21.01.2013 15:58
Bewerten
 (3)

Deutsche Handelsflotte schrumpft

Schiffsfonds: Deutsche Handelsflotte schrumpft | Nachricht | finanzen.net
Schiffsfonds

Die Krise in der Schifffahrt hält unvermindert an und kostet die Anleger in Schiffsfonds sehr viel Geld.

Die Hamburger Reederei Claus-Peter Offen muss auf Druck der Banken 14 kleinere Containerschiffe verkaufen, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Die Anleger mochten kein frisches Geld mehr in die Schiffe investieren. "Die finanzierenden Banken haben nunmehr erklärt, dass sie die Kapitalmaßnahme als gescheitert betrachten", heißt es in einem Schreiben an die Anleger, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Sie sollen dem Verkauf zustimmen.

     Für die Anleger bedeutet das den Totalverlust ihres eingezahlten Kapitals. Der Verkaufserlös für die gebrauchten Schiffe wird nicht ausreichen, um die Kredite der Schiffsbanken zu tilgen. Die hoffen, bei einem geordneten Verkauf mehr zu erlösen als bei einer Insolvenz und einer Zwangsversteigerung. Die Reederei Offen dirigiert mehr als 100 Schiffe, die meisten davon Containerfrachter, und ist damit die größte deutsche Charterreederei.

   Deutschland ist durch die Finanzierungsmodelle der Schiffsfonds zu einer der weltweit führenden Schifffahrtsnationen geworden. Die Anleger brachten das Eigenkapital auf, die Schiffsbanken gaben Fremdkapital und die Reedereien vercharterten die Schiffe an den Meistbietenden. Das war bis 2008 ein sicheres und einträgliches Geschäft, weil die Schifffahrt über Jahrzehnte ein Markt mit teils zweistelligen Wachstumsraten war. 2007 sammelten die Schiffsfonds noch rund drei Milliarden Euro bei Anlegern ein.

   So bauten die deutschen Reeder eine der größten Handelsflotten der Welt auf, mit mehr als 3700 Schiffen und einer großen Dominanz vor allem in der Containerschifffahrt. Im Glauben, dass sich das Wachstum weiter fortsetzen werde, bestellten die Reeder weit mehr Schiffe als gebraucht wurden. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise brachen die Preise völlig zusammen, für den Gütertransport, für das Chartern eines Schiffes und für gebrauchte Schiffe. Nach den meisten Prognosen werden die Schifffahrtsmärkte erst im nächsten Jahr wieder ein Gleichgewicht finden.

   Nach einer Studie des Analyseunternehmens Deutsche Fondsresearch sind bislang 113 Schiffe in die Insolvenz gegangen. 266 Fonds sind in der Sanierung, 84 Schiffe wurden verkauft. "Die Sanierungsfälle haben zugenommen, und das Ende ist noch nicht abzusehen", sagte Geschäftsführer Nils Lorentzen. Nach Schätzungen des Reederverbandes stehen um die 500 Schiffe auf der Kippe, einige Anleger-Anwälte sprechen von bis zu 1000 - das wäre ein Viertel der deutschen Handelsflotte. Je länger die Krise dauert, desto mehr Schiffe geben auf. Eine befristete Überbrückungshilfe vom Bund, wie sie die Reeder fordern, ist nicht in Sicht. Anlegerkapital ist nicht mehr zu mobilisieren und die Banken ziehen sich aus dem Geschäftsfeld völlig zurück oder vergeben Kredite nur sehr zurückhaltend.

  Insgesamt sind mehr als 50 Milliarden Euro in Schiffsfonds investiert; nur die Immobilienfonds haben noch mehr Anlegerkapital eingesammelt. Wie hoch der Schaden bei den Anlegern ist, kann kaum berechnet werden, aber er geht in die Milliarden. Allein das Kommanditkapital der Schiffsfonds in Sanierung beträgt fast vier Milliarden Euro. Die Anleger verlieren ihr gesamtes Geld, müssen bereits ausgezahlte Gewinne zurückgeben oder werden zu Nachzahlungen aufgefordert. Etliche Anwaltsbüros haben sich bereits darauf spezialisiert, für die Anleger die Kastanien aus dem Feuer zu holen und den Verkäufern der Fonds Falschberatung nachzuweisen. Nur dann gibt es eine Chance, vielleicht einen Teil der Anlage zurückzuholen./egi/DP/fbr

HAMBURG (dpa-AFX)

Bildquellen: Federico Rostagno / Shutterstock.com

Fondsfinder

Suchen

Heute im Fokus

DAX geht mit kleinem Plus ins Wochenende -- Wall Street reagiert verhalten auf Amtsantritt von US-Präsident Trump -- Postbank sieht Chancen auf IPO -- Yellen: US-Geldpolitik auf Kurs -- GE im Fokus

Buffett-Investment BYD träumt vom Gigaerfolg in den USA. AIG schlägt Milliardenrisiken an Berkshire Hathaway los. Deutsche Top-Manager warnen Trump vor Strafzöllen und Abschottung. American Express verdient deutlich weniger. Chinas Wachstum fällt auf niedrigsten Stand seit 1990. Winterkorn bleibt dabei: Von Betrug bei VW nichts gewusst.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Technologieaktien: Drei Möglichkeiten, um vom Trend "Digitale Fabrik" zu profitieren!
Die vierte industrielle Revolution ist im vollen Gange und verändert, vom Großteil der Gesellschaft völlig unbemerkt, bereits die Produktionsabläufe in den großen, industriellen Hallen. Wir zeigen Ihnen in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins drei Möglichkeiten, wie Sie in den kommenden Monaten und Jahren von dem Zukunftstrend "Digitale Fabrik" profitieren können.
Anlegermagazin kostenlos erhalten
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese 10 Automobil Neuheiten gibt es bei der Detroit Auto Show 2017
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken

Umfrage

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat die Nato als obsolet bezeichnet. Halten Sie das Militärbündnis ebenfalls für überflüssig?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Commerzbank CBK100
Deutsche Bank AG 514000
Volkswagen AG Vz. (VW AG) 766403
Daimler AG 710000
BASF BASF11
Bayer BAY001
E.ON SE ENAG99
Apple Inc. 865985
Deutsche Telekom AG 555750
Deutsche Lufthansa AG 823212
Nordex AG A0D655
Allianz 840400
Siemens AG 723610
EVOTEC AG 566480
K+S AG KSAG88