27.12.2012 17:30

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Börsenjahr 2013: Die Mischung macht’s



Börsenjahr 2013: Die Mischung macht’s
Ein bewegtes Börsenjahr geht zu Ende. Geprägt war es von heftigen Turbulenzen — und einem positiven Ausgang für viele Anleger. Damit auch 2013 ein ertragreiches Jahr wird, sollten die Portfolios nach dem Multi-Asset-Ansatz strukturiert werden.

von Björn Jesch, Gastautor von Euro am Sonntag

Zweistellige Zuwachsraten waren im Jahr 2012 bei Aktien keine Seltenheit, und auch an den Rentenmärkten endete das Jahr versöhnlich. Nun stellt sich die Frage: Wie wird 2013? Insgesamt sind die Vorzeichen für die Kapitalmärkte günstig, auch wenn eine hohe Schwankungsanfälligkeit ein wesentliches Kennzeichen bleiben wird. Das neue Jahr hält für Investoren eine Fülle von Chancen, aber auch beträchtliche Risiken bereit.

Positiv sind in diesem Zusammenhang die Fortschritte bei der Bekämpfung der europäischen Staatsschuldenkrise zu werten. Hier wurden die Weichen in die richtige Richtung gestellt — sei es bei der Sanierung der nationalen Staatshaushalte oder bei der Wiederherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Problemländer. Besonders wichtig ist das verstärkte Engagement der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bekämpfung der Krise, wodurch die systemischen Risiken deutlich zurückgegangen sind.

Ein weiterer Unterstützungsfaktor sind die Anzeichen für eine Verbesserung der globalen Konjunktur. Schließlich ist die solide Verfassung der Unternehmen bei moderaten ­Aktienbewertungen auf der Habenseite zu vermerken. Kurssteigerungen von sieben bis zehn Prozent sind beispielsweise für globale Aktien im Jahr 2013 durchaus realistisch. Und schließlich dürften zumindest kurzfristig kaum Inflationsgefahren drohen.

Aber: Die Entwicklung an den Kapitalmärkten bleibt risikobehaftet. Insbesondere die Lage in der Eurozone ist — allen Fortschritten zum Trotz — weiter anfällig. Im nächsten Jahr stehen zum Beispiel Wahlen in Deutschland und Italien an. Hält hier die öffentliche Unterstützung für den Eurorettungskurs? Die Aussichten sind gut, aber kurzfristige Marktverwerfungen sind allemal möglich. Hinzu kommt die vielerorts stark angespannte Konjunktur (etwa in Spanien) oder wachsender Reformdruck (wie in Frankreich). In den USA zeigen außerdem die Diskussionen um die anstehende Fiskalklippe und die Anhebung der Schuldenobergrenze das hohe Maß an politischer Polarisierung. In Verbindung mit dem eher moderaten Wirtschaftswachstum auf globaler Ebene besitzen diese Faktoren das ­Potenzial, die Investoren zu verunsichern und die Märkte kräftig durchzuschütteln.

Mischung aus Renditeturbos
und Schockabsorbern

Damit befinden sich die Anleger in einem Dilemma: Ein Rückzug in „sichere Häfen“ ist weiter teuer. Angesichts des Niedrigzins­umfelds bescheren Anlagen wie Bundesanleihen dem Sparer nach Abzug der Inflation ­einen Kaufkraftverlust. Als Alternative bleibt nur die „hohe See“, also ein Investment in chancenorientierte — und damit risikobehaftete — Anlagen. Renditelosigkeit oder Schwankungsanfälligkeit — das scheint auf den ersten Blick die Wahl der Investoren im Jahr 2013 zu sein. Allerdings gibt es auch für solche Marktlagen Lösungen. Gerade im Jahr 2013 gilt: Die Mischung macht’s. Eine intelligente Verteilung der Mittel auf verschiedene Anlageklassen — der sogenannte Multi-Asset-Ansatz — eröffnet Investoren Chancen, ohne dass sie übermäßig hohe Risiken eingehen. So können etwa Aktien als Renditeturbo im Portfolio dienen. Gleichzeitig sollte ein gut strukturiertes Depot jedoch auch Schock­absorber wie erstklassige Staatsanleihen als Absicherung gegen eine erneute Zuspitzung der Schuldenkrise oder Rohstoffe für den Fall einer Eskalation im Nahen Osten enthalten. Eine simple Streuung des Anlagevermögens ist dabei aber zu wenig. An den Kapitalmärkten kommt es derzeit zu schnellen Trend- und Favoritenwechseln. In schwierigen Wetter­lagen ist aber eine häufigere Überprüfung und Anpassung des Kurses, also der Zusammensetzung des Portfolios, besonders wichtig. Mit anderen Worten: Das Management eines Multi-Asset-Portfolios sollte in unruhigen Zeiten dynamisch erfolgen, ohne jedoch ständig die komplette Strategie zu wechseln.

Uns steht also erneut ein bewegtes Börsenjahr bevor, aber die Aussichten sind durchaus vielversprechend. In Anbetracht des Markt­umfelds eignet sich gerade in der aktuellen, von abrupten Richtungswechseln gekennzeichneten Situation ein dynamischer Multi-Asset-Ansatz zur Vermögenssicherung und -vermehrung. Um auf die Entwicklungen an den Kapitalmärkten zeitnah reagieren zu können, sollten Anleger ihr Depot immer im Blick haben oder die Anlageentscheidungen an ­einen professionellen Vermögensmanager übertragen. Kaufen und liegen lassen wird auch im Jahr 2013 nicht funktionieren: Die Zeiten von „buy and hold“ sind definitiv vorbei.

zur Person:

Björn Jesch, Leiter des
Portfoliomanagements bei Union Investment
Jesch ist seit September 2012 bei Union Investment. Seine Zuständigkeit umfasst die Leitung des Fondsmanagementteams mit 240 Mitarbeitern. ­Daneben verantwortet er die Strategie für ein Anlagevolumen von rund ­ 140 Milliarden Euro. Jesch war zuvor von 1999 bis 2012 bei der Deutschen Bank tätig, zuletzt als ­Leiter Global Investment Solutions Deutschland und Mitglied der ­Geschäftsleitung des ­Bereichs Private Wealth Management.
Union Investment gehört zu den Volks- und Raiff­eisenbanken und verwaltet aktuell ein Vermögen von rund 190 Milliarden Euro.

Bildquellen: Laborant / Shutterstock.com

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