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07.05.2008 10:28

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Volker Schilling: "Zuerst kommt der Vermögenserhalt"


Die Greiff-Dachfonds von Volker Schilling haben trotz fallender Aktienkurse kaum verloren. Ein Interview mit dem Freiburger Vermögensverwalter über sein Erfolgsrezept und seine aktuellen Investments.

"Die angeschlagene Marktstimmung spricht für steigende Kurse"

? Herr Schilling, die Bankenkrise drückt seit Monaten auf die Stimmung der Börsianer. Wie ist Ihre Stimmung?

Volker Schilling: Wir waren im vergangenen Jahr bereits kritisch, was Wachstum und Gewinne angeht. Damals war diese Meinung aber nicht populär, inzwischen schon.

? Werden Sie also wieder zum Optimisten?

Schilling: Die Marktstimmung ist angeschlagen. Das spricht aus Erfahrung für steigende Kurse. Zudem sind schon viele negative Nachrichten eingepreist. Es besteht also durchaus Überraschungspotenzial. Allerdings muss der Markt meine Meinung auch irgendwann teilen. Sonst laufen mir die Kunden weg.

? Wie meinen Sie das?

Schilling: Man kann in fünf Jahren Recht bekommen. Wenn man in den ersten zwölf Monaten falsch liegt, können die Kunden ihr Geld aber bereits abgezogen haben. Aus heutiger Sicht hätte man beispielsweise nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 investieren müssen. Allerdings hätten Anleger dann noch das schwierige Jahr 2002 zu verkraften gehabt.

"Der Erhalt des Vermögens steht an erster Stelle"

? Inwiefern berücksichtigen Sie diese Risikoscheu der Anleger, wenn Sie investieren?

Schilling: Der Erhalt des Vermögens steht an erster Stelle, erst dann kommt die Verwaltung und Vermehrung des Geldes.

? Das heißt konkret?

Schilling: Wir achten nicht primär auf die Zielrendite, sondern auf mögliche Verluste, wenn die Strategie nicht funktioniert. Anders gesagt: Wir wollen bei gegebenem Risikobudget eine möglichst hohe Rendite erzielen.

? Risikobudget meint ... ?

Schilling: Bei unserem Dachfonds Greiff Defensiv Plus beträgt das Risikobudget null Prozent. Wir streben nach oben zwar eine Rendite von fünf bis sieben Prozent an, investieren aber so, dass über zwölf Monate keine Verluste anfallen.

"Für einen Anleger ist es egal, ob er mit einem Aktien- oder Rentenfonds Geld verliert"

? Wie finden Sie Zielfonds, die keine Verluste machen?

Schilling: Wir setzen anders an. Für einen Anleger ist es egal, ob er mit einem Aktien- oder Rentenfonds Geld verliert. Wir untersuchen daher bei allen Fonds zunächst ihre Volatilität. Anschließend legen wir Risikoklassen fest und suchen darin nach Trends. Dieser Prozess läuft jede Woche von neuem.

? Und dann investieren Sie in diese Trends?

Schilling: Nicht unbedingt. Wir kaufen nicht nur, weil etwas steigt. So arbeiten reine Trendfolger. Wir fragen uns vorher: Woher kommt dieser Anstieg? Was sind die fundamentalen Gründe? Liegen diese vor, halten Trends länger. Das zeigen Untersuchungen.

? Was ist der nächste Schritt? Suchen Sie nun den schwankungsärmsten Fonds in einem Trendmarkt?

Schilling: Nein, wir suchen einen Fondsmanager, der in diesem Markt ein Experte ist. Diesen wollen wird dann persönlich sprechen, um zu erfahren, wie er arbeitet, ob er stiltreu investiert und wo seine Stärken und Schwächen liegen. Am Ende steht die wichtigste Frage: Kann er seine Erfolge aus der Vergangenheit wiederholen?

"Kursverluste wie am 21. Januar kommen nicht über Nacht"

? Damit ist aber noch nicht ausgeschlossen, dass ein derartiger Portfoliomanager nicht doch einmal Verluste macht.

Schilling: Richtig. Selbst der beste Fondsmanager kann keine Wunder vollbringen und ist vor Verlusten nicht gefeit. Deshalb sichern wir alle Fonds mit Stopp-Loss-Kursen ab. Auf der anderen Seite lassen wir jedem Fondsmanager genug Luft zum Atmen, damit wir nicht ständig Positionen verkaufen müssen. Maßstab ist hier die Volatilität des Fonds. Schwankt dieser traditionell stärker, darf er auch etwas mehr verlieren, ehe wir ihn verkaufen.

? Wie haben Ihre Dachfonds den Aktiencrash vom 21. Januar überstanden, als allein der Dax um sieben Prozent eingebrochen ist?

Schilling: Derartige Kursverluste kommen nicht über Nacht, es gibt bereits im Vorfeld Rücksetzer. In diesem Fall schon im Juli und November. Insofern hatten wir Anfang 2008 nur noch eine Aktienquote von 30 bis 40 Prozent. Ende Januar waren wir völlig aus Aktien draußen. Die DAX-Verluste hatten für uns also keine so große Auswirkung. Seit März entwickeln sich aber wieder neue Trends.

? Nämlich?

Schilling: Zum Beispiel asiatische REITs, Alternative Energien, High-Yield-Bonds, Soft Commodities und Thailand. In den Kernmärkten spricht der Trend für US-Wachstumstitel. Gute Stockpicker liegen hier schon wieder im Plus, obwohl der Gesamtmarkt noch Verluste aufweist. Dort mögen wir unter anderem den Janus US Twenty Fund.



Im Profil: Volker Schilling

Volker Schilling (Jahrgang 1972) ist seit 2005 Gesellschafter und Vorstand der Greiff Capital Management AG in Freiburg. Dort berät er u.a. die Dachfonds GREIFF Defensiv Plus OP GREIFF Defensiv Plus OP (WKN A0MJTU) und GREIFF Dynamisch Plus OP GREIFF Dynamisch Plus OP (WKN A0MJTT). Zuvor arbeitete er von 1994 bis 2004 für die Performance AG in Mannheim. Schilling ist häufig Gast in den Börsensendungen von n-tv und Bloomberg. Zudem erfüllt er diverse Lehrtätigkeiten, darunter für den Gründerverbund der Universität Mannheim sowie an der Europäischen Akademie für Finanzplanung in Bad Homburg.



Dachfonds (Aktien und Renten)

Performance seit 1.1.2008 (in %)
1. RP Global Absolute Return: 2.2
...
8. GREIFF Defensiv Plus OP: -0.2
...
151. IAM Privatportfolio 1: -17.0


Dachfonds (Aktien)

Performance seit 1.1.2008 (in %)
1. Multi Invest Spezial OP: 0.8
...
23. GREIFF Dynamisch Plus OP: -7.8
...
114. FIAG-Universal-Dachfonds: -16.0


Quelle: €uro fondsxpress. Quelle Performancedaten: FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 06.05.2008.

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