Stromversorger langen 2011 kräftig hin
Nach einer Erhebung des Stromkunden-Portals Toptarif planen derzeit 530 der etwa 900 Stromgrundversorger, zum Jahresanfang 2011 ihre Preise für den Grundversorgungstarif um durchschnittlich 7,1 Prozent anzuheben. „Ein vierköpfiger Musterhaushalt mit einem Jahresgrundverbrauch von 4000 Kilowattstunden muss mit jährlichen Mehrkosten von durchschnittlich 68 Euro rechnen“, sagt Toptarif-Experte Daniel Dodt.
Am stärksten steigt der Jahresgrundtarif beim Elektrizitätswerk Fußgönheim (plus 19,4 Prozent oder 178 Euro auf dann 1096 Euro, siehe Tabelle rechts). Die drei Versorger mit den größten Zuwächsen waren allerdings laut Dodt in den vergangenen Jahren durch eine besonders moderate Preispolitik aufgefallen.
Bereits 2009 waren die Strompreise bei rund 900 Grundstromversorgern um durchschnittlich 7,3 Prozent gestiegen. 2010 verhielt sich die Branche mit plus 2,6 Prozent eher zurückhaltend, wobei rund die Hälfte der Anbieter ihre Preise konstant gelassen oder sogar gesenkt hat.
Im Überblick: Die größten Strompreis-Tarifanhebungen Anfang 2011 (PDF)
Die Stromversorger begründen die aktuelle Verteuerung mit der stark gestiegenen Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien. (EEG-Umlage). Sie verursacht bei den Versorgern tatsächlich im Schnitt sieben Prozent Mehrkosten oder 70 Euro pro Musterhaushalt. Die Erhebung zeigt allerdings, dass 284 Unternehmen die EEG-Umlage teilweise an die Kunden weitergeben, 128 etwa eins zu eins, und 117 Anbieter liegen deutlich darüber. Statistisches Bundesamt, Strombörse und Bundesnetzagentur weisen außerdem darauf hin, dass die Versorger in den vergangenen zwei Jahren von deutlich gesunkenen Stromeinkaufspreisen profitiert haben.
Toptarif-Experte Dodt warnt davor, einzelne Unternehmen, die jetzt stärker zulangen, pauschal zu verurteilen. „Wie stark erhöht wird, hängt neben den unterschiedlichen Markt- und Beschaffungsstrategien und unterschiedlichen Bezugsfristen auch davon ab, wie stark die Unternehmen ihre Tarife zuletzt angepasst haben.“ Quer durch die Branche könne man aber sagen, dass die günstigeren Beschaffungspreise für die Versorger bei den Stromkunden definitiv nicht angekommen seien.
Die massive Strompreiserhöhungswelle sei nicht gerechtfertigt, heißt es auch bei der Bundesnetzagentur. Die Stromversorger versuchten, die Steigerung der Ökostromumlage um 1,5 Cent pro Kilowattstunde an die Kunden weiterzureichen. Präsident Matthias Kurth: „Das ist sachlich nicht gerechtfertigt.“ Er rät, bei ungerechtfertigten Preiserhöhungen den Anbieter zu wechseln.




