von Lucas Vogel, €uro am Sonntag
Großes Staraufgebot in München. Auf der Value Intelligence Conference im Hotel Bayerischer Hof am vergangenen Mittwoch gaben sich gleich mehrere Spitzeninvestoren die Mikrofone in die Hand. Der Veranstalter, die Value Intelligence Advisors GmbH, brachte mit Jean-Marie Eveillard von First State und Donald Yacktman zwei der erfolgreichsten Fondsmanager der vergangenen Jahrzehnte zusammen.
Fondsmanager des Value-Stils suchen Firmen mit stabilen, berechenbaren Geschäftsmodellen, herausragender Marktstellung und hohen Markteintrittsbarrieren. Für deren Aktien errechnen sie einen fairen Preis. Gekauft wird nur, wenn der aktuelle Kurs darunter liegt.
Die momentan wohl beliebteste Aktie unter den besten Value-Investoren ist Microsoft. Auf die überteuerte Übernahme des Sprachdienstes Skype durch Microsoft angesprochen, antwortete Eveillard mit einem Bonmot der Value-Legende Warren Buffett: „Suche Unternehmen, die so stabil laufen, dass selbst ein Idiot sie managen kann — denn eines Tages wird es ein Idiot tun.“ Donald Yacktman stellte neben Microsoft die Aktie des Getränke- und Süßwarenunternehmens PepsiCo als Value-Investment vor und verwies auf Rupert Murdochs Mediengruppe NewsCorp. Die Probleme beim Zeitungsgeschäft und deren Auswirkungen für den Gesamtkonzern würden überschätzt. Das entscheidende Kabelgeschäft laufe weiter stabil, so der Texaner.
Düstere Stimmung
Mit diesen Empfehlungen lag Yacktman voll im Trend. Einer Auswertung von Value Intelligence Advisors zufolge, die regelmäßig die besten wertorientierten Investoren nach ihren Markteinschätzungen befragt, werden globalen Großkonzernen aus den USA tendenziell mehr Chancen eingeräumt.
Die weiteren Ergebnisse der Umfrage: Die Banken werden ihre Kreditbücher weiter reduzieren, die negativen Folgen werden unterschätzt. Inflation als Lösung aus der Verschuldung der Industrieländer wird immer wahrscheinlicher, genauso direkte Umverteilung von Reich zu Arm. Das Wachstum in den Schwellenländern wird sich abkühlen, aber immer noch höher bleiben als in den USA, Europa und Japan. Geld und nominale Anlagen sind in diesen drei Regionen kein geeignetes Wertaufbewahrungsmittel mehr.
Aktien generell unterbewertet
Diesen pessimistischen Umfrageergebnissen schloss sich James Montier in seiner Analyse an. Der Brite ist Mitglied im Team für Asset Allocation des großen US-Vermögensverwalters GMO. Er hob besonders die Risiken von Bankaktien und Staatsanleihen hervor. Aktien aus der Eurozone ohne Banken seien hingegen auf einem Bewertungsniveau, das in der Vergangenheit über drei, fünf und zehn Jahre stets zu zweistelligen Renditen führte.