22.11.2012 08:49
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Schwere Zeit für Anleihen

Tiefe Zinssätze machen Gewinne bei Renten schwierig. Berater sollten auf Sektoren mit den attraktivsten relativen Bewertungen setzen.

„Die Finanzmärkte befinden sich zweifellos in einer der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte“, sagt Dennis Stattman, Leiter des Global Allocation Teams der Portfolio Management Group von BlackRock. Diese Phase werde zum einen von einem niedrigen Zinsniveau und zum anderen durch eine starke Ungewissheit auf politischer Ebene gekennzeichnet. Das niedrige Zinsniveau führe zu teilweise negativen realen Renditen bei Anleihen. „Daher ist es sehr unwahrscheinlich, nach Abzug der Inflationsrate noch Gewinne zu erzielen – und die Anleihen, die eventuell noch Erträge bringen können, sind ziemlich teuer“, so Stattman. Neben den niedrigen Renditen würden Anleger auch durch die Unattraktivität vor allem von US-Staatsanleihen auf ihrer Suche nach Erträgen zum Kauf von Spreadprodukten animiert – von Unternehmensanleihen bis hin zu Hochzinsanleihen. Diesen Trend unterstützt Stattman jedoch nicht, ganz im Gegenteil: „Erstens sind die Basissätze, an die Spreadprodukte gekoppelt sind, so niedrig, dass die absolute Rendite von Unternehmensanleihen mit Investmentgrade und Hochzinsanleihen nicht gerade attraktiv sind. Zweitens beobachten wir, dass diese Märkte zunehmend illiquide werden.“

Robert M. Hall, Institutional Fixed-Income Portfolio Manager bei MFS Investment Management rät Beratern und Anlegern, bei Unternehmensanleihen auf das Rating zu achten: „In Zeiten, da die Anleihenmärkte keineswegs billig sind, halten wir es für angebracht, auf die Sektoren mit den attraktivsten relativen Bewertungen zu setzen. Unserer Ansicht nach sind Investmentgrade-Anleihen weiter günstig bewertet, insbesondere Papiere mit eher niedrigen Investmentgrade-Ratings.“ Im High-Yield-Bereich ist Hall jedoch ebenfalls vorsichtig: „Seit Mitte September sind die Kurse gefallen, liegen aber noch immer so dicht an den Rückzahlungskursen, dass die Konvexität negativ bleibt und das Kurspotenzial einschränkt.“ Die Unternehmensgewinne des dritten Quartals 2012 legten zudem nahe, dass sich die Fundamentaldaten dieser Assetklasse verschlechtern.

Jeff Hochman, Leiter der technischen Analyse bei Fidelity Worldwide Investment blickt mit Sorge auf die politische und wirtschaftliche Lage in Europa und vor allem den USA. Er sieht zwei mögliche Szenarien.  Im „Bären-Szenario“ gewännen die Pessimisten unter den Marktteilnehmern die Oberhand. Dadurch würde sich die aktuelle Korrektur an den Aktienmärkten zu einer massiven Verkaufswelle ausweiten und einen anhaltenden Bärenmarkt bewirken. „In der Folge würden Investoren in ‚sichere Häfen‘ flüchten, die Renditen amerikanischer und deutscher Staatsanleihen vermutlich auf deutlich unter ein Prozent fallen und die Rohstoffpreise sinken.“ Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario liege jedoch nur bei 25 Prozent. Das „Bullen-Szenario“ sei also wahrscheinlicher. Es geht davon aus, dass die jüngste Korrektur eine zu starke Übertreibung nach unten war, und dass sich die Schreckensszenarien als weniger gravierend erweisen werden. Dies führe zu einer Erleichterung und einem Kursanstieg. Für Aktienfonds ein attraktives Umfeld. „Im Gegensatz zu Aktienrenditen befinden sich die Anleiherenditen auf einem historischen Tief“, so Hochman. „Sollten die Leitzinsen mittelfristig wieder steigen und dadurch die Kurse von Anleihen sinken, werden wir vermutlich eine Umschichtung hin zu Aktieninvestments sehen.“

Als nach wie vor attraktiv bewertet der Fidelity-Experte dagegen High-Yield-Anleihen. Dies liege vor allem an den höheren Renditen. „Anleger dürfen hier aber nicht die überdurchschnittlichen Gesamterträge der letzten Jahre erwarten“, schränkt Hochman ein. Schwierige Zeiten also für den Rentenmarkt.

(PD)

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