30.10.2011 06:00
Bewerten  
 (6)
0 Kommentare
Senden

Wohlstand im Alter - Wie es geht

Richtig vorsorgen: Auch im Alter genug Geld
Altersvorsorge
Wer sich sein Vermögen clever einteilt, kann im Alter Sicherheit und Rendite genießen. Doch ganz einfach ist die Rechnung nicht bei Rentenversicherung und Auszahlplänen.
€uro am Sonntag

von Maren Kebbel, €uro am Sonntag

Wie kann ich von meinem Vermögen leben“, ist eine Frage, die viele unserer ­Leser umtreibt. Laut einer Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der Postbank glauben 20 Prozent der über 50-Jährigen, dass sie im Alter ihren Lebensunterhalt nicht mehr beschreiten können. Die staatliche Rente ist eben alles andere als sicher. Daher haben viele privat vorgesorgt. Doch wie lässt sich das Kunststück schaffen, eine hohe Rendite bei ausreichender Sicherheit aus dem Vermögen zu erzielen?

„Einen Königsweg gibt es nicht – leider“, bedauert Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. Viele Faktoren beeinflussen die Wahl. Wie hoch sind im Alter die laufenden Kosten und die Ansprüche, wie viel ist durch die gesetzliche Rente und betriebliche Altersvorsorge schon abgesichert, welche Summe steht überhaupt zur Verfügung? Und ganz wichtig ist die Entscheidung, ob und wie viel vererbt werden soll.

Für die meisten Anleger stehen zwei Möglichkeiten zur Debatte: Auszahlpläne bei Banken oder private Rentenversicherung mit monatlicher Zahlung. Sogenannte Umkehrhypotheken, bei denen man seine Immobilie zunächst zwar verkauft, sie aber weiterhin bewohnen kann und eine Rente bekommt sind hierzulande bislang kaum verbreitet (siehe unten).

Alle Interessierten stehen vor demselben Problem: Sie wollen bis ans Lebensende maximale Verlässlichkeit und Sicherheit, aber auch hohe Rendite. Doch um das Für und Wider gut kalkulieren zu können, fehlt die wichtigste Rechengröße, so makaber das auch klingen mag: das eigene Sterbedatum.

Rentenversicherung heißt einer der beiden Wege, die in Deutschland so beliebt sind. Hierbei legt der Inter­essierte sein Geld in die Hände einer Versicherung und bekommt sein Kapital verrentet. Aber: „Die Entscheidung für so eine Versicherung ist die Wette auf ein langes Leben“, sagt Axel Kleinlein, Vorstandschef des Bundes der Versicherten. Denn die Versicherer legen ihrem Angebot Sterbetafeln zugrunde, die je nach Risikofaktoren und weiteren Merkmalen das statistische Sterbejahr ermitteln. Dass sie dabei einen Puffer für sich einbauen, ist verständlich.

„Doch die Versicherer überziehen hier maßlos“, kritisiert Kleinlein. Ein Beispiel: Will ein heute 40-jähriger Raucher eine private Rentenversicherung mit monatlicher Auszahlung abschließen, kalkuliert ein Versicherer mit einer Lebenserwartung von bis zu 104 Jahren. Interessiert sich derselbe Kunde jedoch für eine Risikolebensversicherung, so geht der Versicherer plötzlich davon aus, dass er nur noch 70 Jahre alt wird. Zwar gibt es zwischen den Anbietern Unterschiede, aber das Vorgehen ist bei allen gleich.

Noch will die Assekuranz die ­sogenannten Biometriekosten den Kunden gegenüber nicht offenlegen. Denn 25 Prozent des Überschusses, der durch einen Tod vor dem ­statistischen Termin entsteht, kann das Unternehmen einstreichen. In anderen Bereichen liegt die Quote oft nur bei zehn Prozent. Das Finanzministerium plant Abhilfe, will Transparenz zumindest bei den Riester- und Rürup-Renten fördern. Der entsprechende Referentenentwurf wird voraussichtlich im kommenden Februar vorliegen.


