09.11.2012 16:00
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Fondsstrategie: Kann man wieder in Bankaktien investieren?

Streitgespräch: Fondsstrategie: Kann man wieder in Bankaktien investieren? | Nachricht | finanzen.net
Marc Renaud (Mandarine Gestion) und Hendrik Leber (Acatis Investment GmbH)
Streitgespräch
Kann man überhaupt einschätzen, was Bankentitel wert sind? €uro am Sonntag fragte zwei renommierte Value-Fondsmanager mit unterschiedlichen Meinungen.
€uro am Sonntag
von Lucas Vogel, Euro am Sonntag

Zwei Fondsmanager, die im gleichen Stil anlegen, zwei Stock-Picker, die sich die Einzelunternehmen genau ansehen — und doch zwei völlig unterschiedliche Portfolios. Während der deutsche Veteran des Value-Investing, Hendrik Leber von Acatis, kaum Banktitel kauft, greift Marc Renaud, Gründer der französischen Fondsboutique Mandarine Gestion, schon seit Längerem bei der Deutschen Bank und BNP Paribas zu. Ein Streitgespräch.

€uro am Sonntag: Herr Renaud, Sie setzen zu 22 Prozent auf Banken und zu zwölf Prozent auf Versicherungen. Herr Leber hat kaum Banken. Setzen Sie in der Eurokrise einfach auf eine große Lösung? Ist Ihr Portfolio eine Makrowette?
Marc Renaud:
Ich gehe immer davon aus, dass sich Extremsituationen auflösen und zu einer Mitte zurückfinden. Und deshalb glaube ich auch, dass es in Zukunft in Europa noch Banken geben wird. Ich bin davon überzeugt, dass die großen, systemrelevanten Banken wie Deutsche Bank, BNP Paribas und Santander überleben und als Gewinner aus dieser Krise hervorgehen werden.

Aber hängt ein Erfolg mit diesem Portfolio nicht an der Politik?
Ja, ich muss zugeben, ich bin abhängig davon, dass die Politik eine Lösung findet. Aber mein Hauptszenario ist immer noch, dass die Eurozone nicht kollabiert.

Herr Leber, als Value-Investor und Stock-Picker schauen Sie sich Bilanzen genau an. Können Sie wirklich bewerten, was die Banken da in ihren Bilanzen haben?
Hendrik Leber: Nein. Die Bilanz der Deutschen Bank kann man nicht gänzlich verstehen. Deswegen investieren wir hier auch nicht. Aber: Ich bin überzeugt, dass einige Banken als Sieger hervorgehen werden. Bei Versicherern — Sachversicherungen — finde ich das Lesen der Bilanzen wesentlich leichter.

Renaud: Ich stimme Ihnen zu, dass man die Bilanzen der großen Banken nicht komplett verstehen kann. Aber das ist nichts Neues, das war auch vor der Finanzkrise so. Damals kauften Investoren die Banken zum 2,5-Fachen des Buchwerts. Heute notiert die Deutsche Bank bei 0,6 des Buchwerts.

Aber Sie investieren in etwas, was Sie nicht gänzlich verstehen?
So würde ich es nicht sagen. Am Ende müssen Sie den Zahlen vertrauen, die Sie von den Unternehmen bekommen. Bei den großen Banken traue ich den Zahlen.

Was ist zum Beispiel so attraktiv an BNP Paribas, der größten Position in Ihrem Fonds?
Die Aktie wurde stark verkauft, vor allem an angloamerikanische Investoren. Für sie ist ein Short auf BNP die beste Wette auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone. Die Bank hat viele griechische, italienische und französische Staatsanleihen auf dem Buch. Und sie leiht sich viel Dollar am Geldmarkt. Aber im Kerngeschäft ist BNP — vor allem im Vergleich zu Société Générale — sehr konservativ und gut gemanagt. Die Kunden in den Kernmärkten sind nicht hoch verschuldet. Heute wird BNP zu 0,7 des Buchwerts gehandelt. Wenn die Bank in den nächsten fünf Jahren keine Werte vernichtet, sollten Investoren zumindest den Buchwert eins zu eins bekommen.

Herr Leber, wenn Sie Herrn Renaud über Banken reden hören, was macht er falsch?
Ein Value-Investor will eigentlich immer alles unter Kontrolle haben. In diesem Fall ist ein Bestandteil der Investmentidee, dass die ganze Sache am Ende irgendwie gut ausgeht. Ich fühle mich bei Unternehmen, bei denen ich Kunden, Stückzahlen und Kosten zählen kann, einfach wohler.

Dafür investieren Sie aber in halbstaatliche russische Unternehmen wie Gazprom und Lukoil. Fühlen Sie sich damit wohler? Hat man als Investor in Russland alles unter Kontrolle?
Das nicht, aber es gibt einfach so viel Geld dafür! (lacht) Im Ernst: Ich traue dem russischen System überhaupt nicht: Korruption und Betrügereien sind an der Tagesordnung. Bei den russischen Ölunternehmen kann ich aber sehen, wohin das Geld geht. Der russische Staat nimmt sich seinen Teil. Aber er muss den freien Aktionären immer etwas lassen. Ich kann mich irren, aber der Sicherheitspuffer in Form einer sehr attraktiven Bewertung ist ja dafür da.

Russische Aktien sind immer ­günstig. Was wissen Sie, was der Markt nicht weiß?
Gute Frage. Investoren meiden Plätze wie Russland generell. Wir haben bei unseren Aktien genau hingesehen und kaum Risiken entdeckt. Hier sind wir gern „contrarian“, wie Herr Renaud bei Bankaktien.

Value-Manager im Profil:

Französische Durststrecke
Marc Renaud, in Deutschland noch kaum bekannt, gründete 2008 in Paris seine Fonds­boutique Mandarine Gestion. Sein Contrarian-Ansatz, ein konzentriertes Portfolio mit Value-­Titeln zu halten, ging 2011 überhaupt nicht auf. Banktitel machten seinem Flaggschifffonds für Europa-Aktien, Mandarine Valeur (ISIN: FR 001 055 430 3), zu schaffen. Bisher überzeugte seine Strategie vor allem in Aufschwungphasen nach drastischen Einbrüchen wie 2009.

Deutscher Dauerbrenner
Hendrik Leber war mit seiner Acatis Investment GmbH einer der Ersten, die die Suche nach unterbewerteten Aktien – Value-Investing – in Deutschland propagierten. Sein Flaggschiff, der weltweit anlegende Aktienfonds Acatis Aktien Global Fonds UI (ISIN: DE 000 978 174 0), streut seit 15 Jahren breit. Er weist daher weniger extreme Ausschläge auf. Aktuell machen die russischen Öl- und Gaswerte Gazprom und Lukoil fast zehn Prozent des Portfolios aus.

Bildquellen: Alex Hubenov / Shutterstock.com
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