die Auswahl der Länder basiert etwa auf der Wirtschaftsleistung pro Kopf und die Auswahl der Aktien richtet sich vor allem nach ihrem Börsenwert. Das heißt, unser Aktienkorb enthält weniger Aktien als der MSCI Emerging Markets-Index, dafür sind darin mehr Large Caps enthalten.
"Das Resultat ist eine kontinuierliche Outperformance"
FundResearch: Das Resultat ... ?
Graiver: ... ist eine kontinuierliche Outperformance gegenüber dem MSCI-Index. So hat unsere Tranche für institutionelle Kunden seit 1995 um 45 Prozentpunkte besser abgeschnitten als der MSCI-Index.
FundResearch: Sie setzen beim Parvest Emerging Markets auf Titel mit hohem Börsenwert. Laufen Sie so nicht Gefahr, die teuersten Aktien im Fonds zu haben?
Graiver: Sie dürfen nicht vergessen, dass ausländische Investoren zuerst auf bekannte Namen schauen. Und das sind die Large Caps. Sie profitieren am stärksten von ausländischen Kapitalzuflüssen.
"Der Large Cap-Bias funktioniert tatsächlich"
FundResearch: Aber es entsteht ein Problem, wenn die Aktienkurse fallen. Dann stoßen internationale Anleger ihre Aktien schnell wieder ab.
Graiver: Richtig. Aber die einheimischen Investoren bleiben investiert. Sie betrachten ihre Blue Chips als sicheren Hafen. Das klingt vielleicht etwas simpel. Aber dieser Large Cap-Bias funktioniert tatsächlich.
Zur Person: Romina Graiver wurde in Argentinien geboren und lebte anschließend lange Zeit in Spanien. Nach ihrem Wirtschaftsstudium an der Pariser Sorbonne kam sie 1999 zu BNP Paribas Asset Management. Zunächst arbeitete sie im Marketing für Spanien und Lateinamerika. Seit 2001 ist sie Produkt-Spezialisten für Computer-gestützte Fonds.