Hier gehts zum aktuellen Heft

Teuer, aber verlässlich, so könnte man Rentenversicherungen beschreiben. Neben den statistischen Berechnungen, die die Auszahlungen drücken, fallen womöglich noch Vertriebsprovisionen an. Stirbt man, erhalten die Hinterbliebenen nichts, auch wenn die „eigene Summe“ noch nicht aufgebraucht ist. Zwar lässt sich auch dieses Risiko absichern, doch das schmälert die Auszahlung zusätzlich. Das Geld ist nicht jederzeit verfügbar, die Rentenhöhe nicht frei wählbar. Gerade die aktuellen Krisenzeiten lassen bei Besorgten Gedanken an die Stabilität des Euro hochkommen. Da der Kunde nicht über die Gesamtsumme verfügen kann, kann er sie auch nicht gegen eine Währungsreform oder Inflation schützen. Doch dem steht ein riesiger Vorteil gegenüber: Die Versicherung zahlt verlässlich bis zum Tod.

Entnahme- oder Auszahlpläne funktionieren entgegengesetzt zu Sparplänen. Der Sparer zahlt nicht mehr ein, sondern die Bank zahlt aus. So können Kunden beispielsweise einen Dauerauftrag von ihrem Tagesgeldkonto zum Girokonto einrichten. „Auszahlpläne sind auch für Fonds, ETFs, ETCs, Zertifikate und Aktien möglich“, sagt Kathrin Möckel, Produktexpertin bei der DAB-Bank. Besonders beliebt sind Aktien- und Fondsauszahlpläne. Bei den meis­ten Banken kann der Kunde entscheiden, über welchen Zeitraum er die Auszahlungen verteilen will, wieviel Geld er wie oft bekommt.

Grundsätzlich muss er sich überlegen, ob er sein Kapital verzehren will. Falls ja, werden neben den Erträgen auch Teile des angesparten Geldes regelmäßig ausgezahlt. Im anderen Fall bleibt das angesparte Guthaben erhalten. Diese Form eignet sich für alle, die viel vererben wollen. Doch sie müssen bedenken, dass die monatlichen Rentenzahlungen sich dann nur auf die Erträge, etwa Dividenden, Kursgewinne und Zinsen, beschränken. „Vor allem bei stark schwankenden Aktienfonds ist es möglich, dass die angenommene Wertentwicklung nicht erreicht wird“, sagt ­Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nord­rhein-Westfalen. Dann müssen die Sparer die monatlichen Auszahlbeträge verringern oder das angesparte Kapital angreifen. Laufen die Märkte jedoch gut, kann sich das Vermögen sogar besser als erwartet vermehren.

Die Mischung macht’s, denn Auszahlpläne auf Aktienfonds sind vor allem für die Rentner geeignet, die bereits solide abgesichert sind. Rentenfonds bieten mehr Sicherheit. Je nach Risikoneigung und Bedürfnissen bietet es sich an, das Vermögen zu splitten. Ein Teil fließt dann in die private Rentenversicherung, ein anderer in Fonds. Auch eine Kombination mit einer klassischen Festzinsanlage ist möglich und in vielen Fällen sinnvoll.

Vom Haus leben
Die Vorteile und Tücken der Umkehrhypothek
Die eigene vier Wände beleihen und trotzdem mietfrei wohnen bleiben – das klingt vor allem für die Eigentümer verlockend, die nur in die eigenen vier Wände investiert, aber sonst nur wenig fürs Alter vorgesorgt haben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Umkehrhypothek, auch Reverse Mortgage oder Immobilienrente genannt, gibt Sicherheit in der Planung, denn die Höhe der Rente, der Zinssatz und die Laufzeit stehen vor Abschluss fest. Doch eine solche Hypothek hat auch diverse Nachteile. „Sie ist sehr teuer“, sagte Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Der Zinssatz für das Darlehen ist hoch, ebenso wie die anfallenden Gebühren. Denn auch die Bank will sich gegen das sogenannte Langlebigkeitsrisiko absichern – und das kostet. Oft erzielen Interessierte daher viel geringere monatliche Zahlungen als erhofft.
Bei der Bewertung der Immobilie nimmt die Bank einen Risikoabschlag vor. Die dann ermittelte Darlehenshöhe ist aber nicht die Summe, die der Kunde ausgezahlt bekommt. Vielmehr darf das Darlehen am kalkulierten Laufzeitende diese Summe nicht übersteigen. So kann es schnell passieren, dass eine Immobilie, die aktuell 200.000 Euro wert ist, nur 340 Euro an monatlicher Rente abwirft. Sie wird aber durch die Hypothek mit 150.000 Euro belastet.

Artikel empfehlen?

Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich




Unsere siegreichen DFB-Kicker erhalten für ihren WM-Sieg die Rekord-Prämie von 300.000 Euro pro Mann. Halten sie dies für angenessen?

Anzeige