von Dirk Hasselbring, Gastautor von Euro am Sonntag
Denn wo man ein Haus oder eine Wohnung erwirbt, hängt in der Regel von der persönlichen Lebenssituation ab, erläutert unser Gastautor Dirk Hasselbring. Laut einer aktuellen Umfrage des Allensbach-Instituts plant jeder dritte Berufstätige, der seine Altersvorsorge noch erweitern will, den Erwerb eines Eigenheims oder einer selbst genutzten Wohnung. Das sind etwa 50 Prozent mehr als bei der Befragung im Vorjahr. Fragt man die Deutschen, welche Möglichkeiten der Altersvorsorge aus ihrer Sicht besonders sicher seien, so steht die eigengenutzte Immobilie mit Abstand an erster Stelle: 71 Prozent sprechen sich für sie aus, danach nennen 48 Prozent der Umfrageteilnehmer die staatliche Rente und 39 Prozent Gold.
Gegenüber einer vor zwei Jahren durchgeführten Befragung ist der Anteil derjenigen, die die eigene Immobilie für eine besonders sichere Anlage halten, noch einmal um fünf Prozentpunkte gestiegen, während der Anteil derjenigen, die auf die staatliche Rente vertrauen, um sechs Prozentpunkte gesunken ist. Damit hat sich der Abstand zwischen der Nummer 1 der sicheren Anlagen, der Immobilie, und der Nummer 2, der staatlichen Rente, von 14 auf 25 Prozentpunkte erhöht.
Ob sich ein Haus lohnt,
sollte nicht der Zufall bestimmen
Sicher gibt es gute Argumente für die eigengenutzte Immobilie, doch wird die Sicherheit dieser Anlageform — ähnlich wie übrigens beim Gold — meist erheblich überschätzt. Schließlich ist es vom Zufall des eigenen Wohn- beziehungsweise Arbeitsorts abhängig, wo man ein Eigenheim oder eine selbst genutzte Wohnung erwirbt. Wer etwa in demografischen Verliererregionen wohnt, für den kann die Immobilieninvestition nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig zu erheblichen Vermögenseinbußen führen.
Während beispielsweise in Berlin die Preise für Eigentumswohnungen zwischen 2007 und 2011 um über 18 Prozent gestiegen sind, in Frankfurt am Main um über 17 Prozent und in Hamburg um 15,5 Prozent, sanken im gleichen Zeitraum die Preise in Dortmund um 8,9 Prozent und in Krefeld sogar um 15,7 Prozent. Bedenkt man, dass der Erwerber der Immobilie beim Kauf die Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland heute bis zu 5,5 Prozent), Maklerkosten und andere Nebenkosten zu zahlen hat, dann sind die realen Verluste sogar häufig noch höher.
Ganz ähnlich sieht es übrigens auch bei vermietetem Wohneigentum aus. Nach einer Studie des DIW werfen privat vermietete Eigentumswohnungen im Schnitt nur eine Rendite von 2,14 Prozent jährlich ab. Das heißt: Viele private Eigentümer erwirtschaften mit ihrer Wohnimmobilie keinen nennenswerten Gewinn. Rund 15 Prozent der Eigentümer müssen nach einer Studie der Interessengemeinschaft Haus & Grund sogar Verluste verbuchen. Es ist somit keine gute Idee, einen Großteil seines für die Altersvorsorge bestimmten Geldes in einem einzigen Objekt anzulegen —erst recht nicht, wenn sie wie bei einem Eigenheim oder einer selbst genutzten Wohnung nur danach ausgewählt wurde, wo man zufällig beruflich tätig ist oder seinen bewährten Bekanntenkreis hat.
Zweifelsohne sind Wohnimmobilien eine sinnvolle Anlage, aber nur dann, wenn sie an zukunftsträchtigen Standorten liegen und professionell ausgewählt und verwaltet werden. Indirekte und aktiv gemanagte Immobilienbeteiligungen, etwa Spezialfonds für institutionelle Investoren oder Geschlossene Fonds für private Anleger, rentieren in den allermeisten Fällen besser als die eigengenutzte Immobilie.
Vermietete Immobilien bieten
auch steuerliche Vorteile
Zudem weisen vermietete Immobilien auch steuerlich Vorteile auf, die eigengenutzte Immobilien nicht haben: So können Finanzierungskosten steuerlich als Werbungskosten geltend gemacht werden, was bei der eigengenutzten Immobilie nicht der Fall ist. Diese steuerlichen Vorteile sind auch bei Weitem attraktiver, als es etwa die sogenannte Riester-Förderung ist, die nur für den Erwerb eigengenutzter Immobilien gewährt wird.

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Der verbreitete Glaube, die selbst genutzte Immobilie sei die sicherste Form der Altersvorsorge, ist ebenso ein Mythos wie der Glaube, die staatliche Rente oder Gold seien besonders attraktive Formen der Altersvorsorge. Leider steht zu befürchten, dass die meisten Deutschen bei der Altersvorsorge auf Anlagen oder Produkte gesetzt haben, die sie enttäuschen werden — ob dies in der Vergangenheit die besonders beliebten Kapitallebensversicherungen waren oder heute die selbst genutzte Immobilie oder Gold.
zur Person:
Dirk Hasselbring,
Vorsitzender der
Geschäftsführung der Hamburg Trust Grundvermögen
Der 1968 in Offenbach geborene Hasselbring studierte an der Wirtschaftsakademie Kiel und schloss als Betriebswirt ab. Bevor er 2011 die Leitung der Geschäftsführung bei Hamburg Trust übernahm, war er zuerst bei der Gesellschaft für Ortsentwicklung und Stadterneuerung in Kiel tätig, danach bei der Deutschen EuroShop AG in Hamburg. Weitere Stationen: GPT Group und Cornerstone Group in Sydney. Die Hamburg Trust Grundvermögen und Anlage GmbH bietet Geschlossene Immobilienfonds für Privatanleger und Fonds für institutionelle Kunden an.