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29.06.2010 06:00

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€URO-INTERVIEW

DWS-Chef Kaldemorgen: "Billiges Geld stützt die Aktienkurse"

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Seite 2 von 2:

Was sind die ökonomischen Kosten der niedrigen Leitzinsen?
Kaldemorgen:
Es besteht die Gefahr, dass sich weitere Blasen an den Kapitalmärkten bilden. Billiges Geld verleitet dazu Risiken zu unterschätzen.

Wo könnte es Blasen geben?
Kaldemorgen:
Zum Beispiel bei Rohstoffen. Schon jetzt fließt viel Geld in Gold. Auch Währungen können leicht zum Spielball der Spekulation werden. Es ist zum Beispiel problematisch das die gegenwärtige Flucht aus dem Euro kleinere monetäre Systeme wie den Schweizer Franken aufbläht. Selbst die Schwellenländer können Probleme bekommen wenn zu schnell zu viel Geld in diese Märkte strömt. Spätestens dann, wenn diese Anlagen kurzfristig wieder den Rückzug antreten.

Was bedeutet dies für Aktien?
Kaldemorgen:
Eigentlich nur gutes, denn billiges Geld stützt Aktien. Wichtiger aber: Mit Aktien besitzen Anleger Anteile am Produktivvermögen und investieren damit an der Quelle unseres Wohlstands. Unternehmen zahlen Steuern mit denen sich der Staat finanziert, sie schaffen Arbeit und Lohneinkommen und am Ende bleibt auch für die Aktionäre eine Rendite in Form von Dividenden und Kursgewinnen. Aktien sind als Anlageklasse momentan sehr günstig bewertet und bieten über ihre Substanz einen gewissen Schutz gegen inflationäre Entwicklungen.

Welche Titel mögen Sie derzeit?
Kaldemorgen:
Die Zinsen bleiben auf absehbare Zeit niedrig. Das spricht für defensive Titel mit hohen Dividenden. Gerade auch im Vergleich zu Anleihen sind die Dividendenrenditen außerordentlich hoch. Die 25 Topdividendenzahler in Europa haben im Durchschnitt eine Dividendenrendite von knapp sechs Prozent.

Was ist noch attraktiv?
Kaldemorgen:
Europäische Exportunternehmen etwa aus Deutschland, Frankreich und Italien sind in diesem Jahr stark unter die Räder gekommen. Sie profitieren aber stark von den wachsenden Exporten in die Emerging Markets, sowie von der starken Abwertung des Euros gegenüber fast allen Währungen.

Sie halten seit etlichen Jahren Ölaktien. Auch nach dem BP Debakel?
Kaldemorgen:
Wir sind deutlich vorsichtiger geworden. BP haben wir kurz nach dem Unglück im Golf von Mexiko abgestoßen. Aber auch alle anderen Ölunternehmen sind negativ von dieser Katastrophe betroffen.

Das heißt?
Kaldemorgen:
Öl zu fördern wird deutlich teurer werden und mit erheblichen Sicherheitsauflagen verbunden sein. Dies ist vernünftig und sachgerecht, da sich so etwas nicht wiederholen darf. Ich befürchte allerdings, dass die Staaten das Unglück zum Anlass nehmen um die hochprofitable Industrie mit zusätzlichen Steuern und Abgaben zur Kasse zu bitten. Parallelen zur Finanzbranche oder den Stromversorgern sind offensichtlich.

Vielen Dank für das Gespräch.

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