Schwache Kreditvergabe britischer Banken
Die Kreditvergabe britischer Banken an Unternehmen fällt seit vier Jahren.
- Auch an Privathaushalte werden weiter nur wenige Kredite vergeben.
- Trotz sehr niedriger Leitzinsen sind die Refinanzierungskosten britischer Banken hoch. die CDSPrämien ihrer Anleihen sind heute höher als nachdem Zusammenbruch von Lehman Brothers.
- Die Bank of England will den Banken in großemUmfang Kredit gewähren, wenn sie das Geld an dieRealwirtschaft weiterreichen. Wir warten auf Einzelheiten dieses Plans.
- Geldpolitik, Fiskalpolitik und Bankenregulierungwerden immer mehr zu einer Einheit, was die Entscheidervor neue Herausforderungen stellt.
Schwache Kreditvergabe der Banken: Ein Angebotsproblem
Trotz der extrem niedrigen Zinsen vergeben britische Banken seit fast vier Jahren immer weniger Kredite an Unternehmen. Auch die Kreditbedingungen für Privathaushalte bleiben angespannt.
Als Grund nennen die Banken meist die mangelnde Nachfrage. Natürlich investieren Unternehmen in Zeiten schwachen Wachstums nur sehr zögerlich, doch deuten Umfragen unter Kleinunternehmen eher auf ein Angebotsproblem hin. Die Institute sind entweder nicht willens oder nicht fähig, Kredite zu vergeben.
Finanzministerium und Bank of England sehen das ähnlich. Beim Mansion House Dinner am 14. Juni gaben sie deshalb neue Initiativen bekannt, um die Kreditvergabe der Banken anzukurbeln. Die Notenbank hat bereits begonnen, den Banken Sechsmonatskredite anzubieten und damit zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam haben Regierung und Bank of England erklärt, dass sie ein langfristiges Finanzierungsprogramm auflegen wollen – um die Kreditvergabe an Unternehmen und Privathaushalte zu fördern. In einigen Wochen dürften Einzelheiten bekannt gegeben werden.
In diesem Beitrag analysieren wir die Kreditvergabe britischer Banken und die Bekanntmachungen beim Mansion House Dinner.
Die Investoren verlangen höhere Risikoprämien
Nach der Finanzkrise 2008 hat sich im britischen Bankensektor viel verändert. Der Staat ist heute Mehrheitsaktionär der Royal Bank of Scotland und der Lloyds Banking Group. Aufgrund des Risikoabbaus sind die Tier-1- Kernkapitalquoten sämtlicher Banken deutlich gestiegen, während die Risikoaktiva zurückgegangen sind. Die Verschuldungsgrade – früher etwa 50 – haben sich fast halbiert, und die Abhängigkeit von Anleiheemissionen hat abgenommen. Trotz dieser Verbesserungen befinden sich die CDS-Prämien britischer Banken aber noch immer auf Rekordniveaus oder nur knapp darunter, und die Aktienkurse sind nach wie vor niedrig. Aktien und Anleihen britischer Banken bleiben riskant.
Risiken treiben die Kreditkosten
Wer verstehen will, wie ein Unternehmen seine Preise festsetzt, betrachtet in der Regel die Kosten, insbesondere die Grenzkosten, und die Margen. Bei Banken hängen die Kosten von ihrer Refinanzierung ab. Natürlich haben die Institute unterschiedliche Finanzierungsquellen: Einlagen von Privat- und Firmenkunden, besicherte und unbesicherte Anleihen, Aktien und verschiedene Hybridinstrumente. Sie alle haben ihre Vor- und Nachteile. Die Bank of England hat das komplexe Thema der Refinanzierung analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Grenzkosten für neue Kredite in Summe aus den durchschnittlichen CDS-Spreads britischer Banken und dem 3-Monats-Libor entsprechen.
Die Zinsen für Unternehmenskredite sind in den letzten zwölf Monaten deutlich gestiegen, während die Hypothekenzinsen trotz der höheren Refinanzierungskosten der Banken nahezu unverändert geblieben sind. Dies gilt insbesondere für kleinere Kredite, wie sie von neuen bzw. kleineren Unternehmen nachgefragt werden.



