22.02.2013 16:00
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Aktienfonds: Argentinische Börsensamba - Vorsicht geboten!

Stürmische Zeiten in Argentinien
Südamerika
Seit drei Monaten klettern die Kurse an der Börse von Buenos Aires. Auch Aktienfonds entwickeln sich prächtig. Anleger sollten trotzdem vorsichtig sein.
€uro am Sonntag

von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Leicht bekleidete Tänzerinnen in extravaganten Kostümen, dazu Sambarhythmen — da denkt jeder sofort an Karneval in Rio. Doch Brasilien ist nicht das einzige Land Lateinamerikas, das die fünfte Jahreszeit auf diese Weise feiert. Auch in Argentinien herrscht Anfang Februar buntes Treiben. Vor allem die farbenfrohe Parade in Gualeguaychú, der Hauptstadt des argentinischen Karnevals, zieht die Argentinier zu Zehntausenden an.

Zwar ist der Karneval inzwischen vorüber, doch an der Börse des Landes wird weitergefeiert. Der argentinische Leitindex Merval explodiert regelrecht. Er stieg seit Beginn des Jahres um rund 16 Prozent und legte im Januar die beste Monatsentwicklung seit fast vier Jahren hin. Auf Sicht von drei Monaten verbuchte der argentinische Leitindex sogar ein Plus von 43 Prozent.

In diesem Zeitraum legten fast alle Aktien des Merval, der die 13 wichtigsten Unternehmen des Landes enthält, zweistellig zu. Getrieben wird die Börsenhausse vor allem von den Aktien des Öl- und Gaskonzerns YPF (plus 83 Prozent), des Telefondienstleisters Telecom Argentina (plus 75 Prozent) und des Elektrizitätsunternehmens Edenor (plus 69 Prozent). Neun Aktien im Merval legten seit Mitte November 2012 zwischen 23 und 53 Prozent zu, nur ein Papier notiert leicht im Minus.

Erholung der Wirtschaft
Es dürften vor allem die positiven Wirtschaftsaussichten sein, die in Argentinien die Aktienkurse in die Höhe treiben. Für das laufende Jahr rechnet die UNO-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) mit einem Wirtschaftswachstum in dem südamerikanischen Land von 3,9 Prozent. Das übertrifft deutlich das eher mäßige Plus des vergangenen Jahres von ­geschätzten 1,8 Prozent.

Damit dürfte Argentinien leicht über dem durchschnittlichen lateinamerikanischen Wachstum liegen, das nach Berechnungen der CEPAL in diesem Jahr 3,8 Prozent betragen wird. Global gesehen ragt Lateinamerika in jedem Fall positiv heraus: Die Wirtschaft des Teilkontinents wird 2013 voraussichtlich fast doppelt so stark zulegen wie die Weltwirtschaft insgesamt.

Dennoch ist Argentinien ein gutes Stück davon entfernt, ein Paradies für Investoren zu sein. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner verschreckt Anleger und Unternehmen regelmäßig mit irritierenden Aktionen. Krasses Beispiel der jüngeren Vergangenheit war die Verstaatlichung des Öl- und Gaskonzerns YPF im April 2012, der bis dahin zu einem Großteil dem spanischen Ölkonzern Repsol gehörte.

Aktuell streitet sich Argentinien zudem mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Der rügte das Land vor gut zwei Wochen wegen fehlerhafter Wirtschaftsdaten. Dabei geht es vor allem um die Zahlen zur Inflation, die Argentinien an den IWF liefert. Diese sind um ein Drittel geringer als die von unabhängigen Experten errechneten Werte. Laut Angaben des nationalen Statistikamts Indec lag die Inflation 2012 bei 10,8 Prozent. Manche Fachleute gehen dagegen sogar von einer Inflationsrate von gut 25 Prozent aus. Wie auch immer: Die hohe Geldentwertung trägt sicher mit dazu bei, dass sich Aktien als Sachwerte einer überaus hohen Beliebtheit erfreuen.

Tiefe Sorgenfalten auf der Stirn haben auch die Besitzer argentinischer Anleihen. Ein Urteil eines US-Gerichts vom November 2012 könnte dazu führen, dass sämtliche Zinszahlungen für alle Staatsanleihen eingestellt werden müssen. Gebannt blicken die Gläubiger deshalb auf den 27. Februar. An diesem Tag findet eine Anhörung zur Berufung statt, die Argentinien gegen das Urteil eingelegt hat.

Weil das Land in der Vergangenheit immer wieder für Irritationen sorgte, spielt es an den internationalen Kapitalmärkten nur eine geringe Rolle. Dementsprechend niedrig ist das Gewicht argentinischer Aktien in Indizes für die Region Lateinamerika. Erst wenn sich Argentinien dem weltweiten Markt öffnet und für Anleger wieder verlässlich wird, dürfte sich das ändern.

Investor-Info

Aktienfonds Lateinamerika i
Templeton Latin America

Mit dem Templeton Latin America Fund beweist Starmanager Mark Mobius einmal mehr, dass er sich wegen Benchmarks keinen Kopf macht. Von der ­Gewichtung der einzelnen Länder im Vergleichs­index des Fonds, dem MSCI EM Latin America, weicht Mobius nämlich stark ab. Das hat unter ­anderem zur Folge, dass argentinische Aktien eine gewisse Rolle in dem Templeton-Produkt spielen: Sie machen 6,4 Prozent des Portfolios aus. Damit ist Mobius’ Vehikel einer der Lateinamerika-Fonds mit dem größten Anteil argentinischer Papiere.

Aktienfonds Lateinamerika iI
BSF Latin American Opport.

Was seine Popularität angeht, hinkt Will Landers Templeton-Mann Mobius zwar leicht hinterher, seine Leistung ist aber mindestens genauso gut. Besonders Landers’ BSF Latin American Opportunities ­begeistert seit Jahren die Fans lateinamerikanischer Aktien. Der Manager investiert in Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. Das bedeutet große Chancen, aber auch hohe Risiken. Beim Thema ­Argentinien hält sich Landers bedeckt und ist dem Index entsprechend nicht investiert. Er setzt stattdessen lieber auf Konsumgüteraktien und auf Industriewerte aus Brasilien und Mexiko.

Bildquellen: atm2003 / Shutterstock.com
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