22.12.2012 12:00
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Wirtschaft geht gut gepolstert ins Jahr 2013

Arbeitsmarkt: Nach Beschäftigungsboom stabil
Arbeitsmarkt
Die Unternehmen der führenden deutschen Wirtschaftsverbände wollen ihr Personal im kommenden Jahr weitgehend stabil halten. Das geht aus einer Umfrage von Euro am Sonntag hervor.
€uro am Sonntag

von W. Ehrensberger und T. Schmidtutz, Euro am Sonntag

Damit dürfte der anhaltende Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre wohl zunächst zum Erliegen kommen. Mit dem Rückenwind der guten Konjunktur war die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zwischen 2009 und 2012 um gut zwei Millionen auf zuletzt rund 29,4 Millionen gestiegen. Die Verbände begründen diesen starken Zuwachs auch mit der Vorsorge vor drohendem Fachkräftemangel.

„Wir rechnen für das nächste Jahr bei den Beschäftigten mit weitgehender Stagnation“, sagte etwa der Chefvolkswirt des Maschinenbauverbands VDMA, Ralph Wiechers. Die Maschinenbauer hätten ihr Personal 2012 im Jahresschnitt um rund vier Prozent auf 971.000 Mitarbeiter aufgestockt. Damit liege der Mitarbeiterzuwachs über dem erwarteten Produktionsplus von zwei Prozent. Für das kommende Jahr erwartet der VDMA zwar erneut ein Produktionsplus von zwei Prozent, doch könne man dies über Produktivitätszuwächse und die Mitarbeiterreserven abfangen, sagte Wiechers.

Prall gefüllte Arbeitszeitkonten
Ein ähnliches Bild zeichnet der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA): „Wir rechnen mit stabiler Beschäftigung im kommenden Jahr“, sagte VDA-Sprecher Klaus Rotter. Bundesweit beschäftigt die Branche rund 749.000 Mitarbeiter — rund 19.000 mehr als vor einem Jahr. Die sich eintrübende Konjunktur mache sich in der Beschäftigungsbilanz nur langsam bemerkbar, hatte VDA-Präsident Matthias Wissmann Anfang Dezember erklärt. Die Unternehmen würden zunächst die Arbeitszeitkonten abbauen. Hier gebe es einen großen Puffer. Für 2013 rechnet der VDA mit einer Produktion auf dem 2012er-Niveau von 5,4 Millionen Fahrzeugen. Allerdings bestünden je nach Hersteller große Unterschiede, hieß es. So profitieren die deutschen Premiumhersteller von der hohen Nachfrage in China sowie dem erstarkten US-Markt. Dagegen leidet vor allem Opel schwer unter Managementfehlern und der Rezession in wichtigen Märkten.

In der chemischen Industrie hat die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen zwei Jahren um 22.000 auf 437.000 (Ende 2012) zugenommen. Allein 2012 lag der Zuwachs bei 9.000 Mitarbeitern oder zwei Prozent. „Die Unternehmen haben Beschäftigung auch im Vorgriff auf die demografische Entwicklung aufgebaut und vor allem junge Uni-Absolventen eingestellt“, erläutert Manfred Ritz, Sprecher des Chemieverbands, der für 2013 ebenfalls mit konstanter Beschäftigung rechnet. Der Branchenumsatz, der 2012 bei 184,2 Milliarden Euro konstant geblieben ist, soll 2013 um zwei Prozent steigen. Die Branche profitiert von der guten Nachfrage außerhalb Europas, in Europa verläuft das Geschäft dagegen eher schleppend.

In der Elektroindustrie hat die Zahl der Mitarbeiter seit 2010 um fast 50.000 auf 848.000 zugenommen, obwohl Produktion und Umsatz weniger stark gestiegen sind. „Das geschah auch, um drohendem Fachkräftemangel vorzubeugen“, erläutert ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann. „Wir gehen somit gut gepolstert ins Jahr 2013 und rechnen dabei eher mit gleichbleibender oder moderat steigender Beschäftigung. Der Fachkräftemangel wird für die Elektroindustrie eine Herausforderung bleiben.“

Bildquellen: igor.stevanovic / Shutterstock.com
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